Quer durch die Nationen und Berufsgruppen

Im Projekt eLearning4eHealth Network werden komplexe Inhalte aus dem eHealth-Bereich in international abgestimmte Weiterbildungsprogramme mit modernen eLearning-Angeboten übertragen: Projektleiter Ing. Philipp Urbauer, MSc, und Junior Researcherin Juliane Herzog, MSc, im Gespräch.

"Wir mussten Diversity für uns gar nicht definieren": Juliane Herzog und Philipp Urbauer
"Wir mussten Diversity für uns gar nicht definieren": Juliane Herzog und Philipp Urbauer

Was bedeutet der Begriff eHealth eigentlich?

Juliane Herzog: eHealth ist ein weit gestreuter Bereich. Heute ist alles vernetzt, fast jeder hat ein Smartphone und tauscht Informationen aus. Das kann man auch mit Gesundheitsdaten machen. Man kann seine persönlichen Vitalparameter überwachen, beim Sport seine Schritte und den Puls tracken lassen, diese Informationen mit Freunden tauschen und in die Cloud hochladen. Auch die Gesundheitsdiensteanbieter können auf ähnliche Art und Weise mit den Daten ihrer Patienten umgehen..

 

Philipp Urbauer: Wir arbeiten an der FH stark im Bereich der Elektronischen Gesundheitsakte ELGA. Wir entwickeln Implementierungsleitfäden, sind an der Produktentwicklung von Administrationskomponenten beteiligt, die Ärzte täglich verwenden. Ein weiterer eHealth-Bereich ist die Interoperabilität von IT-Komponenten. Hier besteht das Neuartige aus der Vernetzung der unterschiedlichen Geräte und Systeme – vom Zuhause der PatientInnen bis hin zu Krankenhausinformationssystemen auf standardisiertem Wege.

Womit beschäftigt sich das aktuelle Projekt eLearning4eHealth Network?

Urbauer: Wir bauen ein internationales Expertennetzwerk auf, um eLearning-Kurse im Bereich eHealth zu etablieren. Dabei arbeiten wir mit Partnern aus Kanada, der Schweiz, Tschechien, Portugal, Deutschland und Kolumbien zusammen. Es geht darum, Lernprofile für Personen, die im eHealth-Bereich tätig sind, zu definieren. Eine Ausarbeitung von international harmonisierten Kursen hat hier nämlich bislang noch nicht stattgefunden.  

 

Herzog: Zum einen sollen Ausbildungsmöglichkeiten für Studierende entstehen, zum anderen aber auch für Berufstätige. Es handelt sich um ein sehr multidisziplinäres Feld. Die Herausforderung besteht darin, ÄrztInnen, TechnikerInnen sowie MitarbeiterInnen in der Administration auf einen gemeinsamen Wissensstand zu bringen.

Hohe Internationalität und verschiedenste Berufsgruppen – das heißt mit Diversität müssen Sie sich ganz selbstverständlich auseinandersetzen?

Urbauer: Definitv, durch die starke Vernetzung und den tagtäglichen Umgang mit den internationalen Partnern leben wir es tatsächlich. Wie stellt sich das dar? Ein Beispiel sind die Portugiesen: Hier haben wir als Partner neben Ingenieuren vor allem auch Ärzte und Pflegepersonal aus einem großen Spital. Große Herausforderungen stellen hierbei vor allem das fehlende Englisch und der Umgang mit IT dar. Hier muss teilweise mit Übersetzern und „Händen und Füssen“ kommuniziert werden. Dennoch profitieren beide Seiten von den Erfahrungen, dem Wissen über Technik und Medizin und gemeinsamen Projekteinreichungen voneinander. Dieser Input hat dann natürlich auch großen Einfluss auf die Qualität in der Lehre. 

 

Herzog: Wir mussten Diversity für uns gar nicht definieren. Dadurch, dass wir unsere Arbeit auf viele verschiedene Menschen abstimmen müssen, müssen wir strukturiert vorgehen: Wir versuchen dies, indem wir uns der Unterschiede und Analogien, wie beispielsweise Sprachbarrieren, organisatorische Strukturen, unterschiedliche Mentalitäten, politische Unterstützungen in den Partnerländer oder Bildungshintergrund, bewusst werden. Darauf basierend entwickeln wir Lernziele oder Strategien für neue gemeinsame Forschungsprojekte, welche einen Mehrwehrt für alle Parteien darstellen.  

Sie arbeiten an Inhalten und Formaten für die Lehre. Welche Rolle spielt Diversität hier?

Urbauer: Beispielsweise ist der englischsprachige Master-Studiengang Biomedical Engineering Sciences, in dem eHealth eine Hauptrolle spielt, sehr divers. Es gibt Studierende aus unterschiedlichen Nationen und einen für ein technisches Studium recht hohen Frauenanteil. Wir versuchen, die Aspekte, die die Studierenden mit ihren unterschiedlichen Backgrounds mitbringen, in die Lehre einzubauen, indem wir am Beginn der Lehrveranstaltungen dezidiert auf Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Vorstellungen eingehen und diese in die Struktur und den Inhalt der LVs einbinden um das Optimum für alle herauszuholen. Außerdem versuchen wir das Ganze verstärkt modular aufzubauen. So können Studierende an Modulen arbeiten, die sie persönlich interessieren, während ihnen trotzdem die Basis vermittelt wird, die alle brauchen.

Welche Rolle spielt Vielfalt in Ihrem Team?

Herzog: Wir sind schon sehr divers aufgestellt. Durch die unterschiedlichen Nationalitäten im Team (Deutsch, Österreichisch, Portugiesisch) kommen die verschiedensten Mentalitäten und Einstellungen zusammen, woraus sich viele Vorteile für die Umsetzung der Projekte, aber auch für die eigene Entwicklung ergeben.

Welche Erfahrungen haben Sie in der Lehre gemacht, wenn Sie die Themen Gender & Diversity direkt ansprechen?

Urbauer: Speziell in der Lehre wird das Thema eher belächelt. Wenn man es anspricht, sind es interessanterweise meistens die Frauen, die da eher empfindlich reagieren. Sie sind oft sehr skeptisch und hinterfragen das ein bisschen. Dies betrifft allerdings meist den Gender-Aspekt, da hier nicht zwischen Gender und Diversity unterschieden wird. Wenn man den Studierenden dann an praktischen Erfahrungen Diversität erklärt, sieht das ganze wieder anders aus und es folgt die Erkenntnis, dass sie selbst im Unterricht durch Lehrunterlagen und Kontakte zu internationalen Partnern davon profitieren.

 

Herzog: Auch allgemein betrachtet finde ich die Gender-Thematik ein bisschen überbewertet. Als Frau möchte ich eine Position, speziell bezogen auf das technische Umfeld, erlangen, weil ich die fachlichen und persönlichen Kompetenzen aufweise und das technische Interesse vorhanden ist und nicht weil entsprechende Quoten erfüllt sein müssen. Die Vielfalt müssen wir in unserer täglichen Arbeit ja ohnehin leben. Und das bringt eindeutige Vorteile.

Logo der MA 23 - Stadt Wien
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Das Projekt eLearning4eHealth Network wird von der Stadt Wien (MA 23 Wirtschaft, Arbeit, Statistik), im Rahmen des Programms "Internationalisierung von Lehre und Forschung" gefördert.