Investieren für Newbies: Basiswissen zum Thema Geldanlage von FHTW-Lektorin Katharina Felleitner-Goll

Im Rahmen der „Students Support Students“-Initiative gab Katharina Felleitner-Goll vom Kompetenzfeld Wirtschaft & Recht der FH Technikum Wien eine Einführung in die Welt der Geldanlage.

Investieren und Geldanlage

Im Rahmen der Plattform „Students Support Students“ vernetzen sich seit Anfang des vergangenen Jahres Studierende der FH Technikum Wien über den Online-Dienst Discord. Die von David Warren und Mark Adams vom Department Entrepreneurship & Communications ins Leben gerufene Initiative bietet den Studierenden die Möglichkeit zum Austausch über Sach- und Fachthemen. Auch gut besuchte Online-Talks mit Expert*innen fanden im Rahmen der Initiative bereits statt. So war etwa Katharina Felleitner-Goll, Senior Lecturer für Betriebswirtschaftslehre, zweimal mit Vorträgen unter dem Motto „Investieren für Newbies“ zu Gast, gab eine Einführung in die Welt der Geldanlage, erklärte die wichtigsten Fachbegriffe und beantwortete zahlreiche Fragen rund um dieses Thema.

Anhand des „Investitions-Dreiecks“ erläuterte die Expertin zunächst das Spannungsfeld zwischen Sicherheit, Rendite und Liquidität – drei wesentliche Faktoren, die sich jeweils gegenseitig beeinflussen. Ein hoher Ertrag gehe in der Regel mit einem hohen Investitionsrisiko und einer niedrigen Liquidität einher. Es gelte daher zu bedenken, wie schnell man über investiertes Kapital verfügen wolle, wie langfristig man eine Investition anlegen wolle und welches Risiko man dafür in Kauf nimmt, sagt Felleitner-Goll. 

Risikofaktoren

Eine Möglichkeit, das Risiko zu senken ist die sogenannte Diversifikation, also das Verteilen des Anlagevermögens auf unterschiedliche Anlageklassen. Dabei versuche man, Investitionsvarianten zu finden, die möglichst unabhängig voneinander sind und nicht gemeinsam im Kurs steigen oder fallen. Diese Vorgehensweise senke das Verlustrisiko, die mögliche Rendite sinke aber nicht um denselben Anteil, erklärt die FHTW-Lektorin. Neben Risikofaktoren, die etwa von der jeweiligen Branche, der wirtschaftlichen Situation in einem Land oder auch der jeweils gültigen Währung abhängen, gilt es beim Investieren auch die Inflation zu berücksichtigen. Wer sein Geld als „Cash“ anlegt, etwa bei geringer Verzinsung auf einem Giro- bzw. Sparkonto oder einem Bausparvertrag, sollte deshalb bedenken, dass das Kapital durch die Inflation an Wert verliere, so Felleitner-Goll. „Das Geld einfach nur am Bankkonto liegen zu lassen, ist eigentlich das Schlechteste, das man machen kann“.

Immobilien als Geldanlage

Renditemöglichkeiten

Die Rendite beschreibt das Verhältnis von jährlichem Ertrag bezogen auf den Kapitaleinsatz. Renditemöglichkeiten ergeben sich durch Zins- und Dividendenzahlungen bzw. andere Ausschüttungen, eine weitere Möglichkeit sind Wertsteigerungen in Form von Kursgewinnen. Die Zahlungen können dabei regelmäßig zufließen oder angesammelt werden, wobei Zinsen im Zeitablauf je nach gewähltem Anlagemodell gleichbleiben oder schwanken können. Wichtig sei, zu beachten, dass Einkünfte aus privatem Kapitalvermögen auch versteuert werden müssen, betont Felleitner-Goll. Ist eine Bank eingebunden, erfolgt die Versteuerung in der Regel automatisch über den Steuerabzug, ansonsten sind Investitions-Erträge in die Steuererklärung aufzunehmen.

