Rektorat im Gespräch: Konkurrenz annehmen, Angebot weiter entwickeln

Heuer wurden Rektor Fritz Schmöllebeck und die Vizerektoren Christian Kollmitzer und Martin Lehner für eine weitere Amtszeit bestätigt. Im großen Gespräch zum neuen Studienjahr reden sie über Digitalisierung, Breitenakademisierung und weitere Herausforderungen der nächsten Jahre.

Martin Lehner, Christian Kollmitzer, Fritz Schmöllebeck

Herr Schmöllebeck, Sie möchten gerne vorab einen Blick in die jüngere Vergangenheit werfen?

Fritz Schmöllebeck: Ja, es ist uns dreien ein Anliegen, uns noch einmal bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dafür zu bedanken, dass sie beigetragen haben, unseren Audit-Prozess so erfolgreich abzuschließen. Unser Qualitätsmanagement wurde ohne Auflagen zertifiziert und zu diesem Erfolg hat wirklich die gesamte Hochschule beigetragen. 

Wie sehen die Herausforderungen im neuen und in den kommenden Studienjahren aus?

Schmöllebeck: Unser Umfeld verändert sich immer rascher, der Wettbewerb um Studierende wird härter. In der Wirtschaft gibt es disruptive Veränderungen, auf die wir uns und unsere Studienprogramme – unser Portfolio – einstellen müssen. 

Verändern sich die Studierenden?

Schmöllebeck: Sie wünschen sich eine größere Flexibilität. In unserem Strategizing-Prozess ist dazu ein guter Satz gefallen: Wir müssen mehr digitale und gute analoge Lehrveranstaltungen bieten. Das betrifft Initiativen wie das neue Teaching and Learning Center, wo wir nicht einfach von Lehrenden fordern, digitaler zu arbeiten, sondern sie darin auch unterstützen. Aber im „analogen“ Sinn ist auch der soziale Kontakt und Austausch vor Ort gemeint. Außerdem müssen wir zunehmende heterogene Einstiegsniveaus und einen diversen kulturellen Hintergrund der Studierenden berücksichtigen. Dazu kommt Unterstützung in Themen wie Innovation, Berufseinstieg, Unternehmensgründung und Weiterbildung nach dem Studium.  

Was bedeutet das für die Lehre? 

Martin Lehner: Ein zentraler Faktor für die Qualität der Lehre ist die Vorbereitungszeit, die Lehrende aufwenden können. Das zeigt auch eine kürzlich veröffentlichte Metastudie. Wir wollen Sorge tragen, dass es möglich ist, sich ausreichend vorzubereiten, sowohl hinsichtlich analoger wie auch digitaler Methoden, denn beide für sich sind weder gut noch schlecht sondern einfach unterschiedlich. Für uns als technische FH muss es selbstverständlich sein, digitale Lehrmethoden aufzunehmen, weil die Jugendlichen nun mal so ticken. Man darf bei alldem nicht vergessen, dass wir an dieser FH über mehr als 2000 Lehrveranstaltungen sprechen – eine Zahl, die einen gewissen Respekt abringt. Interne Weiterbildungsmaßnahmen wollen wir weiter stärken. Mehrere Hundert Personen haben im vergangenen Studienjahr bereits didaktische Weiterbildungen absolviert, unsere Kurzseminare wurden von anderen Hochschulen kopiert und auch das neue Format des Didaktik-Reatreats hat sich bewährt. 

Wie gehen Sie sicher, dass sich die Hochschule in die richtige Richtung entwickelt?  

Christian Kollmitzer: Wir arbeiten gemeinsam mit der neuen Geschäftsführerin systematisch und evidenzbasiert. Beispielsweise haben wir aus einer Mitarbeiterbefragung gesehen, dass Lehrende Unterstützung in Digitalisierung und Internationalisierung brauchen. Aus dem schon angesprochenen Hochschulaudit ging hervor, dass es eine konsequente Umsetzung unseres Qualitätsmanagement-Systems braucht. Weitere wichtige Entscheidungsgrundlagen liefert der Prozess Zukunft Hochschule. Hier werden Fragen wie Schwerpunktsetzung, Wachstum und unsere Rolle in der Breitenakademisierung aufgeworfen. All das fließt in unsere Entscheidungsfindung ein, ohne dass wir überall schon die richtige Antwort parat hätten. 

Ein wichtiger Puntkt ist die Zusammenarbeit mit anderen Hochschulen, beispielsweise beim Thema Doktorat.

Schmöllebeck: Politisch fordern wir, als Fachhochschule Doktorate vergeben zu können. In der Praxis ist ein kooperatives Modell, wie das gemeinsame Doktoratskolleg, das 2018 mit der TU Wien starten wird, eine wichtige Möglichkeit auf dem Weg dorthin. In der grundständigen Lehre, also Bachelor und Master, haben wir langjährige Erfahrungen. Mithilfe dieses Programms können wir auch im dritten Bologna-Zyklus Erfahrungen sammeln. 

Kooperation ist eine Seite. Wie sieht es mit der Konkurrenz zu anderen Hochschulen aus? 

