Frauen@FHTW: Den eigenen individuellen Weg finden

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Mit Mag. Dr. Susanne Schidler unterhielten wir uns für die Dezember-Ausgabe der Serie „Frauen@FHTW“. Sie ist am Institut für Erneuerbare Energien am Standort ENERGYbase in der Forschung an diversen Projekten und im Entwicklungsteam des Bachelor-Studiengangs Urbane Erneuerbare Energietechnologien tätig. Ebenfalls vermittelt sie als Lektorin in drei Studiengängen ihren Studierenden fachliche Inhalte in einer systemischen Betrachtungsweise.

Mag. Dr. Susanne Schidler
Mag. Dr. Susanne Schidler

Frau Schidler, auf welchem Weg hat es Sie an die FH Technikum Wien verschlagen?

Ich war zunächst am Institut für Technikfolgen–Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften tätig. Mein Arbeitsschwerpunkt lag im Bereich umweltrelevante Technologien und Nachhaltigkeit. Zunächst wurde mir ein Lehrauftrag am TGM angeboten, über den es mich dann an die FH Technikum Wien ans Institut für Erneuerbare Energien verschlagen hat.

Aus welcher fachlichen Richtung kommen Sie ursprünglich?

Begonnen hat alles mit meinem Ökologiestudium, dessen Curriculum ich teilweise aus selbst gewählten Lehrveranstaltungen der Technischen Universität, der BOKU und der Universität Wien zusammengestellt habe.

Was fasziniert Sie an der Thematik Erneuerbare Energien?

Die Thematik der Erneuerbaren Energien ist oft von Ideologie getrieben. Ein Grund dafür könnte sein, dass das Thema auch in Zusammenhang mit Ökologie und Umweltschutz gesehen wird. Technik ist jedoch im Allgemeinen keine System-Wissenschaft! Bei Erneuerbaren Energietechnologien hingegen ist systemisches Denken wichtig. Systemintegration bedeutet auch die Berücksichtigung von z.B, gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.

Eine technischer Fachbereich, der also besser mit Menschen kann, als andere?

In unserer Forschung läuft oft die Frage mit, was Technik mit dem Menschen macht, welche Auswirkungen Technik auf den Menschen hat? TechnikerInnen können diese Fragen nicht alleine beantworten. Hier ist interdisziplinäre Arbeit nötig. So können dann alle Beteiligten ihre Kernkompetenz einbringen, die bei TechnikerInnen eben eher im Bereich der Entwicklung und Optimierung der Technik selbst liegt.

Wie gut kann Technik beruflich mit Frauen?

Es könnte besser laufen zwischen den beiden! Leider gibt es sehr wenige Frauen in diesem Bereich. Am Institut zum Beispiel bin ich die einzig fix angestellte Frau in der Forschung. An den Lektorinnen gemessen, haben die Studiengänge Urbane Erneuerbare Energietechnologien und Erneuerbare Urbane Energiesysteme mit ca 30% den höchsten weiblichen Anteil.

Woran liegt dieser Wert?

Bei Ausschreibungen müsste dezidiert nach qualifizierten Frauen Ausschau gehalten werden. Bei der Ausbildung wird in der Didaktik und Lehre zu wenig darauf geachtet, dass die Wertschätzung von Unterschiedlichkeit gelebt wird. Bei vielen Dingen habe ich den Eindruck, als ob Homogenität angestrebt wird und „anders“ gleich mal schlecht ist. Vorangegangen durch politische Bewegungen und Politiker, die es vorleben, bricht die Konservativität wieder auf. Soziale Errungenschaften der Vergangenheit werden wieder abgebaut.

Was könnte Verbesserung bringen?

Wahlfreiheit! Die eigene Freiheit Entscheidungen zu treffen, ohne permanenten Druck von Interessengruppen in irgendeine Richtung zu spüren. Denn: Die Freiheit der einen hört da auf, wo ich die Freiheit der anderen einschränke!

Welche Methode des Genderns haben Sie für sich gewählt?

Ich habe kein 100%iges Konzept in meinen Lehrveranstaltungen. Ich versuche die neutrale Form zu verwenden, ansonsten wechsle ich zwischen weiblich und männlich, versuche aber die weibliche Form öfter zu inkludieren. Deshalb erkläre ich meinen Studierenden, dass mir bei einer Projektarbeit nicht ein Absatz vorne genügt, der die männliche Form im Inhalt rechtfertigt. Eigentlich ist es ganz einfach: Gleichberechtigung gehört gelebt! Sie muss sichtbar gemacht werden, ohne ständig mit dem Fingerzeig zu ermahnen.

Ist Erfolg etwas, das Sie anstreben?

Beruflicher Erfolg bedeutet für mich, das zu tun, das mir Freude bereitet und ich mich noch im Spiegel ansehen kann. Natürlich soll die Bezahlung adäquat sein, nicht geschlechtsspezifisch.

Blieb in den letzten Jahren noch Zeit für Weiterbildung?

Ich gehe sparsam mit meiner Freizeit um, da oft wenig davon übrig bleibt. An der FH konnte ich aber einige Seminare besuchen, vor allem die Didaktik und eLearning-Seminare waren sehr befruchtend. Generell öffnet die FH ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Tür zu Weiterbildung. Als positiv hat sich auch die Genderberatungs-Ausbildung herausgestellt. Bei Forschungsanträgen ist es von Vorteil, wenn eine Person in dem Thema versiert ist.

Was wünschen Sie Kolleginnen?

Frau sollte sich nicht nach anderen richten, sondern ihren eigenen individuellen Weg finden. Schließlich gibt es kein „Patentrezept“ für den richtigen besten Weg. Es gibt nicht den EINEN Weg, sondern nur den eigenen.