Neue Perspektiven für „Reha at Home“

Erfolgreich abgeschlossen: Im Projekt MISTRAAL wurde der Einsatz einer vielversprechenden technischen Reha-Unterstützung für Schlaganfall-PatientInnen getestet.

Die Rehabilitation nach einem Schlaganfall ist ein langwieriger Prozess. Für PatientInnen endet der Weg zurück in ein normales Leben nicht mit der Entlassung aus der stationären Reha-Einrichtung. Zuhause sollen weiter regelmäßig Übungen durchgeführt werden. Das medizinische Personal hat aber ab dem Moment der Entlassung keine Kontrolle mehr darüber, wie zielführend die Reha daheim weiterverfolgt wird. Ziel des im Sommer erfolgreich abgeschlossenen Forschungsprojektes MISTRAAL war es, ein technisches System  zu entwickeln und testen, das die häusliche Rehabilitation und damit die Erhaltung der Mobilität der PatientInnen fördert. 

Screenshot Reha@Home Screenshot Reha@Home Screenshot Reha@Home

Screenshots der MISTRAAL-App am Tablet

Zum Einsatz kam das Ganganalysesystem eSHOE, das in einem Vorgängerprojekt entwickelt und im Rahmen von MISTRAAL zu einem Reha@Home System weiterentwickelt wurde. Diese mobile Einlagesohle ist in der Lage, Gangdaten der Trägerin oder des Trägers zu sammeln und weiterzuschicken. Im Rahmen des von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG (Nr. 840716) geförderten Projekts wurde eine klinische Pilotstudie am NRZ Rosenhügel durchgeführt. Die Projektleitung lag beim Zentrum für Medizinische Physik und Biomedizinische Technik der Meduni Wien, als weiterer Partner war das Unternehmen a3L e-solutions mit an Bord.

Der erste Teil der Studie wurde mit 30 ProbandInnen und 30 SchlaganfallpatientInnen am NRZ Rosenhügel durchgeführt. Sie absolvierten Messungen mit dem dortigen klinischen Ganganalysesystem und dem Reha@Home System. Weiters fand ein Assessment Test in der Reha mit der eSHOE-Sohle statt. Fünf der PatientInnen testeten in der Folge die Technologie zuhause. Dort waren sie einerseits mit der instrumentierten Einlegesohle, andererseits mit einem Tablet-PC samt eigener MISTRAAL-App ausgestattet. Dieses System war an einen Server angebunden und bildete so ein Reha@Home-System.  

MISTRAAL-Systemübersicht

Übersicht: PatientInnen-, Server- und TherapeutInnen-Seite

Die App lieferte nutzerfreundliches und leicht verständliches Feedback zu den  Reha-Übungen. Gleichzeitig wurden die Ganganalyse-Messdaten aus der Sohle ans Tablet und von dort weiter zu einem Server übertragen. Auf die Daten am Server wiederum hatten auch die medizinischen Experten Zugriff. Sie konnten kontrollieren, wie die Übungen voranschritten und gegebenenfalls auch Änderungen am Übungsprogramm vornehmen. Auch direkte Kommunikation zwischen PatientInnen und TherapeutInnen über die App war möglich. Außerdem sollte ein interaktives Spiel, bei dem die PatientInnen zum „Äpfel Pflücken“ motiviert werden, die Motivation für die Übungen steigern.

Diese „Reha at Home“-Umgebung ist so etwas wie ein Ausblick darauf, wie in nicht allzu ferner Zukunft PatientInnen in der Breite in ihren Reha-Übungen unterstützt werden können. „Die PatientInnen haben das System gut angenommen“, sagt Veronika David, MSc, aus dem Projektteam am Technikum. „Wir haben natürlich viele Verbesserungsmöglichkeiten entdeckt, aber in Summe wurde die Motivation für die Übungen eindeutig gesteigert.“ Auch hinsichtlich der Messungen konnten bereits gute Ergebnisse erzielt werden. Und die gewonnenen Erkenntnisse bleiben nicht in der Schublade: Im derzeit laufenden Projekt REHABitation an der FH Technikum Wien kommt in MISTRAAL eingesetzte Technologie bereits wieder zum Einsatz.