Energieeffizienz im Fokus der 5. Viktor-Kaplan-Lecture

Viktor Kaplan-Lecture an der FHTW

v.l.n.r.: DI Walter Scheiber MBA, Salesmanager DACH cyberGRID GmbH; Mag. Dr. Heidelinde Adensam, Abteilungsleiterin im BMWFW, Abteilung Energiebilanz und Energieeffizienz; Moderator Martin Kugler; Klaus Dorninger MBA, Geschäftsführung Energie AG Oberösterreich Power Solutions GmbH

Österreichs E-Wirtschaft bekennt sich, obwohl man ursprünglich für strategische Maßnahmen anstelle des bürokratischen Verpflichtungssystems plädiert hatte, zum knapp ein Jahr alten Energieeffizienzgesetz und will sich mit voller Kraft dafür einsetzen, um eine erfolgreiche Umsetzung zu unterstützen. Das erklärte Klaus Dorninger, Geschäftsführer der Energie AG Oberösterreich Power Solutions GmbH im Rahmen der zweiten Viktor-Kaplan-Lecture 2015, einer Veranstaltungsreihe, die gemeinsam von Oesterreichs Energie und FH Technikum durchgeführt wird. Wesentlich ist für Dorninger, dass die in Finalisierung befindliche Richtlinienverordnung ausgewogen und pragmatisch gestaltet ist: „Notwendig sind Rahmenbedingungen für die Energielieferanten, ihre Pflichten ohne überbordenden bürokratischen Aufwand zu erfüllen.“ Am 31. Dezember 2015 endet das erste Jahr, in dem die österreichischen Energielieferanten erstmals ihre Pflichten aufgrund des Energieeffizienzgesetzes (EEFFG) erfüllen müssen. Voraussichtlich noch im November wird die Richtlinienverordnung erlassen, die vor wenigen Wochen in Begutachtung ging. Im Zuge der am 13. November angeschlossenen Begutachtung langten laut Heidelinde Adensam, die Leiterin der Abteilung Energiebilanz und Energieeffizienz im Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft (BMWFW) rund 70 Stellungnahmen ein, die nunmehr eingearbeitet werden. Nach Möglichkeit soll die Verlautbarung der Verordnung noch im November erfolgen. Damit könnte sie mit Beginn 2016 in Kraft treten.

Adensam sieht das Energieeffizienzgesetz als logische Fortsetzung des bereits 2006 von der EU angestoßenen Prozesses: 2006 habe die Europäische Union die Energiedienstleistungsrichtlinie (2006/32/EG) erlassen. Diese enthielt indikative und damit freiwillige Vorgaben für die Steigerung der Energieeffizienz und konnte daher mit freiwilligen Vereinbarungen umgesetzt werden. Laut Adensam „hat das sehr gut funktioniert.“ Die E-Wirtschaft beispielsweise habe ihre Ziele sogar übererfüllt. Im Dezember 2012 erging die Energieeffizienzrichtlinie der EU (Richtlinie 2012/27/EU), die nunmehr bindende Verpflichtungen enthält. Auch das Regierungsprogramm der österreichischen Bundesregierung enthält diesbezügliche Festlegungen. Gemeinsam mit der EU-Richtlinie sind diese die rechtliche und politische Basis für das Energieeffizienzgesetz, das im Sommer 2014 beschlossen wurde und hinsichtlich der Lieferantenverpflichtung seit 1. Jänner 2015 gilt.

Ziele: Ambitioniert, aber erreichbar

Laut Adensam ist das im Gesetz festgelegte Ziel, den Brutto-Endenergiebedarf Österreichs bis 2020 auf 1.050 Petajoule (PJ) zu senken, ambitioniert, aber erreichbar. Für Energielieferanten, die mehr als 25 Gigawattstunden pro Jahr an Endkunden verkaufen, besteht die sogenannte Lieferantenverpflichtung. Dieser zufolge müssen die Lieferanten Maßnahmen erbringen, die 0,6 Prozent ihres Vorjahresabsatzes entsprechen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass sie verpflichtet sind, entsprechend weniger Energie zu verkaufen, betonte Adensam. Notwendig sei die Einführung der Lieferantenverpflichtung deshalb gewesen, weil das Regierungsprogramm ausdrücklich die Gleichbehandlung aller Energieträger forderte.

Pflichten haben indessen nicht nur die Energielieferanten, sondern auch Unternehmen mit mindestens 250 Mitarbeitern sowie einer bestimmten Umsatz- sowie Bilanzsummenhöhe. Sie müssen entweder die Einführung eines ISO-zertifizierten Energiemanagementsystems nachweisen oder mittels eines Energieaudits im Vierjahresrhythmus ihren Energiebedarf erheben lassen. Zum Setzen von Effizienzmaßnahmen sind sie aber nicht verpflichtet, selbst dann, wenn diese wirtschaftlich rentabel wären. Den Bund selbst verpflichten die EU-Richtlinie und das Gesetz, mit gutem Beispiel voranzugehen. Konkret bedeutet dies, pro Jahr mindestens drei Prozent der im Eigentum der öffentlichen Hand befindlichen und von ihr genutzten Gebäude energetisch zu sanieren. Eine maßgebliche Rolle bei der Implementierung des Gesetzes spielt laut Adensam die Monitoringstelle, die von der Österreichischen Energieagentur betrieben wird. Sie hat die Aufgabe, zu überprüfen, ob die Energielieferanten, die Unternehmen sowie der Bund ihre Pflichten erfüllen.

