Bergführer versus Führungskraft - Kontroverse mit Gemeinsamkeiten

Die Entwicklung eines Projekts erstreckt sich über verschiedene Phasen – vom Kick-Off, über Jour Fixes, Controllings und schließlich zur Abnahme. Einen wesentlichen Teil macht dabei die Teamentwicklung – Forming, Storming, Norming und Performing – Begriffe die an Projektarbeit erinnern.

Unter dem Titel „Führung am Berg“ hält Gerhard Mohsammer den diesjährigen „Soft Skills und Technik – Vortrag“, bei dem er als erfahrener Bergführer einen Zusammenhang zwischen den Kontroversen Berg und Arbeitsplatz herstellt. Die Motivation an einem Arbeitsprojekt teilzunehmen, könnte zu jener bei einer Bergtour nicht gegensätzlicher sein. Bergsteiger sind auf der Suche nach Naturerlebnissen oder wollen zum Beispiel ihren ersten 3.000er erklimmen – ein Projekt soll Mehrwert für Unternehmen schaffen.

Forming: die Vorbesprechung der Tour

„Die Vorbesprechung einer Bergtour ähnelt dem Kick Off eines Events,“ erzählt Gerhard Moshammer. Der Vortragende vergleicht die Tourbesprechung mit der Forming Phase, es kristallisieren sich Rollen heraus – der Bergführer bekommt eine leise Ahnung, mit wem er es hier zu tun hat.

Storming: Tag 2-3 – die Teamentwicklung

Mit dem ersten Tag der Tour startet die Storming Phase: als Bergführer tritt man in den Hintergrund, achtet auf schwächere Mitglied der Gruppe, beobachtet und gibt nur dann Anweisungen, wenn diese notwendig sind. So wenig wie möglich aber so viel wie nötig. Der größte Unterschied in der Teamentwicklung zwischen Arbeit und Berg zeichnet sich daraus ab, dass sie am Berg in einem viel kürzeren Zeitraum stattfindet. Bereits nach zwei bis drei Tagen entwickelt sich die Gruppe in Richtung Performing Phase, in der die richtige Zusammenarbeit stattfindet.

Norming: Zwischenstopp – die Rollenverteilung

Gerhard Moshammer zieht das Modell von Raoul Schindler über Gruppenpsychologie und Gruppendynamik heran. Denn zwischen der Storming und der Performing Phase findet ein wesentlicher Teil der Teamentwicklung statt: die Rollenverteilung. In dieser Phase werden das Alpha – der „Führer“, das Beta – der „Experte“, die Gammas – das „Gros der Gruppe“ und die Omegas – die „Gegner“ benannt. Diese Rollenverteilung findet sowohl in Projekten als auch beim Berggehen im Rahmen der Gruppendynamik statt.

Performing: die Gruppendynamik nimmt ihren Lauf

Extremsituationen fordern Entscheidungen, die Konsequenzen für die Gruppe mit sich ziehen. In diesen Momenten ist es wichtig, dass es neben dem Alpha und seinen Gammas auch kontroverse Ansichten, eines Omegas, gibt und diese benannt werden.

Gerhard Moshammer unterstreicht theoretische Ansätze mit seinen Erlebnissen als Bergführer, er erzählt vom Umgang mit schwierigen Situationen und macht Laune für die nächste Bergtour.