Perspektiven auf Vielfalt und Forschung

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Forschung hat mit Menschen zu tun und Menschen leben in Geschlechterrollen sowie in ihren individuellen Lebensrealitäten. Ohne die Berücksichtigung von Gender- und Diversitätsaspekten ist Forschung deshalb gar nicht möglich. In bislang vier Fallbeispielen haben wir uns mit ForscherInnen an unserer FH an einen Tisch gesetzt und den Zusammenhang zwischen ihrer Arbeit und Gender und Diversity besprochen.

Benedikt Salzbrunn, MSc
Benedikt Salzbrunn, MSc

Benedikt Salzbrunn, MSc, forscht im Bereich Usability. Es zeigt sich, dass die Beschäftigung mit Diversität hier Teil der Ausgangssituation ist. Schließlich heißt Usability, eine frustfreie Bedienung von Systemen und Geräten zu ermöglichen – und zwar für ganz verschiedene Zielgruppen: „Der Mehrwert entsteht dadurch, dass Diversity die Zielgruppendefinition unterstützt, beispielsweise bei der Erstellung von Personas“, erklärte der Leiter des Stadt Wien Kompetenzteams Usability von IT im Gespräch. Was sind solche Personas? Es handelt sich um gedankliche Hilfskonstruktionen, mit denen EntwicklerInnen arbeiten, um sich besser in verschiedene NutzerInnen hineinversetzen zu können. „Es ist bedeutend schwieriger für ,Pensionisten‘ zu entwickeln, als für die 70jährige Elfriede, die gerne Sport treibt, oft mit Zug oder Bahn verreist und viel mit ihren Enkelinnen unternimmt“, so Salzbrunn.   

 

 

Interview: „Vielfalt erkennen und berücksichtigen"

 

FH-Prof. DI Peter Franz und FH-Prof. DI Harald Wahl
FH-Prof. DI Peter Franz und FH-Prof. DI Harald Wahl

Wie wir in Zukunft leben und arbeiten wollen, hat viele Aspekte. An der FH widmet sich die Forschung zum Thema Smart Cities vor allem den Bereichen Energie und Mobilität. Realistische Szenarien kann hier nur entwickeln, wer die Vielfalt der Gesellschaft berücksichtigt: „In der Entwicklung von Städten geht es nicht nur um ein eindimensionales Wachstum, sondern auch um Internationalisierung, Zuwanderung und verschiedene soziale Schichten. Wir müssen deshalb den Umbau hin zu erneuerbaren Energien auch leistbar gestalten“, sagte  FH-Prof. DI Peter Franz im Interview. Die unterschiedlichen Perspektiven des Themas scheinen auch sehr gut  bei weiblichen Studierenden anzukommen, die in technischen Studiengängen noch immer in der Minderzahl sind.  FH-Prof. DI Harald Wahl: „Beim Bachelor-Studiengang Verkehr und Umwelt merken wir das bereits, hier liegt der Frauenanteil im ersten Semester bei ca. 40 Prozent, das ist ausgesprochen hoch für einen technischen Studiengang.“

  

Interview: „Technik gleichberechtigt und divers ifiziert umsetzen"

Juliane Herzog, MSc und Philipp Urbauer
Juliane Herzog, MSc und Philipp Urbauer

Der Forschungsschwerpunkt eHealth ist sehr international angelegt. Die Zusammenarbeit mit den Partnern aus anderen Ländern bedeutet gelebte Vielfalt. „Wir mussten Diversity für uns gar nicht definieren“, sagte deshalb Juliane Herzog, MSc. „Dadurch, dass wir unsere Arbeit auf viele verschiedene Menschen abstimmen müssen, müssen wir strukturiert vorgehen: Wir versuchen dies, indem wir uns der Unterschiede und Analogien, wie beispielsweise Sprachbarrieren, organisatorische Strukturen, unterschiedliche Mentalitäten, politische Unterstützungen in den Partnerländer oder Bildungshintergrund, bewusst werden. Darauf basierend entwickeln wir Lernziele oder Strategien für neue gemeinsame Forschungsprojekte, welche einen Mehrwehrt für alle Parteien darstellen.“ Nur ein Beispiel aus der Projektarbeit: In Portugal arbeiten die MitarbeiterInnen der FH Technikum Wien mit Ingenieuren, Ärzten und Pflegepersonal. Neben interkulturellen und sprachlichen Unterschieden kommen also noch die verschiedenen Erfahrungswelten aus Technik, Medizin und dem täglichen Umgang mit PatientInnen.  

 

Interview: „Quer durch die Nationen und Berufsgruppen"

DI Christoph Veigl und FH-Prof. Mag. DI Friedrich Praus
DI Christoph Veigl und FH-Prof. Mag. DI Friedrich Praus

FH-Prof. Mag. DI Friedrich Praus und DI Christoph Veigl erklärten in ihrem Interview, wie die Forschung im Bereich der unterstützenden Technologien Menschen mit unterschiedlichen Lebensrealitäten zu Gute kommt. „Uns geht es darum, Möglichkeiten zu schaffen, damit Menschen mit schweren körperlichen Einschränkungen wieder am gesellschaftlichen Leben oder sogar am Arbeitsleben teilnehmen können“, so Veigl. „Manchmal ist das Ziel aber auch, dass sie den Computer zu Unterhaltungszwecken nutzen können oder um die eigene Kreativität auszuleben.“ Praus gab Einblick in die Zusammearbeit mit älteren Menschen: „Hier lautet die Zielsetzung, dass sie sicher zuhause leben können und nicht von der Gesellschaft ausgeschlossen sind.“ Und diese Teilhabe an der Gesellschaft könne schon bei Fotos von den Enkelkindern beginnen.

 

Interview: „Mit Technik Barrieren überwinden"