Lehner: Es gibt immer mehr Konkurrenz, die sich an „unsere“ Themen heranmacht, schließlich sollen Technik, Mathematik und Naturwissenschaft gefördert werden und demnach gibt es in diesen MINT-Fächern die meisten neuen Studienplätze. Das heißt, wir müssen uns wärmer anziehen und uns gut überlegen, wie wir unser Portfolio weiter entwickeln. Natürlich haben wir in Form unserer Infrastruktur einen gewaltigen Vorteil, den andere nicht sofort kopieren können. Aber unser Alleinstellungsmerkmal müssen wir gut nutzen. 

Kollmitzer: In der Forschung werden wir gezwungen sein, mehr Versuche zu unternehmen, große Forschungsprojekte zu uns zu bringen, um in der Forschungslandschaft sichtbar zu bleiben. Wir streben auch ein zweites Josef-Ressel-Zentrum an. Natürlich fordern wir gleichzeitig weiter die Basisfinanzierung für Forschung. Ohne die sind wir finanziell am Limit. Forschungsprojekte hängen auch mit dem Thema Doktorat zusammen, denn durch Dissertationen können wir uns in der Forschung weiter stärken. 

Für all das brauchen MitarbeiterInnen auch die entsprechende Zeit.

Schmöllebeck: Jetzt sind zwar die großen Auditprojekte vorbei, das ist eine gewisse Erleichterung, aber wir müssen die Aufgabenverteilung so gestalten, dass die Personen Zeit haben, in ihrer Arbeitszeit nennenswert zu forschen oder sich Weiterentwicklungsprojekten zu widmen. Da muss Luft ins System gebracht werden. Wir brauchen Personen, die mittun, die aktiv beteiligt sind, aber viele befinden sich derzeit am Limit.  Wir wissen, dass hier sowohl in der Lehre als auch in der Verwaltung strukturelle Veränderungen nötig sind. 

Wie kann man als Hochschule überhaupt ausreichend qualifiziertes Personal gewinnen?

Schmöllebeck: Wir stehen in allen Bereichen in einem Wettbewerb um gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Beim Gehaltsniveau können wir nur schwer mit der Wirtschaft konkurrieren, deshalb muss eine Hochschule attraktive Rahmenbedingungen und Anreize bieten – etwa die Chance, in bestimmten Gebieten am Puls der Zeit bleiben zu können, mit wissbegierigen Menschen zusammen zu arbeiten. Auch Personalmarketing wird eine größere Rolle spielen müssen.  

Sie haben die Breitenakademisierung breits angesprochen – hier werden FHs vom Bundesministerium stark in die Pflicht genommen. Wie bewältigt man diese Herausforderung?

Kollmitzer: Um auch bislang bildungsfernen Personen ein Studium zu ermöglichen, müssen wir das Andocken an die FH erleichtern. Dazu gehören eine umfangreiche Vorbereitungsphase und eigene Vorbereitungslehrgänge, vielleicht auch in Kooperation mit anderen. Außerdem müssen wir uns ansehen, was wir tun können, um die Gefahr eines frühen Scheiterns am Anfang des Studiums zu verringern.

Lehner: Zu den Maßnahmen gehören Tutorien, Lerncoaching, Studiencoaching, erweiterte Vorbereitungskurse, auch mit digitalen Mitteln. Es hilft außerdem besonders, Lerngruppen mit denen zu bilden, die ähnliche Probleme haben. Herausforderungen müssen benannt werden. Es bringt nichts, so zu tun, als wäre alles gut, denn im Hinblick auf die Breitenakademisierung wird das Niveau nicht von allein steigen.  

Wie passen Breitenakademisierung und der Anspruch auf Exzellenz zusammen?

Lehner:  Exzellente Lehre hat nichts mit dem Zielpublikum zu tun. Man ist sogar mehr gefordert, je breiter das Zielpublikum ist. Schon jetzt merken wir bei den Anforderungen in der Lehre riesigen Unterschiede zwischen Vollzeit und Berufsbegleitend. Da braucht es didaktisches Gespür. Aber Gespür kann man nicht einfach heraufbeschwören. Lehre muss im besten Fall besprechbar sein. Dazu dienen die Evaluierungen. In unserem neuen System haben wir einen durchschnittlichen Rücklauf von 75 Prozent. Anderswo liegt dieser Wert bei 20-30 Prozent. Diese wertvollen Feedbacks der Studierenden helfen, Lehre kontinuierlich besser zu machen. 

Fritz Schmöllebeck ist seit 2001 Rektor der FHTW.
Bis zu seinem Wechsel ins Rektorat war er Leiter des Diplom-Studienganges Elektronik.
Er leitet neben seiner Tätigkeit als Rektor auch den
Master-Studiengang Telekommunikation und Internettechnologien.

 

 Christian Kollmitzer, seit 2001 als Vizerektor im Amt,
leitet seit dem Jahr 1999 den Bachelor-Studiengang Elektronik/Wirtschaft
und seit 2006 den Master-Studiengang Industrielle Elektronik.

 

 

 Martin Lehner ist seit dem Jahr 2005 an der FH Technikum Wien tätig
und gilt als ausgewiesener Experte für die Bereiche Didaktik und Hochschulentwicklung.
Er leitet das Institut für Sozialkompetenz und Managementmethoden
und ist seit 2015 Vizerektor für Lehre. 

 

 

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