In der Lehre über den Tellerrand blicken

Ende Mai wurde erstmals der Staatspreis "Ars Docendi" an Lehrende von Fachhochschulen und Privatuniversitäten vergeben. Der Preis soll besondere Leistungen in der Lehre hervorheben. Zu den PreisträgerInnen, die von Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner ausgezeichnet wurden, gehörten Daniela Waller, Msc, und Roland Priebernig, Msc.

Lernergebnisorientierung, Studierendenzentrierung und didaktische Vielfalt – die prämierte Lehrveranstaltung „IT Project Management“ im  Fernstudium Business Informatics (Wintersemester 2012/13) ist in mehrerlei Hinsicht exemplarisch für die Bestrebungen, Qualität in der Lehre an unserer FH zu sichern und weiterzuentwickeln.

Was war das Besondere am Konzept der Lehrveranstaltung? 

Roland Priebernig, MSc: Wir wollten die Studierendenorientierung in den Distance Study Programs weiter verbessern. Bis dahin waren in den Lehrveranstaltungen nur die Ergebnisse Studierender messbar, nicht aber deren Lernprozess selbst. Wir haben eine Lehrveranstaltung entwickelt, in welcher den Studierenden klar vermittelt wurde, was sie nach Abschluss können und wissen sollen. So war eine Selbstreflexion möglich und die Studierenden konnten im Verlauf der Lehrveranstaltung stets deren Soll- und Ist-Status zu definierten Lernergebnissen vergleichen.

Zum Einsatz kam ein sogenanntes ePortfolio. Was hat es damit auf sich?

Priebernig: Zwischen Auftakt und Ende einer Lehrveranstaltung lernen die TeilnehmerInnen ja alleine. Insofern ist die Fernlehre die Königsdisziplin aus Studierendensicht. Wir haben mit der ePortfolio-Methode eine Kombination aus Arbeits- und Beurteilungsportfolio entwickelt. Das Arbeitsportfolio unterstützte den Lernprozess. Die TeilnehmerInnen bekamen regelmäßig Feedback in Form eines Profils. Wo liege ich nach dem jeweiligen Durchgang? So haben sie versucht sich ständig zu verbessern. In Moodle wurde ein Kursraum geschaffen, in dem Inhalte modulweise heruntergebrochen wurden und auch ein Lernpfad empfohlen wurde – nach dem Motto: „Lies dieses Kapitel, mach diese Übung, dann schau dir dieses Video an“, aber natürlich nicht verpflichtend.

Daniela Waller, MSc: Die Lehrveranstaltung war auch noch mit einer zweiten Lehrveranstaltung namens „Case Study 3“ verknüpft. In der LV „IT Project Management“ wurden Produkte entwickelt, die in die Fallstudie einflossen und weiterentwickelt wurden. So wurden theoretische und praktische Inhalte verbunden.

Projektmanagement ist ein sehr klar strukturiertes Fachgebiet. Eignet sich Ihre Methode auch für andere Bereiche?

Waller: Lernergebnisorientierung kann in zahlreichen Fachgebieten eingesetzt werden. Für die LV Projektmanagement ist uns die Definition der Lernergebnisse recht einfach gefallen. Wenn man beispielsweise an die Umsetzung der Lernergebnisorientierung für Mathematik denkt, könnte man meinen, der Lernpfad sei irrelevant, da in der Mathematik nur Ergebnisse zählen. Jedoch ist in jedem Fachgebiet der Weg das Ziel. Daher ist es so wichtig, dass wir als Lehrende an Hochschulen unsere Studierenden auch im Lernweg begleiten und unterstützen können und nicht ausschließlich Ergebnisse betrachten. Und hierfür ist die (e)Portfolio Methode hervorragend geeignet. Natürlich kann man nicht ausschließlich Lehrveranstaltungen in dieser Form anbieten. Es geht darum, eine Vielfalt an didaktischen Methoden in der Lehre zu fördern. Gerade in  Distance Studies ist diese Vielfalt von besonderer Bedeutung, um Studierende durch ansprechende Lehrveranstaltungen zu motivieren. Wie gut Studierenden mehr didaktische Vielfalt tut, zeigte sich auch im Zuge der Evaluierung der Pilot-Lehrveranstaltung. Die Studierenden warensehr engagiert, da sie wussten, welche Ziele sie in der LV erreichen sollen, da die LV laut Rückmeldung sehr gut strukturiert war und da sie laufend Feedback zu deren Lernweg erhielten.

Lernergebnisorientierung sorgt also für größere didaktische Vielfalt. Wie sieht es mit der Qualität in der Lehre aus?

Priebernig: Lernergebnisorientierte Lehrveranstaltungen bringen natürlich einen Qualitätssprung mit sich. Der/die Lehrende muss sich von Beginn an in die Lage der Studierenden versetzen und gleichzeitig überlegen, was die Studierenden am Ende können und wissen müssen.

Waller: So macht man sich dann auch über den Lernweg Gedanken. Wie würde ich das als Studierender angehen? Wieviel Aufwand steckt in den einzelnen Übungen? Beschäftigen sich Lehrende zu wenig mit diesen Fragen, wirkt eine Lehrveranstaltung für Studierende oftmals unstrukturiert und ziellos. Die Lernergebnisorientierung soll daher als qualitätssichernde Maßnahmen für Lehrveranstaltungen dienen.

Das klingt nach einem beträchtlichen Mehraufwand für Lehrende. Gibt es für unerfahrene LektorInnen hier Unterstützung?

Priebernig: Das Konzept der Lernergebnisorientierung selbst bringt schon eine gewisse Hilfestellung für die Konzeption einer Lehrveranstaltung mit sich. Darüber hinaus bekommen unerfahrene LektorInnen mittlerweile an der FH Technikum Wien vielseitige Unterstützungsangebote. Beispielsweise können Lehrende ihre Konzepte, in einem eigens für Lehrende konzipierten Moodle-Kurs zur lernergebnisorientierten Aufbereitung von Lehrveranstaltungen, einreichen und sich von unserem Didaktik-Experten FH-Prof. Priv.-Doz. Dr. Martin Lehner Feedback holen. Wenn man diese Unterstützung mit und unserer LEO-Schulung aus dem eLearning 3.0 Projekt und den „Koodle-Moodle“-Vorträgen aus dem Programm der internen Weiterbildung kombiniert, ist man als neueR LektorIn sehr gut unterstützt und beraten.

Frau Waller, Sie leiten auch ein gefördertes Projekt zu diesem Thema. 

Waller: Das von der Stadt Wien geförderte Projekt eLearning 3.0 hat Umsetzung und Durchführung der Pilot-Lehrveranstaltung IT Project Management erst ermöglicht. In diesem Förder-Projekt geht es um die Qualitätssicherung der Fernstudiengänge und deren eCourse (Lehrveranstaltungen) an unserer FH. Die Lernergebnisorientierung ist mittlerweile institutionalisiert. Etwa 40 LektorInnen sind darin bereits geschult worden. Die lernergebnisorientierte Aufbereitung und Durchführung von Lehrveranstaltungen ist ein strategisches FH-weites Ziel. Neben dem Institut für Sozialkompetenz und Managementmethoden haben uns auch die Kollegen aus der Servicestelle Qualitäts- und Studiengangsentwicklung, sowie das Institut für Wirtschaftsinformatik stark bei dieser Innovation für unsere FH unterstützt. Sie alle fördern, dass LektorInnen über den Tellerrand hinausblicken und fortwährend für die Methodenvielfalt in der Lehre sorgen.