Leben in einer Plastikwelt: FHTW-Projekt untersucht Risiken für Mensch und Umwelt

Mikroplastikteilchen sind in der Umwelt überall zu finden.
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In einem von der Stadt Wien geförderten Projekt widmet sich ein Team der FH Technikum Wien den Risiken von Mikroplastik und Nanopartikeln für Mensch und Umwelt. Das hochaktuelle Thema soll damit stärker im Master-Studium „Ökotoxikologie und Umweltmanagement“ verankert werden und auch die eigene Forschung vorantreiben.

„Mikroplastik ist überall“, sagt Elisabeth Simböck. „Mittlerweile weiß man: Jeder Mensch nimmt pro Woche circa fünf Gramm Plastik auf, vor allem über die Nahrung“, erklärt die Lektorin und Forscherin der Fakultät für Life Science Engineering der FH Technikum Wien. Dass Mikroplastik und Nanopartikel einen potenziell schädlichen Einfluss auf Mensch und Umwelt haben, wird schon seit Jahren öffentlich diskutiert. Auch das gesellschaftliche Bewusstsein für die Problematik ist in den vergangenen Jahren gestiegen. In einem von der Stadt Wien geförderten Projekt wird das Thema nun nachhaltig in der Lehre des Master-Studiengangs Ökotoxikologie & Umweltmanagement an der FHTW eingebettet.

Nano- und Mikro-Kunststoffpartikel können über die Verpackung in Lebensmittel gelangen oder werden diesen bewusst beigefügt. Auch in der Umwelt sind diese Teilchen überall zu finden: Meere und Strände sind verschmutzt, in Städten finden sich Kunststoffpartikel in der Luft – verursacht etwa durch Reifenabrieb. Über Aerosole werden diese Substanzen wieder von Menschen eingeatmet. Und durch das Waschen von Kleidung aus Kunststofffasern gelangt Mikroplastik in Kläranlagen, danach wiederum in Böden und das Grundwasser. Indem Mikro- und höhere Organismen die kleinen Kunststoffteilchen aufnehmen, gelangen diese wiederum in die Nahrungskette des Menschen. Ein scheinbar unendlicher Kreislauf.

Verankerung in der Lehre an der FHTW

Tatsache ist, dass diese persistenten Mikro- und Nanoplastikpartikel extrem lange in der Umwelt verbleiben. Besonders ihre Akkumulation und die Eigenschaft, weitere potenziell toxische Verbindungen zu binden, stellen ein hohes Risiko dar. In welchem Ausmaß die Aufnahme von Plastik Auswirkungen auf unsere Gesundheit hat, ist allerdings noch nicht geklärt. Umso notwendiger sei es, dies genauer zu untersuchen, sagt Elisabeth Simböck.

Master-Studiengang „Ökotoxikologie & Umweltmanagement“

Die Anzahl der Studiengänge, die sich mit der Thematik beschäftigen, war bislang eher überschaubar. Die Fachhochschule bietet bereits seit 2010 Ökotoxikologie als integrativen Bestandteil eines Master-Studiums an. Um dieses an den aktuellen Bedarf anzupassen, wurden die Lehrinhalte in den vergangenen Jahren überarbeitet und das Studium neu strukturiert. Seit vergangenem September bietet der Master-Studiengang nun unter neuem Namen eine fundierte Ausbildung in den beiden vormals getrennten Spezialisierungsrichtungen der Ökotoxikologie und des Umweltmanagements an.

Mit der Verankerung des Schwerpunkts Mikroplastik und Nanopartikel werden sich künftig drei MitarbeiterInnen der FH Technikum Wien – Thomas Machacek, Katharina Wießner und Elisabeth Simböck – diesem hochaktuellen Thema widmen. „Wir wollen damit auch das Bewusstsein für die Problematik weiter schärfen“, sagt Simböck. Mit der Einbettung in die Lehre wird außerdem die Ausbildung notwendiger Fachkräfte gefördert, die etwa Stakeholder wie politische EntscheidungsträgerInnen sowie Unternehmen in Sachen Umwelt- und Klimaschutz mit ihrer Expertise unterstützen können.

Forschungsprojekte mit Studierenden

Simböck und ihre KollegInnen wollen auch im Rahmen von Forschungsprojekten mit Studierenden das Wissen über die Wirksamkeit von Mikroplastik und Nanopartikeln vertiefen. „Uns interessieren Fragen wie: Welche Kunststoffe sind problematisch? Welche Additive in der Kunststoffindustrie sind besonders gefährlich? Gibt es nachhaltige Alternativen unter den Gesichtspunkten der ‚grünen Chemie‘? Und sind diese Alternativen tatsächlich weniger bedenklich für Umwelt und Gesundheit?“ Geplant ist dabei der Ausbau von Testsystemen für ganzheitliche öko- und humantoxikologische Risikobewertungen. Im Vordergrund stehen hier vor allem sogenannte Genotoxizitätstests, in denen die Wirkungsweise von chemischen Substanzen auf das Genmaterial untersucht wird. „Wir wollen mit diesen Projekten auch dazu beitragen, ein besseres Gesamtbild zu erhalten und zu verstehen, wie gewisse Substanzen auf ein Ökosystem und auf uns Menschen wirken“, so Simböck.

Thomas Machacek, Katharina Wießner und Elisabeth Simböck (v.li.) widmen sich im Projekt an der FHTW den Auswirkungen von Mikroplastik und Nanopartikeln auf Mensch und Umwelt.

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