Frauen in der Technik: Start-up- oder Konzern-Karriere?

Frauen in der Technik: Start-up- oder Konzern-Karriere?

Netzwerktreffen Frauen in der Technik

Netzwerktreffen Frauen in der Technik: Start-up- oder Konzern-Karriere? Am Bild v.l.n.r.: Doris Kruschitz-Bestepe (Kapsch AG), Desirée Zottl (Start-up-Gründerin, Gatherer), Daniel Horak (CONDA Crowdinvesting und Austrian Startups), Martina Szabo (Produktionsleiterin, Kapsch Components)

© FEEI/APA-Fotoservice/Roßboth

Zwei Role Models diskutieren mit jungen Technikerinnen über ihre Karrierewege und die Herausforderungen eines Start-ups und eines Konzerns

Der FEEI Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie und die FH Technikum Wien veranstalteten am 30. November gemeinsam bei der Kapsch AG den zweiten Netzwerkevent „Frauen in der Technik“. Desirée Zottl als junge Start-up-Gründerin und Martina Szabo als Produktionsleiterin bei Kapsch Components gaben als Role Models Einblicke in ihre unterschiedlichen Karrierewege. Daniel Horak, Start-up-Gründer und Vorstandsmitglied von Austrian Startups, sieht eine äußerst positive Entwicklung der österreichischen Start-up-Szene in den letzten zehn Jahren und bezeichnet Wien als guten Testmarkt, um Neues auszuprobieren.

Von der Seminararbeit zum Start-up

Die Ursprungsidee von „Gatherer“ hatte Desirée Zottl während des FH-Studiums: „Wir wollten eigentlich nur eine coole App programmieren und eine gute Note dafür bekommen. Das ist uns auch gelungen, aber der Drang im Team etwas Größeres zu machen, war stärker, sodass wir Schritt für Schritt mit vielen Learnings ein Start-up gegründet haben.“ Der Aufwand die eigene Idee umzusetzen, biete viele Freiräume in der Gestaltung, kaum Hierarchien im Team, verlange aber auch einen hohen Arbeitseinsatz von jedem Teammitglied. „Auch wenn es spät in die Nacht wird, wir programmieren so lange, bis wir fertig sind.“

Konzernkarriere ermöglicht mehr Planungssicherheit und Förderung

Über kurze Arbeitstage kann Martina Szabo als Produktionsleiterin bei der Kapsch Components GmbH & Co KG auch nicht berichten. Ihre Karriere als Technikerin verlief in den letzten dreizehn Jahren vorbildhaft, verlangte aber auch viel Einsatz und Engagement. „Ein großes Unternehmen wie Kapsch bietet sicherlich mehr Planungssicherheit und Entwicklungsmöglichkeiten im Vergleich zu einem Start-up und ermöglicht es, eine Expertenkarriere anzustreben. Der Kommunikationsbedarf ist sicherlich aufgrund der Größe und der Hierarchien im Unternehmen höher als in einem Start-up. Persönlich habe ich besonders von der Kapsch University, der Internationalität des Unternehmens und von woman@Kapsch profitiert. Die Vernetzung von Technikerinnen im eigenen Unternehmen ist besonders wichtig, um sich auszutauschen und Kontakte in so großen Firmen zu knüpfen,“ so Szabo. Der Berufseinstieg in ein Start-up stellte sich bei ihr aufgrund ihrer Ausbildung als Produktions- und Automatisierungstechnikerin nicht primär.

Für Frauen in der Technik bedarf es Mut, Begeisterung und Vernetzung

Egal ob Start-up-Gründerin oder Produktionsleiterin: Beide berichten aus Erfahrung, dass man(n) sie bei Meetings eher dem Marketing zugeordnet, anstatt sie als kompetente Technikerin wahrzunehmen. „Da hilft nur Humor und Durchhaltevermögen“, sind sich beide einig. Für angehende Technikerinnen können sie drei Tipps auf den Weg geben: Erstens mehr Mut und Vertrauen ins eigene Tun, zweitens Begeisterung und Streben nach Weiterentwicklung und drittens Ausbau der sozialen Kompetenz und Vernetzung.

Start-up-Gründung ist etwas Verrücktes

„Ein Start-up zu gründen, ist etwas komplett Verrücktes“, so Daniel Horak, Start-up-Gründer und Vorstandsmitglied von Austrian Startups, in der Podiumsdiskussion. „Man investiert viel Zeit und eigenes Geld ohne wirkliche Planungssicherheit zu haben. Die Belohnung ist die Verwirklichung der eigenen Idee, kaum Hierarchien im Team und rasche Entscheidungsprozesse. Das wirkt als Motor für die Motivation und für die Zufriedenheit im Job, sowohl für Gründer als auch für Mitarbeiter.“

Die Stadt Wien sieht er als idealen Teststandort für Start-ups. Die Rahmenbedingungen hätten sich in den letzten zehn Jahren mit vielen Förderungen und Gründerinitiativen enorm verbessert und stellten eine gute Ausgangsbasis dar. Die Anzahl der Gründerinnen befinde sich leider noch unter zehn Prozent. 

Allen, die mit dem Gedanken spielen, ein Start-up zu gründen, raten Desirée Zottl und Daniel Horak: Ein belastbares Team aufzustellen, Marktanalysen zu machen, zu netzwerken und präsent zu sein. Das verdiente Geld und Investment kommen erst am Ende des Gründungsprozesses.

Frauen in der Technik: Netzwerkevent des FEEI und der FH Technikum Wien

Der FEEI und die FH Technikum Wien luden zum zweiten Mal zum Netzwerkevent „Frauen in der Technik“ für Studentinnen und Mentorinnen des Stipendiums „1.000 Euro statt Blumen“. Im Rahmen des Programms begleiten Mentorinnen aus der Wirtschaft die ausgezeichneten Nachwuchs-technikerinnen beim Berufseinstieg. „Trotz vielfacher Förderung und Thematisierung des Themas, sind Frauen in technischen Berufen noch immer etwas Besonderes. Wir wollen einerseits mit dem Stipendium erfolgreiche angehende Technikerinnen fördern und vor den Vorhang holen, und andererseits ein Netzwerk für den gegenseitigen Erfahrungsaustausch schaffen. Das Mentorinnen-Programm vor zwei Jahren war der Beginn und wir wollen den Weg mit Veranstaltungen wie dieser weitergehen“, so Lothar Roitner, Geschäftsführer des FEEI: „Es ist wichtig, reale weibliche Vorbilder, Role Models wie Desirée Zottl und Martina Szabo, vorzustellen, um die Machbarkeit und Normalität einer technischen Berufslaufbahn aufzuzeigen und Lust auf die Technikkarriere zu machen“, so Roitner abschließend.

Pressefotos finden Sie unter http://www.apa-fotoservice.at/galerie/8438/