Master Mechatronik und Robotik: Vielfalt, Kreativität und breite Spezialisierungsmöglichkeiten

In kaum einem Studiengang wird derart stark auf die Vernetzung hochaktueller technischer Kompetenzbereiche gesetzt wie im Master Mechatronik und Robotik. Studiengangsleiterin Corinna Engelhardt-Nowitzki und Stellvertreter Mohamed Aburaia im Gespräch.
 

Studierendenprojekte
Studierendenprojekte aus dem Master-Studiengang

Was vermittelt der Master-Studiengang Mechatronik und Robotik den Studierenden?

Corinna Engelhardt-Nowitzki: Das Hauptziel ist es, die Funktionsprinzipien mechatronischer Systeme zu verstehen, sie zu konfigurieren und sie vor allem auch entwerfen zu können. Dazu setzt das Masterstudium auf entsprechendes Vorwissen in Mechanik, Mathematik, Elektrotechnik, Elektronik und Informatik auf. Bei uns im Masterstudium geht es dann um tatsächliche Projekte, in denen man diese verschiedenen Disziplinen kombiniert. Genau das macht auch in der Praxis die Mechatronik aus.

Mohamed Aburaia: Im Master gehen die Studierenden den nächsten Schritt nach der Grundlagenausbildung. Sie lernen, selbst mechatronische Systeme zu entwickeln und Entwicklungsansätze für Roboter zu entwerfen. 

Wie sieht dieser nächste Schritt aus?

Aburaia: Ein absolutes Highlight ist zum Beispiel die Vorlesung Mechatronik 1 und 2 im ersten Studienjahr. Im ersten Teil legen die Studierenden in Gruppen einen Roboter komplett aus, entwickeln, konstruieren, zeichnen, berechnen die Kinematik, arbeiten mit 3D-Simulationen. Im zweiten Semester bauen sie diesen Roboter. Sie arbeiten dafür mit generativen Fertigungsmethoden, also 3D-Drucker, programmieren auf Microcontroller-Ebene, gestalten Benutzeroberflächen und entwickeln Apps, um den Roboter mit Smart Devices steuern zu können. 

Stichwort Generative Fertigung: 3D-Drucker und Co. scheinen bei Ihnen viel im Einsatz zu sein?

Engelhardt-Nowitzki: Die Studierenden lernen die komplette Prozesskette von Rapid Prototyping kennen und setzten das Gelernte in ihren eigenen Projekten um. Selbst entworfene Teile werden ausgedruckt und in ihren konkreten Projekten eingesetzt – zum Beispiel spezifische Greifer oder Spezialteile für die Montage elektronischer Komponenten. 

Corinna Engelhardt-Nowitzki in der Digitalen Fabrik
Corinna Engelhardt-Nowitzki in der Digitalen Fabrik

Welche Spezialisierungsmöglichkeiten gibt es?

Engelhardt-Nowitzki: Hier zeigt sich die Vielfalt und Kreativität unseres Bereichs. Master-Studierende können sich beispielsweise in Richtung Servicerobotik, autonome Roboter bzw. Transportsysteme entwickeln. Das Lehrangebot sieht z.B. Spezialisierungen in Optomechatronik, Strömungslehre usw. vor. Ein weiterer Teil sind moderne Programmierkonzepte – z.B. im Bereich der künstlichen Intelligenz. Außerdem geht es um Produktionsarchitekturen und um die Gestaltung von Prozessen sowie als Abrundung Unternehmensführung, um die Anwendungsbreite robotischer Systeme im Unternehmen auch umsetzen zu können. 

Welche Rolle spielt projektbasiertes Arbeiten?

Engelhardt-Nowitzki: Das dritte Semester ist durch ein Semesterprojekt bestimmt – entweder in unserer Digitalen Fabrik oder gemeinsam mit einem Unternehmen oder innerhalb eines selbstgewählten Fachbereichs, den Studierende vertiefen wollen. Dieses Projekt kann man auch im vierten Semester im Rahmen der Masterarbeit weiter führen. Somit ist es möglich, sich über mehrere Semester hinweg in ein bestimmtes Thema zu vertiefen, oder sich unterschiedlichste Richtungen anzusehen. Im berufsbegleitenden Bereich gibt es immer wieder Studierende, die ihre eigenen Projekte aus dem Arbeitsumfeld einbringen und in ihre Master-Arbeiten integrieren. 

