Wenn Papa daheim bleibt

Väter unter sich: Gerald Raab, Richard Elgner und Lars Mehnen (v.l.n.r.)
Väter unter sich: Gerald Raab, Richard Elgner und Lars Mehnen (v.l.n.r.)

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Sich mehrere Monate lang ganz auf den Nachwuchs konzentrieren? Viele Männer scheinen sich nicht sicher zu sein, ob das der richtige Schritt ist. Österreichweit nimmt derzeit nur jeder fünfte Vater die Möglichkeit einer Väterkarenz in Anspruch. Hört man Mag. Gerald Raab zu, versteht man nicht ganz, warum es nicht mehr sind: „Die Zeit war eigentlich total lässig. Dadurch, dass Magdalena schon zweieinhalb Jahre alt war, haben wir viel unternehmen können. Auch die Jahreszeit war perfekt. Wir waren oft draußen und sind regelmäßig schwimmen gegangen.“

 

Der stellvertretende Leiter der Abteilung Infrastruktur war von Mai bis August 2009 in Väterkarenz. Seiner Partnerin und ihm diente die Zeit als Überbrückung, bevor die Tochter mit dem Kindergarten anfing. Ganz stressfrei war es natürlich nicht, die Rolle zu übernehmen, die bislang die Mutter gespielt hatte: „Man kann es nicht mit Urlaub gleichsetzen. „Abhängig vom Kind und der Situation kann es mehr oder weniger anstrengend sein“, sagt Raab. „Es ist sicher kein Urlaub, aber ich kann jedem nur raten, sich auf die Situation einlassen!“

 

Ähnlich sieht das FH-Prof. DI Dr. Lars Mehnen vom Institut für Biomedizinische Technik. Bis er vergangenes Frühjahr für zwei Monate in Karenz ging, musste er aber viel an organisatorischer Vorarbeit leisten. Ein Problem war etwa, dass er in zahlreichen  Studiengängen lehrt und hier jeweils Lösungen für seine Abwesenheit gefunden werden mussten. „Ich habe außerdem in der Zeit bewusst an keinem Forschungsprojekt mitgearbeitet. Das hatte ich im Vorhinein schon bedacht.“

Die FH Technikum Wien unterstützt als Arbeitgeber alle Väter, die in Karenz gehen wollen.
Die FH Technikum Wien unterstützt als Arbeitgeber alle Väter, die in Karenz gehen wollen.

Keine bürokratigschen Hürden

Die FH Technikum Wien unterstützt als Arbeitgeber alle Väter, die in Karenz gehen wollen. Die eigentliche Bürokratie dabei ist nicht der Rede wert: „Man braucht nur zwei Dokumente, eines davon füllt sogar der Dienstgeber aus. Das war‘s“, erklärt Richard Elgner, MSc, Leiter des Service Desk. Seine Karenz hat er zum Zeitpunkt des Gesprächs erst vor sich, sie dauert von Mitte November bis Mitte Jänner.

 

„Auf jeden Fall freu ich mich darauf, mehr Zeit mit meiner Tochter zu verbringen – also qualitative Zeit, nicht nur am Wochenende oder eine Stunde am Abend, bevor sie schlafen geht“, sagt Elgner. Auch in traditionelle Mütter-Aktivitäten wie Babyschwimmen, die er derzeit nur am Rande mitbekommt, will sich der Vater mit Begeisterung stürzen.

 

Gibt es Tipps der „Veteranen“ für Elgner und andere MitarbeiterInnen, die vielleicht noch überlegen, ob sie die Möglichkeit nutzen sollen? Nicht vergessen, einen Jahresausgleich zu machen, raten Raab und Mehnen ganz pragmatisch. Bei mehreren Monaten bekommt man vom Finanzamt schon relativ viel zurück. Und ansonsten: die Zeit mit dem Nachwuchs genießen, auch wenn sie kein Urlaub ist.