Virtual Reality: „Noch nichts, das alle spielen wollen"

VR ist in aller Munde. Technisch sind die Game Engineering-Studierenden an der FHTW auf der Höhe der Zeit. Studiengangsleiter Alexander Hofmann sieht den Hype trotzdem kritisch.

Im neuen Wiener Lokal Vrei kostet der Ausflug in virtuelle Welten derzeit nicht mehr als ein Cappuccino oder ein kleines Bier. Das Konzept der „Virtual Reality Lounge“ im siebten Bezirk: Wer Getränke konsumiert, kann teure Technologien wie die 3D-Brille Oculus Rift gratis ausprobieren. Wir haben gemeinsam mit Studiengangsleiter Alexander Hofmann dem Vrei einen Besuch abgestattet.

Der Master-Studiengang Game Engineering und Simulation gehört zu den beliebtesten an der FH Technikum Wien und auch die Virtuelle Realität (VR) spielt dort schon seit Jahren eine Rolle. Vieles von dem, was im VR-Lokal geboten wird, ist Hofmann also nicht unbekannt. Manches begeistert aber auch den Experten: Die Oculus Rift in Kombination mit dem Zusatzgerät Leap Motion ermöglicht es, Handbewegungen im virtuellen Raum nachzuvollziehen. Ganz ohne Controller lassen sich in einer Demo Bausteine anordnen, erzeugen, werfen. 

 

 

Herr Hofmann, wie gefällt Ihnen das?
Das ist eine sehr interessante Demonstration, aber noch keine fertige Anwendung. Kein Spiel. So ist es auch mit Virtual Reality insgesamt. Die Technik ist da, wird jetzt auch leistbarer, aber es fehlt die eine Spielanwendung, die alle spielen wollen.

Sie sind also skeptisch?
Ein Setup wie Leap Motion in Kombination mit der Oculus Rift kann zum Beispiel ein Thema für Konstruktion, Architektur oder die Steuerung von Maschinen werden. Da entstehen bestimmt viele Anwendungsmöglichkeiten. Spannende Spiele fehlen noch. Es ist jetzt an der Zeit, sich über neue Mechanismen im Game Design Gedanken zu machen und neue Spiele zu entwickeln, die die Vorteile der Kombination Oculus und Leap Motion voll ausnutzen. Blocks ist bereits ein sehr gutes Demo.

Welche Rolle spielt Virtual Reality im Studiengang?
Die grundlegenden Technologien gibt es schon ewig. Jetzt versuchen einige Anbieter, sie massentauglich auf den Markt zu bringen. Unsere Studierenden lernen alles, was sie brauchen, um für solche Technologien Spiele zu entwickeln. Wir sind beispielsweise auch dabei, das ganze Thema Game Design auszubauen. Unsere Studierenden haben die Freiheit, über neue Konzepte nachzudenken und vielleicht können wir in einem Jahr bereits ein neues Spiel für die Oculus bestaunen.

Das heißt, am Technikum ist VR schon lange ein Thema?
Seit etwa drei Jahren. Wir haben die Oculus Rift der ersten Generation noch über Kickstarter bestellt, haben jetzt die neuesten Modelle und natürlich auch andere Technologien, wie die preisgünstigen Cardboards von Google oder die Samsung Gear.

Welche konkreten Projekte gibt es?
Gemeinsam mit einem Psychologen hat eine Studierendengruppe beispielsweise „Exposure“ entwickelt. Damit kann man für die Angsttherapie die PatientInnen mit dem Gegenstand ihrer Phobie konfrontieren, beispielsweise einer größeren Menschenmenge in der U-Bahn.
 

 

Eine andere Studierendengruppe ist gerade dabei, eine (echte) Pyramidenkonstruktion zu entwickeln, die es ermöglichen soll, ein klassisches Spiel in einer Art 3D-Hologramm zu spielen. Das ist ein Projekt im Rahmen einer Masterarbeit. Die FH finanziert die Hardware, die dann bei uns vor Ort bleibt.

Werden solche VR-Projekte von Studierenden nachgefragt?
Unsere Studierenden haben relativ viel  Freiheit in der Wahl ihrer Masterarbeitsthemen. Da kommt VR natürlich vor, wie die Beispiele zeigen, aber es ist noch kein extrem großes Thema.

Wie sieht Ihre Prognose aus?
Entwicklungen wie Google Cardboard oder Samsung Gear haben natürlich Potenzial. Was mir fehlt und leider als Thema derzeit ein bisschen untergeht, ist Augmented Reality, also die Verbindung mit der echten Welt. Bei VR nimmst du quasi ein Sinnesorgan völlig weg und setzt ihm etwas Künstliches vor. Mit Augmented Reality blendest du etwas Künstliches in die Realität ein. Mich wundert, dass der Trend davon weg geht und die Handyhersteller wie Samsung beispielsweise nicht vorne eine zweite Kamera in ihre VR-Brillen integrieren. Ich glaube, das hätte mehr Potenzial als reine VR-Anwendungen.

 

Information: Interesse an (VR-)Spielentwicklung?