Neue Perspektiven auf Chinas Innovationskraft

Die FH Technikum Wien ist seit einem Jahr die erste europäische Hochschule mit einer eigenen Lehrveranstaltung zu Chinas Nationalem Innovationssystem. Der Fokus: „From ,Made in China‘ to ,Created in China‘“.

Während sich in manchen Bereichen noch der Glaube hält, Chinas Wirtschaftsstärke erschöpfe sich im Kopieren ausländischer Ideen, schreiben andere Europa bereits ab und sehen das Reich der Mitte als Innovationsmotor der Zukunft. Studierende im Master Innovations- und Technologiemanagement brauchen differenziertere Perspektiven auf China, um in ihren zukünftigen Rollen kompetente Einschätzungen treffen zu können. „From ‚Made in China‘ to ‚Created In China ‘ – Innovation and IP Management in Today’s China and Chinese Owned Companies Abroad“ nennt sich eine Lehrveranstaltung, die seit dem Wintersemester 2018 im Master-Studiengang besteht und auch Incoming-Studierenden offensteht.

„Wenn von China die Rede ist, wird sehr oft emotional diskutiert“, sagt Alexander G. Welzl, der die Lehrveranstaltung konzipiert hat und leitet. „Das Ziel ist ein faktenbasiertes und nicht-eurozentrisches Bild von Chinas Strategien, den Rahmenbedingungen vor Ort, den Menschen und ihrer Kultur zu zeigen.“ Mit seinen Studierenden beschäftigt sich Welzl zu diesem Zweck mit dem National Innovation System der Volksrepublik und dem Management von Innovation und Kreativität führender chinesischer Unternehmen.

Schwerpunkte sind dabei der digitale Transformationsprozess – von KI über Big Data bis zu Quantum Computing – sowie Green Economy und Nachhaltigkeit in China. Wie der Wissenstransfer von Universitäten und Forschungsinstituten zu den Unternehmen funktioniert, ist dabei eine entscheidende Frage. Notwendige Fähigkeiten zum Brückenbau im 21. Jahrhundert von Europa über Eurasien nach China werden über die interkulturelle Dimension angesprochen.

Hochkarätige Gastvortragende

Der Wissenstransfer geschieht oftmals durch Informationen aus erster Hand. Zuletzt, im November 2019, konnte als Gastvortragender LEI Fengyun gewonnen werden, der seit kurzem Wissenschaftsattaché der chinesischen Botschaft in Wien ist. Lei blickt bereits auf eine lange Beamtenkarriere in leitenden Funktionen zurück und hat den Weg Chinas zum Innovationsmotor sowie den Austausch mit internationalen Partnern aktiv mitgestaltet.


Wissenschaftsattaché LEI Fengyun, Alexander G. WELZL

Weitere prominente Gastvortragende aus der Wirtschaft waren Markus Schermann, General Manager von Great Wall Motor Austria Research & Development, Liqun Zhang, CEO von Diamond Aircraft Industries und Roman Hoffmann, Vice President von Huawei Technologies Austria. Die Academia und multinationale Organisationen waren durch Frau Dr. QIN Aihua, Professorin am CASS Institute of European Studies (Peking) und Herrn Dr. GONG Weixi, Chief of Investment Promotion Division of the United Nations Industrial Development Organisation (UNIDO) vertreten.

Austausch auf allen Ebenen

Abseits der Gastvorträge bekommen die Studierenden eine grundlegende Einführung in Chinas Innovationslandschaft und beschäftigen sich in Folge mit ausgewählten Business Cases. An Daten zu kommen, ist dabei eine der wichtigsten Herausforderungen. Zu diesem Zweck wurden bereits Kontakte zur UNIDO, der Chinese Academy of Social Sciences (CASS, Peking) und der Chinesischen Botschaft geknüpft. Alexander G. Welzl wiederum hält parallel zur Lehrveranstaltung in Wien Gastvorträge an einigen der führenden chinesischen Hochschulen (Peking University, Zhejiang University in Hangzhou) und war zu Gast beim Chinesischen Botschafter LI Xiaosi in Wien.


Vortrag Peking Universität: Dr. Jia YU (Direktor, International Office, Institute of New Structural Economics, Peking University), WELZL, Philippe VIALATTE (Wissenschaftsattaché, Delegation of the European Union to China in Peking, 2. V. r.)

Internationaler Austausch zeigt sich auch anhand der TeilnehmerInnen der Lehrveranstaltung selbst: Im Rahmen des von der Stadt Wien geförderten Projekts IOCEST zur Internationalisierung und Förderung des englischsprachigen Lehrangebotes nahmen bis dato Incoming-Studierende aus mehr als zehn Ländern teil – darunter China.