Spesen und Gebühren

Mögliche Kosten beim Investieren werden durch Spesen, den Kaufpreis und den aktuellen Kurswert von Aktien sowie Gebühren wie etwa für Wertpapier-Depots bestimmt. Wer Aktien über eine Hausbank oder Vermögensberatung handelt, zahle in der Regel höhere Spesen, erhalte dafür aber auch mehr Beratung und Service, erläutert Felleitner-Goll. Online- oder Diskont-Broker sind in der Regel schneller und mit weniger Kosten verbunden, bieten dafür aber auch keine Beratung. Bei einem automatischen System wie einem Robo-Advisor übernimmt ein Softwarealgorithmus die Abwicklung. Die Kosten dafür sind ebenfalls niedriger, Beratung lässt sich teilweise zukaufen. „Wichtig ist, Preise und Angebote verschiedener Anbieter zu vergleichen und zu überlegen, was man will und auch wie viel Zeit man selbst aufwenden möchte“, sagt die Finanzexpertin, die dazu rät, bei Online-Brokern besonders auf die Seriösität zu achten und sich dazu gegebenenfalls auch im Bekanntenkreis nach Empfehlungen umzuhören.

Katharina Felleitner-Goll, FHTW
Katharina Felleitner-Goll

Der Faktor Zeit

„Den perfekten Zeitpunkt, um in irgendeine Art der Geldanlage einzusteigen, gibt es nicht“, sagt Felleitner-Goll. Ob man von einer Spekulation oder einer Investition spricht, wird durch die Haltedauer bestimmt. Bei ersterer ist der Zeitraum zwischen An- und Verkauf relativ kurz, bei letzterer eher lang.

Bevor man sich für ein bestimmtes Investment entscheidet, solle man jedenfalls einige grundsätzliche Überlegungen zum Anlagenhorizont und der eigenen Risikoneigung anstellen: Wie lange kann ich auf das angelegte Geld verzichten? Wie gut kann ich mit Wertschwankungen im Depot leben? Wie ist die familiäre Lage? Wie intensiv will ich mich mit dem Thema befassen und was ist überhaupt das Ziel der Geldanlage – die Anschaffung eines Objekts, Pensionsvorsorge, Vermögensvermehrung oder ein zusätzliches Einkommen?

Kurz-, mittel- oder langfristiges Investment?

Kurzfristige Anlagemöglichkeiten mit geringer Volatilität, niedriger Rendite aber hoher Liquidität bieten etwa Sparkonten, Sparbücher, Tagesgeld- oder Festgeldkonten. Varianten für mittelfristige Geldanlagen sind Indexfonds oder ETFs (Exchange Traded Funds), Anleihen, Gold oder Crowdfunding-Modelle, bei denen in Anteile von Immobilien oder Unternehmen investiert wird. Bausparverträge gelten als sicher, bringen jedoch wenig Zinsen, Peer-to-Peer-Kredite wiederum versprechen eine hohe Redite bei gleichzeitig hohem Risiko. Aktuell beliebt sind auch Kryptowährungen wie Bitcoin, die jedoch vor allem aufgrund der großen Kursschwankungen mit Risiken behaftet sind. „Investieren Sie aber immer nur in ein Produkt, das sie auch verstehen“, rät Katharina Felleitner Goll.

Ab rund zehn Jahren Laufzeit spricht man von langfristigen Anlagemodellen. Dazu zählen etwa Aktien, für deren Verständnis allerdings auch eine gewisse Einarbeitungszeit notwendig sei. Vorsorgewohnungen besitzen den Vorteil, etwas physisch besitzen zu können, bedingen aber auch einen Aufwand bei der Vermietung. Bauherrenmodelle bieten den Vorteil, sich darum nicht kümmern zu müssen, mindern aufgrund der Kosten dafür aber wiederum die Rendite. Für viele Österreicher das beliebteste Investment ist aber ohnehin die eigene Immobilie. Dabei steht die Rendite zwar weniger im Vordergrund als bei anderen Anlageformen – dafür wohnt man im eigenen Heim und hat gleichzeitig in die Altersvorsorge investiert.

Do´s and Don‘ts bei der Geldanlage

  • Nie das gesamte Vermögen anlegen.
  • Diversifizieren – nicht alles auf eine Karte setzen.
  • Entscheidung erst treffen, wenn man das Anlageprodukte versteht und bereit ist, das Risiko zu tragen.
  • Alle Informationsquellen nutzen, Orientierung an Analysen von Börsenspezialisten.
  • Aber: Nie blind Anlagetipps von anderen befolgen.
  • Veranlagung als langfristige Investition betrachten – nicht in Verkaufspanik bei fallenden Kursen geraten. Aber auch nicht in Kaufrausch bei steigenden.
  • Vernünftige Limits setzen und so Verluste begrenzen.
  • Anlagestrategie langfristig ausrichten, vermeintlich „heiße Tipps“ ignorieren.
  • Transaktionskosten im Auge behalten.