Schnittmenge User Experience: TechTalk und die FHTW

Für die Umsetzung neuer Lösungen braucht das Softwareunternehmen TechTalk InformatikerInnen mit Usability-Verständnis. Am Technikum wird diese Verbindung seit Jahren gelebt. Wir sprechen mit beiden Seiten über eine erfolgreiche Partnerschaft. 

Die gemeinsame Begeisterung von Claudia Oster und Benedikt Salzbrunn heißt Usability, und diese Begeisterung ist nicht nur theoretischer Natur: Die Verantwortliche für User Experience (UX) bei TechTalk und der Usability-Fachmann vom Institut für Informatik kennen sich von gemeinsamen Projekten und nicht zuletzt über Claudia Osters MitarbeiterInnen und BerufspraktikantInnen, die größtenteils aus dem Informatik-Studiengang der FHTW kommen.

Frau Oster, was macht TechTalk und welche Rolle spielt UX dabei? 

Claudia Oster: Wir sind ein Softwareentwicklungsunternehmen mit Fokus auf Individualsoftwareentwicklung und Beratung. TechTalk bietet von der Anforderungsanalyse über die Umsetzung bis hin zur Betreuung die ganze Palette. Derzeit beschäftigen wir ca. 60 MitarbeiterInnen. Ich persönlich bin für den Bereich User Experience verantwortlich. Mit meinen Kolleginnen und Kollegen versuche ich, UX in jedem einzelnen Projekt zu integrieren. Viele unsere Kunden sind im öffentlichen oder staatsnahen Bereich verankert, wo der Fokus auf eine einfache Bedienbarkeit und Nutzerfreundlichkeit noch nicht so weit verbreitet ist, da häufig Standardsoftwareprodukte verwendet werden.

Welchen Mehrwert schafft die Verankerung von UX für diese Kunden?

Oster: Mit unserer Software müssen die BenutzerInnen meist den ganzen Tag arbeiten und es gibt, anders als in der Freizeit, auch keine alternativen Anwendungen, wenn etwas einmal nicht wie selbstverständlich funktioniert. Immer wieder können wir schon in der Angebotsphase dadurch überzeugen, dass wir die konkreten Probleme der Kunden verstehen. Es ist aber auch oft in bestehenden Projekten oder bei bereits vorhandenen umfangreichen Briefings eine Herausforderung, nochmal die Anforderungen zu hinterfragen und direkt mit NutzerInnen in Kontakt zu kommen. Aber wenn man es macht, sind die Kunden positiv überrascht, was sie lernen können und wieviel Verbesserungspotential für die Interaktion man da noch erkennen kann.

Wie ist das Thema an der FHTW verankert?

Benedikt Salzbrunn: Wir haben vor gut zehn Jahren begonnen, das Thema auszubauen, massiv natürlich durch das in den Jahren 2012 bis 2015 von der Stadt Wien geförderte Kompetenzteam „Usability von IT“ mit drei Personen. Mittlerweile ist Usability ein Schwerpunkt in den Studiengängen Informatik, Softwareentwicklung sowie Game Engineering und Simulation. Daneben sind Weiterbildungsangebote bis hin zum Master-Lehrgang entstanden. Und natürlich ist es auch ein Service für die ganze Fachhochschule. Andere Studiengänge und Institute holen uns für Forschungsaktivitäten hinzu, eigentlich aus allen Schwerpunkten. Aktuell sind wir etwa bei den Projekten sLiM und INNOVATE mit an Bord. Der Service beginnt beim Erheben von Anforderungen über prototypische Entwicklung und geht, im besten Fall, bis hin zur Umsetzung. Seit Jahren absolvieren regelmäßig Studierende ihr Berufspraktikum bei TechTalk, und wir arbeiten auch in Projekten zusammen, beispielsweise im Rahmen der Entwicklung eines Meldeservice für die Berliner Stadtverwaltung.

Dieses Berufspraktikum ist oft ein Karrieresprungbrett, oder?

Oster: Ja, das Modell mit dem Berufspraktikum als Einstieg hat sich sehr gut bewährt damit sich Unternehmen und PraktikantInnen in der Praxis gut kennenlernen können. Wir übernehmen die PraktikantInnen praktisch immer. Es gibt nur manchmal Fälle, in denen sie lieber noch in Vollzeit einen Master-Studiengang absolvieren wollen. Umgekehrt hängen viele nach einigen Jahren Berufserfahrung auch noch einen berufsbegleitenden Master an, während sie weiterhin bei TechTalk tätig sind. Jedenfalls sollen UX-Designer aus unserer Sicht einen Informatik-Background haben, also verstehen, wie Software entwickelt wird und welche Ideen umsetzbar sind. Wenn dieses Wissen fehlt, muss es mühsam nachgeholt werden. Es ist sozusagen der USP der Informatik-Studierenden an der FH Technikum Wien, dass sie technischen Background und UX-Know-how haben. Die Studierenden kennen UX, kennen agile Methoden und haben eine solide technische Basis – das ist eine sehr gute Ausgangsbasis für den Einstieg in die Praxis.

Salzbrunn: Wichtig ist für uns, den Studierenden ein umfassendes Mindset mitzugeben. Neben dezidierten UX-ExpertInnen sollen alle EntwicklerInnen in ihren Projekten den Faktor Usability/UX mitdenken und sich regelmäßig die Frage stellen: Wissen wir das über unsere späteren BenutzerInnen eigentlich sicher? Woher? Und im Zweifelsfall fragen/testen wir noch einmal nach.

TechTalk ist Unternehmenspartner der FH Technikum Wien und abseits des Bereichs UX auch als Veranstalter der AgileTour aktiv, die jährlich am Technikum stattfindet – zuletzt im November 2017.