F&E-Projekte erfolgreich managen

Das Management von Projekten ist auch in der Forschung & Entwicklung ein wichtiges Thema. Doch gerade in der angewandten Forschung herrscht oft besonders hohe Unsicherheit: Die Ziele sind meist vage und sehr großzügig formuliert und die Ergebnisse sind weder vorhersehbar noch planbar. Gleichzeitig können die gewonnenen Erkenntnisse aber auch in eine ganz neue und spannende Richtung führen. Es ist dementsprechend nicht verwunderlich, dass die klassischen Projektmanagement-Ansätze mit ihren konkreten Projektplänen und Zielvorgaben in diesem Bereich oft nicht anwendbar sind. 

Zitronen und F&E-Projekte

Eine erfolgreiche Alternative ist „Effectuation“, ein relativ neues Konzept aus der Entrepreneurship-Forschung. Rita Leitner, Studiengangsassistentin des Bachelor-Studiengangs Biomedical Engineering, hat sich in einer Projektarbeit für die European Management Academy näher mit dem Einsatz von „Effectuation“ im  F&E-Projekt NewTissue beschäftigt. Im Gegensatz zum klassischen Projekt-management konzentriert sich dieser Ansatz nicht auf die in der Zukunft liegenden Ziele. Der Fokus liegt auf den gegebenen Mitteln, die ein erfolgreiches Handeln unter Unsicherheit ermöglichen. Wichtig ist dabei, den tragbaren Verlust beim Einsatz von Geld und Mitteln zu berücksichtigen und die vorhandenen Netzwerke zu nutzen.

Besondere Bedeutung haben auch sich überraschend ergebende Möglichkeiten, die man ergreifen sollte, um zu neuen Ergebnissen zu kommen. „Es ist das Lemonade-Principle“, so Rita Leitner: „Wenn plötzlich eine unerwartete Ladung Zitronen kommt, ist das im klassischen Projektmanagement ein Ereignis, das den Plan stört, folgt man aber ‚Effectuation‘ kauft man sich eine Zitronenpresse und verkauft Limonade“.   

Effectuation im Projekt NewTissue

Die Idee zu ihrer Arbeit kam Rita Leitner während einem der regulären Treffen der Institute der FH Technikum Wien, bei dem der neue Ansatz im Zuge des gemeinsamen Austauschs vorgestellt wurde. Für ihre Arbeit befragte Rita Leitner in persönlichen Interviews alle ForschungsmitarbeiterInnen und den Leiter des Projektes NewTissue, Mag. Dr. Dominik Rünzler, im Institut für Biochemical Engineering. Die Gespräche zeigten, dass die MitarbeiterInnen vor allem in der Anfangsphase des Projektes auf die Methoden des neuen Konzeptes zurückgriffen. Das Projektziel war so weit definiert als notwendig und wurde laufend präzisiert. Die Umsetzung neuer Ideen war am Anfang relativ einfach möglich und unvorhergesehene Ereignisse konnten integriert werden. Erst mit zunehmender Projektdauer stieg der Publikationsdruck und eine genauere Definition des Zieles war notwendig.

Rita Leitner kommt in ihrer Arbeit zu dem Ergebnis, dass „Effectuation“ gerade in der Anfangsphase eines F&E-Strukturaufbauprojektes einer Fachhochschule eine geeignete Projektmanagement-Methode ist. „‚Effectuation‘ führt zu Innovationen und hilft Forschungsprojekte wie NewTissue erfolgreich zu verwirklichen“, so Rita Leitner über das Ergebnis ihrer Arbeit.

Weitere Details können in der Arbeit nachgelesen werden: