Techniker Gehalt im Überblick

conrad pramboeck

Conrad Pramböck ist DER Experte zum Thema Gehalt. Mit seinem Unternehmen UpStyle Consulting berät er weltweit Unternehmen sowie Young Professionals und Professionals in Gehaltsfragen. Zu seinen Kunden gehören zahlreiche Vorstände, Geschäftsführer und Personalmanager aus verschiedensten Branchen.

Neben der Beratung von Unternehmen steht der gelernte Jurist auch bei Karrierefragen Rede und Antwort. Wie es sich mit Einstiegsgehältern in der technischen Branche verhält und wie sich der Arbeitsmarkt für AbsolventInnen der FH Technikum Wien gestaltet, erzählte er uns in einem Interview. Die wichtigsten Punkte haben wir im Folgenden zusammengefasst. 

Höhere Einstiegsgehälter

Ein wesentlicher Faktor für die Wahl des Studiums ist das Gehalt, das einen beim ersten Job erwartet. Grundsätzlich haben es laut dem Gehaltsexperten TechnikerInnen bei den Einstiegsgehältern besonders gut. Während AbsolventInnen anderer Studienrichtungen mit einem Master-Abschluss meistens auf ein Jahresgehalt von 30.000-35.000 brutto hoffen können, sind das für TechnikerInnen eher die Untergrenze. Sie steigen bei einem Gehalt zwischen 35.000-40.000 Euro brutto im Jahr ein. Sollte einer/einem TechnikerIn ein Gehalt weit unter dieser Benchmark angeboten werden, rät der Gehaltsexperte, sich weiterhin umzusehen, da die Wahrscheinlichkeit eines besseren Angebotes sehr hoch ist. 

Berufsfeld und Unternehmensgröße sind entscheidend für das Einstiegsgehalt

Der technische Bereich erstreckt sich über viele verschiedene Branchen, von der Mechatronik über die Informatik bis hin zur Medizintechnik. Unternehmen suchen in allen Feldern händeringend nach gut ausgebildeten TechnikerInnen. Hierbei macht es keinen Unterschied, ob es sich um ein kleines bis mittelständisches oder ein großes Unternehmen handelt.

Lediglich bei den Einstiegsgehältern macht sowohl die Größe als auch die geografische Lage eines Unternehmens einen wesentlichen Unterschied: Während meist von einem Ost-West bzw. Nord-Süd-Gefälle in Österreich die Rede ist, stellt Pramböck auch ganz klar das Gefälle zwischen Stadt und Land in den Vordergrund. Kleine ländliche Betriebe können sich meist keine TechnikerInnen mit akademischem Abschluss leisten und greifen auf gut ausgebildete HTL-AbsolventInnen zurück. Somit verdienen TechnikerInnen am Land meist weniger als in der Stadt. Dies liegt zum einen an den erhöhten städtischen Lebenshaltungskosten und zum anderen an Angebot und Nachfrage.

Spitzenreiter in Gehaltsfragen sind nach wie vor große Ballungsräume: An erster Stelle steht Wien. Dicht gefolgt vom Grazer Becken, Linz und Salzburg. Viele Konzerne sind hier ansässig und versprechen hohe Gehälter sowie herausragende Weiterbildungsmöglichkeiten.

Egal für welchen Beruf man sich also genau interessiert, Personaler legen großen Wert auf technisches Verständnis und dies wird mit einer attraktiven Vergütung belohnt. 

Abschluss und Praxiserfahrung als wichtige Gehaltsfaktoren

Grundsätzlich gilt: Je höher der Abschluss, desto höher auch das Einstiegsgehalt. In der Regel verdienen allerdings auch Bachelor-AbsolventInnen mit zwei Jahren Berufserfahrung genauso viel wie Master-AbsolventInnen ohne Berufserfahrung.

Wie es sich dann aber weiter verhält, hängt von den Zielen jedes Einzelnen ab: Wohin möchte sich die-/derjenige hin entwickeln? Zu einem Experten oder doch lieber zu einer Führungspersönlichkeit? Als Spezialist ohne Führungsverantwortung kann man mit einem jährlichen Gehalt von ca. 70-80.000 Euro brutto rechnen. Das Gehalt eines Generalisten mit Führungsverantwortung ist wiederum maßgeblich von der Größe des Teams und der Höhe des Budgets abhängig. BereichsleiterInnen, die direkt an die Geschäftsführung vermitteln, verdienen in kleinen und mittelständischen Unternehmen zwischen 70.000 und 100.000 brutto pro Jahr. In großen Konzernen liegt die Gehaltsspanne für diese Positionen zwischen 100.000 und 150.000 brutto zuzüglich Boni.

