Grüne Chemie: Nachhaltigkeit im chemischen Denken

Ende Juni wurde die Plattform Grüne Chemie vom Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt ins Leben gerufen. Barbara Gepp, Leiterin des Kompetenzfelds Chemical Engineering & Ecotoxicology, vertritt gemeinsam mit Uwe Rinner von der FH Krems die österreichischen Fachhochschulen. Insgesamt sind 23 Stakeholder im neuen Komitee vertreten.



Schon seit mehreren Jahren werden unter dem Begriff der Grünen Chemie Bestrebungen zusammengefasst, die Prinzipien der Nachhaltigkeit in Chemie und chemischer Wirtschaft zu verankern. Die FH Technikum Wien gehörte in diesem Bereich zu den ersten Kooperationspartnern des Bundesministeriums. Auf Initiative des Umweltbundesamts fanden dann seit letztem Jahr eine Konferenz und zwei Sitzungen mit ExpertInnen zu dem Thema statt. Die Gründung der Plattform ist ein wichtiger nächster Schritt, sie soll auch politisch beraten. Aus zahlreichen bereits gesammelten Ideen entsteht nun ein Arbeitsprogramm.

Was bedeutet „Grüne Chemie“?

„Grüne Chemie“ meint eine ökologisch orientierte Chemie, die darauf achtet, dass in ihren Prozessen und Produkten so wenig gefährliche Substanzen wie möglich zum Einsatz kommen oder entstehen. Außerdem wird auf ressourcenschonende Verfahren gesetzt. Der Fokus liegt auf der Auswirkung von Chemikalien in ihrem gesamten Lebenszyklus vom Rohstoff bis zum Abfall.

Welche Rolle spielen nachwachsende Rohstoffe?

Noch immer bildet Erdöl die Grundlage eines Großteils der chemischen Produkte. Die Grüne Chemie forciert den Einsatz nachwachsender und nachhaltig gewonnener Rohstoffe. Neben der stofflichen zählt auch die Frage nach der energetischen Effizienz zu den Kernanliegen der Grünen Chemie.

Wie lauten die Prinzipien der Grünen Chemie?

Die Grüne Chemie versteht sich als ganzheitlicher Ansatz, der das Prinzip Nachhaltigkeit in der Branche etabliert. Die beiden amerikanischen Chemiker Paul Anastas und John C. Warner haben dafür zwölf Prinzipien aufgestellt, die als allgemein anerkannter Maßstab gelten:

  • Abfallvermeidung
  • Vermeidung von Nebenprodukten (Atomökonomie)
  • Durchführung von Synthesen mit weniger gefährlichen Stoffen
  • Herstellung möglichst sicherer und umweltfreundlicher Chemikalien
  • Einsatz umweltfreundlicher Löse- und Hilfsmittel
  • Einsatz energieeffizienter Verfahren
  • Einsatz erneuerbarer Rohstoffe
  • Vermeidung von Derivaten als Zwischenstufen in Synthesen
  • Einsatz von Katalysatoren
  • Herstellung biologisch abbaubarer Stoffe
  • Einsatz von Prozessanalytik zur laufenden Überwachung der Synthesen
  • Unfallvermeidung

Wie schlägt sich Grüne Chemie im Studium nieder?

Im Master-Studiengang Ökotoxikologie und Umweltmanagement ist dem Thema ein ganzes Modul mit 5 ECTS gewidmet: „Vorrangig geht es darum, bei den Studierenden für ihre Arbeit ein Bewusstsein zu schaffen und die 12 Prinzipien zu vermitteln“, erklärt Barbara Gepp. „Das heißt zum Beispiel, dass toxische Stoffe bewusst identifiziert werden und mögliche umweltverträgliche und nachhaltige Alternativen aufgezeigt werden.“