Forschen und Eindrücke sammeln in Boston

Gruppenfoto Tufts University Campus Tufts University Jumbo - das Maskottchen der Tufts University

Nach seinem Aufenthalt an der Tufts University erzählt Andreas Teuschl (Institut für Biochemical Engineering) von wertvollen Erfahrungen und unterschiedlichen (Forschungs-)Kulturen.

Alles begann mit einem Treffen auf einer Konferenz. Dort lernte DI Dr. Andreas Teuschl vom Institut für Biochemical Engineering Professor David Kaplan von der Tufts University in Boston kennen. Der weltweit renommierte Experte aus dem Bereich Tissue Engineering zeigte sich beeindruckt von der Arbeit des jungen Forschers am Technikum und lud ihn zu einem Aufenthalt an seinem Department ein. Weil Teuschl damals noch an Projekte in Wien gebunden war, verzögerte sich der Besuch. Im Rahmen seiner Mitarbeit im von der Stadt Wien geförderten Projekt Tissue Engineering International konnte Andreas Teuschl die Einladung schließlich in diesem Jahr annehmen.

Sechs Monate lang arbeitete der Österreicher als Teil des 80-köpfigen Forschungsteams in Massachusetts. „In der Forschung habe ich mich oft mit Kaplan abgesprochen. Er ist ein Pionier im Bereich Seide als Biomaterial, sicher die Nummer Eins der Welt“, erzählt Teuschl. Er selbst arbeitete –im Rahmen des Stadt Wien Projekts Tissue Engineering International – an der Kombination verschiedener Hydrogele aus Seide und Fibrin und versuchte, künstliche gewebeähnliche  Umgebung für Knorpelzellen zu erzeugen.

Der Aufenthalt in Boston brachte den Forscher nicht nur auf seinem Fachgebiet weiter, sondern ermöglichte auch Einblicke in eine ganz andere Forschungskultur: „In den USA ist alles sehr kompetitiv. Was ich etwas vermisst habe, ist die offene Zusammenarbeit über die Arbeitsgruppen hinaus. Bei uns hilft jeder jedem, auch projektübergreifend.“ Dafür fand aber ein strukturierter Austausch in Form regelmäßiger Meetings mit anderen Projekten statt. „Da war hervorragendes Feedback für mich dabei, weil wir alle auf ähnliche Bereiche spezialisiert sind. Im Team am Technikum arbeite ich ja mit SpezialistInnen aus verschiedensten Bereichen zusammen.“

Ein weiterer bleibender Eindruck: die amerikanische Verkäufer-Mentalität spiegelt sich auch in der wissenschaftlichen Community wieder: „Die Forscher sind viel mehr ,selling‘ als bei uns. Wenn jemand Daten präsentiert, hat man immer das Gefühl, es geht um das Nonplusultra, ganz unabhängig von der eigentlichen Qualität der Ergebnisse. In Österreich ist man da viel zurückhaltender und verkauft sich umgekehrt manchmal unter Wert.“

Auch der amerikanische Optimismus beeindruckte Teuschl. Die Zusammenarbeit mit ForscherInnen aus Amerika, Europa und Asien brachte zudem Kontakte aus aller Welt. Und schon der Betrieb an der kompakten und spezialisierten Campus-Universität mit etwa 11.000 Studierenden war eine Erfahrung für sich:  „Von der eigenen Sportstätte bis zum Polizeiposten wird dort alles geboten.“ Dafür ist die Infrastruktur abseits des Campus nicht auf Wiener Niveau: Lange und unregelmäßige Busintervalle und teils stundenlange Staus im Berufsverkehr machten den Österreicher fast zwangsläufig zum intensiven Radfahrer.

Die Wissenschaft hat in den USA nicht nur einen hohen ideellen Wert: die Tufts University profitiert von Förderungen durch das Militär und Spenden großzügiger Gönner. „Da geht es um Summen, von denen wir in Österreich natürlich nur träumen können“, sagt Teuschl. Dankbar zeigt er sich für die vorbereitende Unterstützung von allen verantwortlichen Stellen an der FH Technikum Wien (Center for International Relations, Projektservice, Geschäftsführung und dem Institut für Biochemical Engineering). Und wie man sieht, hat sich diese Unterstützung ausgezahlt: mit Lorenzo Tozzi, PhD, war bereits ein Kollege aus Italien zu Besuch und hielt einen Gastvortrag, zu dem die Studierenden des Masterstudiengangs „Tissue Engineering and Regenerative Medicine“ eingeladen waren, weitere aus anderen Ländern sollen folgen.