FH Technikum Wien und TU Wien starten Doktoratsprogramm im Bereich Tissue Engineering

Der Wissenschaftsfonds FWF fördert mit fünf Mio. Euro kooperative Doktoratsprogramme zwischen heimischen Universitäten und Fachhochschulen. FHTW und TU Wien wollen im Rahmen der Zusammenarbeit unter dem Titel „MatureTissue“ neue Therapieansätze für muskuloskelettale Erkrankungen entwickeln.

Die FH Technikum Wien startet gemeinsam mit der TU Wien erstmals ein Doktoratsprogramm im Bereich Tissue Engineering (Gewebezüchtung). Ermöglicht wird dies durch eine Förderung des Wissenschaftsfonds FWF, der über das Programm doc.funds.connect an insgesamt fünf Standorten in Österreich eine solche Zusammenarbeit zwischen Fachhochschulen und Universitäten unterstützt. Jedes der fünf Doktoratsprogramme wird dabei mit rund einer Mio. Euro gefördert. Die Laufzeit des Programms zwischen der FHTW und der TU Wien ist auf vier Jahre angelegt. Im Rahmen des Doktoratsprogramms „MatureTissue“ wollen die Forschungsteams der beiden Hochschulen die Ursachen muskuloskelettaler Erkrankungen genauer untersuchen und neue Therapieansätze entwickeln. „Dass wir nun diese Exzellenz-Förderung vom FWF erhalten ist eine besondere Auszeichnung für unsere eigenen Forschungsaktivitäten und für das gesamte Tissue Engineering-Feld in Österreich wichtig“, sagt Andreas Teuschl-Woller, der das Doktoratsprogramm koordiniert und an der FH Technikum Wien den Master-Studiengang Tissue Engineering and Regenerative Medicine sowie den Forschungsschwerpunkt Tissue Engineering & Molecular Life Science Technologies leitet.

V.li: Carina Huber-Gries (Departmentleiterin Life Science Engineering), Anna Weihs (Forscherin und Lektorin), Tissue Engineering-Forschungsschwerpunktleiter Andreas Teuschl-Woller, Rektorin Sylvia Geyer, Geschäftsführer Florian Eckkrammer

„Ich freue mich mit unserem Team über diesen Erfolg, der auch das hohe wissenschaftliche Niveau unserer Hochschule im Bereich Tissue Engineering würdigt“, sagt FHTW-Rektorin Sylvia Geyer. Geschäftsführer Florian Eckkrammer ergänzt: „Dank der Finanzierung durch das FWF-Programm können wir das erfolgreiche Engagement in diesem Bereich ausbauen und die Zusammenarbeit mit der TU Wien weiter intensivieren.“

„Dieses Förderinstrument bietet uns die Möglichkeit, unsere Aktivitäten in diesem Segment auf ein solides Fundament zu stellen“, sagt Teuschl-Woller. „Es ist der ideale Startpunkt, um die einzigartigen Expertisen der beiden Hochschulen zu kombinieren und zu etwas wirklich Großem zu machen“. Starten wird das Programm Anfang März 2022, im November beginnt das Bewerbungsverfahren für die Studierenden – ausgeschrieben werden die fünf Plätze international.
 

Schmerzendes Knie - Symboldarstellung
Im Doktoratsprogramm sollen die Ursachen muskuloskelettaler Erkrankungen genauer untersucht und neue Therapieansätze entwickelt werden.

Gutes Netzwerk als Teil des Erfolgs

Die ausgewählten Doktorand*innen werden jeweils von einer/m Expertin/en des Technikums und der TU Wien und eine*r externen Wissenschaftler*in betreut. Im Rahmen des Programms sollen den Studierenden auch Auslandsaufenthalte an internationalen Partnerhochschulen ermöglicht werden. Entwickelt hat das Projekt Andreas Teuschl-Woller von der Fakultät Life Science Engineering gemeinsam mit Martina Marchetti-Deschmann vom Institut für Chemische Technologien und Analytik – sie ist auch Co-Koordinatorin des Programms –, sowie mit Philipp J. Thurner vom Institut für Leichtbau und Struktur-Biomechanik der TU Wien. Außerdem sind noch die TU-Institute für Angewandte Synthesechemie und für Werkstoffwissenschaften und Werkstofftechnologie an dem Programm beteiligt. Auch der Austrian Cluster for Tissue Regeneration und die internationale Tissue Engineering-Organisation TERMIS unterstützen bzw. werden in die Umsetzung integriert. „Wir sind in diesem Bereich extrem gut vernetzt. Auch das hat zu dem Erfolg maßgeblich beigetragen“, erklärt Teuschl-Woller.

Enge Zusammenarbeit

Mit der TU Wien verbindet die FHTW bereits seit 2018 eine enge Zusammenarbeit im Rahmen eines Doktoratskollegs mit der Fakultät für Informatik im Bereich Resilient Embedded Systems, das direkt vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung gefördert wurde.

Auch im Feld des Tissue Engineerings hat die FH Technikum Wien schon bisher regelmäßig mit der TU Wien kooperiert. Mit dem neuen Doktoratsprogramm wird die Zusammenarbeit nun weiter vertieft. Zudem bietet sich der Fachhochschule nun die Möglichkeit, Forschung und Ausbildung auf PhD-Level strukturell zu verankern. Mit dem Programm können außerdem Synergien zu den bestehenden Aktivitäten an der FH Technikum Wien genützt und dieser Bereich weiter ausgebaut werden. „Durch unsere Forschung können wir am Technikum auch topaktuelle Lehre anbieten. Diese Verknüpfung bietet einen enormen Mehrwert auf beiden Seiten“, sagt Teuschl-Woller.

Bioreaktor
Das Doktoratsprogramm nutzt Synergien mit laufenden Projekten des Forschungsschwerpunkts.

Das Doktorats-Programm baut dabei auf bisherigen, Stadt Wien- und FFG-geförderten Projekten des Forschungsschwerpunkts wie reacTissue, DiseaseTissue und SignalTissue auf bzw. werden Synergien mit aktuell laufenden Projekten (v.a. die von der Stadt Wien geförderten Projekte AgingTissue, Histozytometrie, Mikroplastik & Nanopartikel) genutzt. Im „MatureTissue“-Projekt will man nun mit den Methoden des Tissue Engineering funktionelle Muskel-, Knorpel- und Knochen-Gewebe züchten. Dazu werden 3D-Zellkonstrukte, vorwiegend aus Stammzellen generiert, in Bioreaktoren und mikrofluidischen Systemen mechanisch stimuliert. Die Forschungsgruppen erhoffen sich dadurch ein besseres Verständnis für die Regenerationsfähigkeit dieser Gewebe und die Ursachen muskuloskelettaler Erkrankungen. Letztendlich soll mit dem Forschungsvorhaben das Fundament für neue Therapiemöglichkeiten unter dem Einsatz von künstlich gezüchtetem „Spender“-Gewebe gelegt werden.