Der optimale Karriereverlauf ist hierbei in den ersten fünf bis zehn Jahren im Beruf fachliche Kompetenzen zu erarbeiten und Fachwissen in verschiedenen Einsatzgebieten zu erlangen. Ab Anfang bis Mitte Dreißig sollte man das Kompetenzprofil verbreiten und Spezialist in einem Gebiet werden. Nach diesem Schritt kann man sich wieder auf die Generalisten-Rolle konzentrieren.

Eine Promotion zahlt sich vor allem für diejenigen aus, die in der Lehre bleiben oder in Forschung und Entwicklung Fuß fassen möchten.

Der Tipp vom Profi: Sucht euch eure Nische und macht euch in dieser breit!

Während die Art des Abschlusses also noch Einfluss auf die Höhe des Einstiegsgehaltes hat, macht die Art der Hochschule für Unternehmen bei Gehaltsfragen keinen Unterschied mehr. AbsolventInnen von Fachhochschulen und Universitäten werden gleich bewertet, was zählt sind Wissenstand, Sozialkompetenzen und absolvierten Praktika.

Der erste Arbeitgeber: Das sollten Sie beachten

Bei der Wahl des ersten Arbeitgebers sollten AbsolventInnen nicht zwingend auf das Finanzielle achten! Wichtiger als der Lohn sollten für Berufseinsteiger die weiteren Karrieremöglichkeiten sein sowie ein Vorgesetzter, mit dem man sich menschlich gut versteht und von dem man viel lernen kann.

Der berufliche Werdegang und neu erlangtes Wissen haben natürlich auch Einfluss auf Gehaltssteigerungen. Alljährliche Mitarbeitergespräche sollten neben beruflichen Veränderungen und Weiterentwicklungsmöglichkeiten auch für Gehaltsverhandlungen genutzt werden. Techniker, die ihr Gehalt jährlich um fünf bis sieben Prozent steigern, können in den ersten Berufsjahren eine optimale Gehaltsentwicklung verzeichnen. Große Sprünge im Gehalt werden vor allem beim Wechsel des Jobs gemacht. Ein Richtwert für TechnikerInnen sollte im Alter von 30 Jahren ein Gehalt von ca. 50.000 Euro Brutto jährlich sowie Führungsverantwortung sein.

Glühbirne

Seien Sie TechnikerIn aus Leidenschaft!

Lohnt es sich also, sich durch ein kompliziertes Technik-Studium zu beißen? Hierbei kommt es im Wesentlichen darauf an, TechnikerIn aus Leidenschaft zu sein. Denn was nützt einem ein Job in dem man zwar viel verdient, aber Mitte 30 kurz vor dem Burn-Out steht?

Aus Erfahrung weiß der Gehaltsexperte Conrad Pramböck, dass genau zwei Dinge wichtig sind, um eine erfolgreiche Karriere und ein glückliches Berufsleben zu führen: Man muss das, was man macht einerseits gerne machen und andererseits auch sehr gut! Denn nur dann wird jede Stunde, die man arbeitet auch zu einer gewonnenen Stunde, weil man seinem beruflichen Ziel ein Stückchen näherkommt.

Des Weiteren sind soziale Kompetenzen entscheidend für die berufliche Karriere. TechnikerInnen sind in der Regel sehr technik-verliebt. Sie tun sich schwer darin, ihre eigene Idee und sich selber zu präsentieren und ihr Produkt zu verkaufen. Soft Skills sowie einige grundlegende wirtschaftswissenschaftliche Kenntnisse sind genauso wichtig wie technisches Know-How. Wobei auch hier die Erfahrung zeigt, dass einE TechnikerIn mit Vorlesungen im Bereich Wirtschaft durchaus einen wirtschaftswissenschaftlichen Beruf ausüben kann. Umgekehrt kann ein reiner Betriebswirtschaftler ohne zusätzliche Ausbildung keinen technischen Beruf ausüben.

Tipps vom Experten

Pramböck fasst zusammen: Wichtig ist es, das Studium abzuschließen und auch noch einen Master zu machen – hierbei macht es allerdings keinen Unterschied, ob dieser sofort nach dem Bachelorstudium oder erst später absolviert wird. Unternehmen und Personaler unterstützen berufsbegleitende Studien und Weiterbildungen in den meisten Fällen.

Es kommt auch nicht auf die Art des technischen Studiums an. Was zählt sind die Schlüsselkompetenzen, die der/die AbsolventIn während des Studiums erlangt hat. Sich zu präsentieren und das Produkt sowie sein Wissen gut verkaufen zu können, sind maßgeblich für den persönlichen Erfolg!