Die „gamifizierte“ Reha-Session

Die "gamifizierte" Reha-Session
Die "gamifizierte" Reha-Session

Mit einer Operation oder sonstigen Behandlung ist es selten getan. PatientInnen brauchen Zeit für die Rehabilitation. Im klinischen Umfeld hat das Personal stets ein Auge auf die Fortschritte im Genesungsprozess. Früher oder später ist man aber wieder auf sich allein gestellt. Genau hier setzen einige neue Konzepte an: egal ob es um Übungen geht, die PatientInnen selbstständig durchführen, oder um die Bewegungsabläufe und körperlichen Belastungen des Alltags – Technik kann entscheidende Hilfestellungen liefern. Im Forschungsprojekt  REHABitation sollen neue Ideen entstehen und bestehende Kompetenzen der FH ausgebaut werden, um Rehabilitations- und Präventionsmaßnahmen zu unterstützen. 

Begleiten, bewerten, motivieren

„Technik kann hier  mehrere Aufgaben erledigen“,  sagt Projektleiterin DI (FH) Patricia Kafka. „Es beginnt mit der Erfassung und Bewertung von Therapie- oder Reha-Maßnahmen, die zuhause durchgeführt wurden.“ Habe ich mein Trainingspensum erfüllt? Und wenn ja: Habe ich die Übungen richtig durchgeführt? Messgeräte helfen, diese Fragen zu beantworten. „Eine weitere Aufgabe von Technik kann aber auch sein, die Motivation zu erhöhen“, so Kafka. „Hier arbeiten wir mit spielerischen Ansätzen. Wenn ich einen gewissen Übungslevel erreicht habe, kann mich das motivieren, die nächsthöhere Stufe zu erklimmen. Das läuft unter dem Begriff Gamifizierung von Anwendungen.“

 

Im Projekt wird zum Teil auf Ergebnisse aus vorangegangenen Forschungsprojekten zurückgegriffen. Besonders sind die langjährigen Tätigkeiten rund um Posturographie, Balance und Sturzprävention von FH-Prof. Ing. MMag. Dr. Anton Sabo hervorzuheben, wie auch die Projekte in Zusammenhang mit der instrumentierten Schuheinlegesohle eShoe oder das Projekt Healthy Interoperability, bei dem es um das Zusammenspiel von Systemen zur Bearbeitung außerklinisch ermittelter medizinischer Daten ging.

Kinect ist nicht nur zum Spielen da

Aktuell arbeitet das REHABitation-Team unter anderem daran, das Videospiel-Steuerungssystem Kinect dafür einzusetzen, vor einem Bildschirm durchgeführte Rehabilitations-Übungen zu analysieren. Außerdem werden sogenannte Inertialsensoren oder IMU genutzt. Das sind kleine Sensoreinheiten, die man am Körper anbringen kann. Sie ermöglichen es, Bewegungen mobil zu erfassen. Die Erfassung geht über das reine Schritte zählen hinaus und umfasst beispielsweise Gelenkswinkel und Beschleunigungen.

 

In einem anderen Teilprojekt ist ein Student gerade dabei, eine App für die Schuheinlage eShoe zu entwickeln, die ein akustisches Signal liefert, wenn ein gewisser Grenzwert der Solenbelastung erreicht wurde. Empfiehlt beispielsweise die Ärztin, ein Bein nur zu 60 Prozent zu belasten, kann sich der Patient mithilfe von eShoe und Handy in Zukunft exakt an die Empfehlung halten. 

Alle an einem Tisch

Das Projekt REHABitation wird von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG im Rahmen der 5. Ausschreibung, COIN-Programmlinie „Aufbau“, gefördert. Es läuft vier Jahre. Vergangenen Herbst startete die auf zwei Jahre veranschlagte Aufbauphase. Im dritten und vierten Projektjahr folgt eine Umsetzungsphase, in der verstärkt an konkreten Projekten gearbeitet wird. Schon von Beginn an sind die verschiedenen Stakeholder aus dem Gesundheitsbereich involviert. In regelmäßigen Vernetzungstreffen erfolgt ein Austausch zwischen ÄrztInnen, Unternehmen und potenziellen AnwenderInnen.

 

„Wir forcieren ein ganzheitliches Konzept zur nachhaltigen Rehabilitation“, sagt Patricia Kafka. „Unsere Technologieansätze sollen die klinische Diagnostik unterstützen und die Anwendung soll für PatientInnen ein Benefit sein. Und genau dafür bedarf es vielfältige Kompetenzen die unser Projektteam gut abbildet.“