Kameramaus-Technologie der FHTW auf 10 000 Workstations in Andalusien im Einsatz

Eine spanische Organisation setzt auf die am Technikum entwickelte Lösung, um Menschen mit Behinderung Zugang zu IT-Systemen zu ermöglichen.

Guadalinfo, eine öffentliche Organisation in Spanien, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen mit Behinderung einen Zugang zu Informationstechnologie zu ermöglichen. Dazu betreibt Guadalinfo ein Netzwerk von 800 öffentlich zugänglichen Telecentern. Und in diesen Telecentern kommt nun die Kameramaus-Technologie der FHTW zum Einsatz. Die ursprünglich im AsTeRICS-Projekt (2010-2013) entwickelte und im Prosperity4All-Projekt (2014-2018) weiterentwickelte sowie auf Linux portierte Kameramaus-Technologie wurde auf 10 000 Workstations in diesen öffentlich zugänglichen Telecentern für Menschen mit Behinderung installiert. Die Technologie bietet dadurch für bis zu 1.000.000 Menschen barrierefreien Zugang zu Computer und Internet und leistet dadurch einen wesentlichen Beitrag zur Inklusion dieser Personengruppe.

Die Kameramaus-Technologie ermöglicht Menschen mit einer körperlichen Behinderung an den Armen und Händen (z.B. durch Querschnittslähmung oder Muskelschwund) den Computer selbständig bedienen zu können. Der Mauscursor wird, anstatt mit einer üblichen Maus, durch Kopfbewegungen (links, rechts oder rauf, runter) gesteuert. Dabei wird die Bewegung der Nase von der Kamera erfasst und in Mauscursorpositionen umgesetzt. Ein linker Mausklick kann entweder durch speziell adaptierte Schalter oder durch sogenanntes Dwelling ausgelöst werden. Dwelling bedeutet, dass ein Mausklick ausgelöst wird, wenn der Mauscursor für ein bestimmtes Zeitintervall nicht bewegt wird und auf der gleichen Bildschirmposition verharrt. Ein graphisches Auswahlmenü ermöglicht die Durchführung von anderen Aktionen, wie Rechtsklick, Doppelklick oder Mausziehen.

Screenshot Webcam Kameramaus

Die Webcam des Computers erfasst das Bild des Benutzers und verfolgt die Bewegung der Nase (Bild links). Ein Linksklick wird durch Dwelling ausgelöst, das graphische Auswahlmenü (rechts) ermöglicht die Durchführung von anderen Aktionen.

Wer die Kameramaus  selber testen möchte, braucht nur einen Rechner mit Webcam, Oracle Java Runtime Environment (32bit, Version >= 7) und den richtigen Installer der Kameramaus für das eigene Betriebssystem (Windows, Linux, Mac OSX).
 

Über das Projekt Prosperity4All

Das Projekt Prosperity4All wird von der EU im Rahmen des 7th Framework Programme (FP7) mit der Projektnummer 610510 gefördert. Chris Veigl und Martin Deinhofer, Mitarbeiter des Instituts Embedded Systems, arbeiten für die FH Technikum Wien als einer der 24 Projektpartner aus 13 Ländern. Oberstes Ziel des Prosperity4All-Projektes ist die Entwicklung von Open Source Technologien, Plattformen und Infrastruktur, damit die Entwicklung und Vermarktung von Unterstützungstechnologien für Menschen mit Behinderung einfacher und billiger möglich ist. Ein wichtiger Punkt ist dabei auch, dass Menschen mit Behinderung selbst auch mit diesen Technologien arbeiten können, um für sich selbst oder andere betroffene Menschen Unterstützungstechniklösungen bauen zu können. Dadurch sollen mehr Menschen Zugang zu Informationstechnologie bekommen und in weiterer Folge auch leichter Zugang zum Arbeitsmarkt in diese Branche erhalten. Neben der Kameramaus wurden seitens der FH Technikum Wien im Rahmen des Projektes weitere auf AsTeRICS basierende Bausteine verbessert und als eigenständige Lösungsbeispiele auf einer Demoseite veröffentlicht.

Über Guadalinfo

Guadalinfo ist eine öffentliche Organisation in Spanien, welche in Andalusien ein Netzwerk von 800 öffentlich zugänglichen Telecentern betreibt. Die Telecenter sind mit Computersälen und Unterstützungstechnologien ausgestattet. Dadurch soll vorwiegend der ländlichen Bevölkerung und Menschen mit Behinderung der Zugang zu Informationstechnologien ermöglicht werden.

(FH Technikum Wien, 15. September 2016)