Industrie 4.0 ist in aller Munde…

Engelhardt-Nowitzki: In der Vorlesung „Intelligent Manufacturing Systems beschäftigen wir uns mit innovativen Architekturen im Bereich Smart Manufacturing und Industrie 4.0, - das ist bei uns nicht nur Theorie.

Die neu eröffnete Digitale Fabrik liefert dazu die nötige Infrastruktur?

Aburaia: Damit steht uns eine reale Industrieumgebung zur Verfügung. Das ist kein Labor mehr, die Infrastruktur könnte so auch in der Wirtschaft eingesetzt werden. Für die Digitale Fabrik wurden Geräte im Wert von über einer Million Euro von den Unternehmen zur Verfügung gestellt.

Engelhardt-Nowitzki: Darüber hinaus ist unser Pneumatik-Labor komplett von SMC ausgestattet, ein führender Anbieter in diesem Bereich. Wir arbeiten zum Beispiel mit Industrierobotern der Hersteller ABB, Festo, Kuka, Panasonic, Taurob oder Wittmann, um nur einige zu nennen. Steuerungs- und Automatisierungskomponenten stammen u.a. von Beckhoff, B&R, Festo, SMC oder von Siemens – von Siemens zudem umfangreiche Softwarepakete.

Mohamed Aburaia
Mohamed Aburaia, MSc, in der Digitalen Fabrik

Wie stehen die Berufschancen nach dem Studium?

Aburaia: Es ist üblich, dass Studierende dort, wo sie Masterarbeiten oder Projekte gemacht haben, auch übernommen werden, es sei denn, sie selber entscheiden sich selbst, anderswohin zu gehen. Es gibt aber auch die Möglichkeit, im Anschluss an das Studium in die wissenschaftliche Schiene bei uns und in die Digitale Fabrik zu gehen. Darüber hinaus arbeiten wir arbeiten eng mit Start-up-Netzwerken zusammen.

Welche Voraussetzungen brauche ich, wenn ich von einer anderen Hochschule komme und im Master studieren will?

Engelhardt-Nowitzki: Externe Bewerberinnen und Bewerber sind gern gesehen. Gerade in einem so interdisziplinären Studiengang ist das eine Bereicherung. Nahezu alle Engineering-Fächer eignen sich. Es kann also neben der klassischen Mechatronik oder Robotik auch Industrieelektronik, Elektrotechnik, oder Maschinenbau sein, aber auch jede Art von Automatisierungstechnik oder Spezialisierungen wie Fahrzeugbau. Wir absolvieren mit allen Bewerbern ein individuelles Einstiegsgespräch und bieten Warmup-Kurse in Bereichen, die ggf. nachzuholen sind, z.B. auch als Alternative für TU-Umsteiger.

Was hat es eigentlich mit den „Hackathons“ auf sich, die Sie veranstalten?

Engelhardt-Nowitzki: Wir besuchen und veranstalten regelmäßig Hackathons gemeinsam mit internationalen Partnern. Im Rahmen einer solchen Veranstaltung entstehen mittels Rapid Protoyping und System Engineering Methoden innerhalb von 48 Stunden funktionierende mechatronische Systeme. Jede Menge Spaß im Team einbegriffen.

Das klingt nach einem ziemlich kreativen Umfeld.

Engelhardt-Nowitzki: Kreativität ist in der Mechatronik ganz wesentlich. Das zeigt sich immer wieder. Beispielsweise haben Studierende einen Schokodrucker entwickelt, der auf der Smart Automation in Wien gezeigt wurde, und der mit 3D-Druckmethoden Schokolade auf Kekse aufbringt. Ein anderes Beispiel ist ein mittels mechatronischer Technik fernwartbarer Bienenstock, der ebenfalls von Studierenden mit entwickelt wird.

Aburaia: Wir haben in diesem Jahr einen Robotikraum für Studierende geöffnet. Dort können interessierte Bachelor- und Master-Studierende künftig mit Innovations- und Design-Thinking-Methoden eigenständig arbeiten. Sie haben Freiraum, es geht nicht um Prüfungen, sondern darum, gemeinsam etwas auszuprobieren, worauf man Lust hat. 

Der Master Mechatronik und Robotik im Überblick
  • Abschluss: Master of Science in Engineering
  • Dauer: 4 Semester 
  • Organisationsform: Vollzeit und berufsbegleitend 
  • Studienplan mit ECTS: Download 
  • Bewerbungsfrist: 17. Juni 2016

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