Streetart und Photovoltaik: Silotürme als Kraft- und Kunstwerke

Der Verein „Silosophie“, an dem einige Absolvent*innen der Erneuerbaren Energien-Studiengänge der FHTW beteiligt sind, will Silotürme mit PV-Anlagen ausstatten und die Fassaden mit Streetart gestalten lassen. Im Sommer wird das erste Projekt umgesetzt.

Visualisierung Silo Tattendorf
Der Verein will Silotürme mit PV-Anlagen ausstatten und die Fassaden mit Streetart gestalten.

Aus alten Silotürmen „Wahrzeichen der Zukunft“ zu machen, das ist das Ziel des Vereins Silosophie. Dahinter steckt ein junges siebenköpfiges, interdisziplinäres Team, das die Nutzbauten mit Photovoltaikflächen ausstatten und mit Street-Art-Bemalung zu weithin sichtbaren Kraft- und Kunstwerken umbauen will. Gegründet wurde die Initiative von Lucas Silhanek, einem Absolventen des Bachelor- und des Master-Studiengangs Erneuerbare Energien der FH Technikum Wien und Armin Knöbl, der an der Universität Klagenfurt studiert hat. Vor kurzem wurde der Verein beim ÖGUT-Umweltpreis mit dem Businessart-Sonderpreis ausgezeichnet. Im Sommer soll in Engelhartstetten in Niederösterreich das erste Silo adaptiert werden.

Neue Gestaltung für schmucklose Landmarks

„Rund 330 solcher Getreidesilos gibt es im Osten Österreichs, alleine in Niederösterreich stehen etwa 180“, sagt Lucas Silhanek, der auch Silosophie-Geschäftsführer ist. Die bis zu 75 Meter hohen Türme sind in den Gemeinden am Land weithin sichtbare „Landmarks“. Rund zehn Prozent der Getreidespeicher seien nicht mehr genutzt, Tendenz steigend, schätzt Silhanek. Genügend Potenzial also, um den oft wenig ansehnlichen Bauten eine neue Nutzung und Gestaltung zu verpassen – und damit gleichzeitig einen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Mitgründer Armin Knöbl befasste sich schon in seiner Master-Arbeit mit der Umgestaltung von Silotürmen und ist bei der Streetart-Initiative Calle Libre aktiv, mit der gemeinsam die Kunstkonzepte für die Fassadengestaltungen entstehen. Neben Lucas Silhanek sind noch zwei weitere Silosoph*innen FHTW-Absolvent*innen, zum Team gehören außerdem noch eine Architektin und eine Designerin.

Leistungspeak im April und August

45 Meter hoch ist der Turm in Engelhartstetten. Rund 45.000 Kilowattstunden bzw. 60 kWPeak Leistung können über die PV-Module erzielt werden, zwölf Eigenheime könnten auf diese Weise mit Energie versorgt werden. „Interessant ist hier, dass wir aufgrund der Anordnung der Photovoltaik-Paneele im Jänner, Februar, November und Dezember eine höhere Leistung erzielen können als herkömmliche PV-Anlagen. Wir können hier also solaren Winterstrom erzeugen. Den Peak erreichen wir bei unserem Konzept im April und August“, erläutert Silhanek. „Unser Ziel ist es, ein Modell zu schaffen, das auch für die Inhaber der Türme attraktiv ist. Gleichzeitig möchten wir mit unserem Konzept auch die Innovation in der Branche ankurbeln.“

Teamfoto Silosophie
Das Silosophie-Team

Kunst als Botschaft für den Klimaschutz

Um die Bevölkerung in den Gemeinden einzubinden, verschicken die Silosoph*innen Karten mit weißen Silos, die selbst gestaltet werden können. „Wir wollen damit auch Bewusstseinsbildung betreiben, erläutern, worum es geht, und Klimaschutz als Botschaft in Form von Kunst vermitteln.“ Gleichzeitig will das Team mit derartigen Projekten auch das Konzept von Energiegemeinschaften bewerben. „Gerade dafür könnte so ein Siloturm ein interessantes Pilotprojekt sein, etwa weil man mit gesicherten Energieeinträgen rechnen kann.“ Silhanek und seine Kolleg*innen sind außerdem überzeugt davon, dass PV-Anlagen auch „ansteckend“ sein können: „Man sieht eine Anlage beim Nachbarn, und möchte dann selber eine haben“. Genauso könnte ein weithin sichtbarer Siloturm als Werbeträger in Sachen Photovoltaik funktionieren.

Förderungen und Crowd-Funding zur Finanzierung

Das Pilotprojekt in Engelhartstetten ist für die Gruppe auch wichtig, um Erfahrung im Hinblick auf die konkrete Umsetzung zu sammeln. Das Bauvorhaben ist großteils ausfinanziert und wird unter anderem aus Mitteln des Klima- und Energiefonds und vom Viertelfestival Niederösterreich unterstützt. Ohne Förderungen wäre ein derartiges Projekt im Moment noch nicht umsetzbar. Ein Budgetanteil kommt außerdem aus einer Crowdfunding-Kampagne. Denn als zusätzliches Finanzierungsstandbein kann man den Verein auch mit Spenden unterstützen: Mit 60 Euro im Jahr kann man Mitglied bei den Silosoph*innen werden und auf diese Weise mithelfen, weitere Silos zu nachhaltigen „Wahrzeichen der Zukunft“ umzubauen.