Ökonomisch und ökologisch attraktiv

Die Steigerung der Energieeffizienz in den kommenden Jahren ist unumgänglich, so Dorninger, um die energie- und klimapolitischen Ziele der Europäischen Union zu erreichen. Diese sehen vor, den Anteil der erneuerbaren Energien an der Bedarfsdeckung bis 2020 auf 20 Prozent zu steigern, die CO2-Emissionen um 20 Prozent zu vermindern und die Energieeffizienz um 20 Prozent zu erhöhen. Auf die Ebene der Nationalstaaten heruntergebrochen, heißt dies für Österreich unter anderem, den Anteil der erneuerbaren Energien an der Bedarfsdeckung von derzeit rund 32 auf 34 Prozent zu erhöhen. Dabei spiele die Verminderung des Bedarfs und damit die Steigerung der Energieeffizienz eine wichtige Rolle, da die Potenziale für den Ausbau der erneuerbaren Energien begrenzt sind.

Oesterreichs Energie erwartet, dass im Zuge der Bemühungen um einen noch effizienteren Energieeinsatz Strom an Bedeutung gewinnen wird. Als Beispiel nannte Dorninger das Thema Elektromobilität. Während Verbrennungsmotoren Wirkungsgrade von etwa 20 bis 25 Prozent aufweisen, kommen Elektromotoren auf rund 85 Prozent. Wird der zu ihrem Betrieb benötigte Strom mit erneuerbaren Energien, etwa der für Österreich unverzichtbaren Wasserkraft, hergestellt, ist damit auch der Vorteil erheblicher CO2-Reduktionen verbunden. „Lösungen wie diese sind daher gleichzeitig ökonomisch und ökologisch attraktiv“, betonte Dorninger. Mit dem Thema Energieeffizienz werden sich für die Energieunternehmen auch neue Geschäftsmodelle ergeben. Der bloße Verkauf von Kilowattstunden verliert an Bedeutung, so Dorninger. Dem gegenüber gewinnen Energiedienstleistungen für alle Kundengruppen von der Industrie über das Gewerbe bis zu den Haushalten an Bedeutung. Für Haushalte können sich etwa Smart-Home-Angebote zur Steuerung des Strom- und nicht zuletzt auch Wärmebedarfs als attraktiv erweisen. Hinsichtlich der Verminderung des Wärmebedarfs bietet sich der Einsatz von Wärmepumpen ebenso an wie der Ersatz alter Kessel durch moderne Brennwertgeräte. Dadurch lassen sich Verbrauchsreduktionen von etwa 20 bis 30 Prozent darstellen. Gewerbe und Industrie wiederum können Vorteile aus Contracting-Modellen ziehen, bei denen der Energielieferant beispielsweise den Betrieb von Energieerzeugungsanlagen optimiert.

Neue Geschäftsmodelle

Möglichkeiten für neue Geschäftsmodelle sieht auch Walter Scheiber, Salesmanager der DACH cyberGRID GmbH. Diese hat ein Softwareprogramm mit der Bezeichnung „cyberNOC“ zum Betrieb sogenannter „virtueller Kraftwerke“ entwickelt, das sie Energielieferanten anbietet. So ist es möglich, mehrere steuerbare Erzeugungsanlagen wie Kleinwasserkraftwerke ab einer Leistung von etwa 0,5 Megawatt (MW) zu Blocks mit insgesamt etwa 10 MW zusammenfassen und damit auf dem Markt für Ausgleichs- sowie Regelenergie tätig zu werden. Diese Energie wird benötigt, um die unvermeidbaren Schwankungen von Erzeugung und Verbrauch zu kompensieren und damit die Stromnetze stabil zu halten. Üblicherweise wird ein virtuelles Kraftwerk vom Energielieferanten gemanagt. Laut Scheiber sind aber auch Konzepte vorstellbar, bei denen der jeweilige Stromnetzbetreiber in die Steuerung der Anlagen eingreift.

Sichere Daten

Ein wichtiges Thema bei den neuen Geschäftsmodellen im Bereich der Energiedienstleistungen sowie der Energieeffizienz spielt der verantwortungsvolle Umgang mit den Daten der jeweiligen Kunden. Scheiber sieht es als unbestritten an, dass die Daten im Eigentum des Kunden zu sein haben. Er sollte jedoch berechtigt sein, diese an Energiedienstleister weiterzugeben, falls sie zum Erbringen einer bestimmten Dienstleistung notwendig sind. Freilich müsse dabei auf Datenschutz und Datensicherheit geachtet werden.

Laut Dorninger ist es speziell im Industriebereich erforderlich, über möglichst umfassende Daten hinsichtlich der technischen Spezifikationen der jeweiligen Anlagen sowie ihres Betriebes zu verfügen. Nur so können gemeinsam mit dem Kunden optimale Lösungen entwickelt werden. Das Recht des Kunden auf Datenschutz und Datensicherheit bleibt davon selbstverständlich unberührt. Mit den Viktor-Kaplan-Lectures bieten Oesterreichs Energie und die FH Technikum Wien eine Plattform zur offenen Diskussion über die technische sowie organisatorische Bewältigung der Umgestaltung des Energiesystems. Die Viktor-Kaplan-Lectures finden zwei Mal pro Jahr statt.

Fotos zur Viktor Kaplan-Lecture