Lina

  • BSc Biomedical Engineering
  • Linköping, Schweden
  • Auslandssemester
  • Linköping University
  • Wintersemester 2025/2026
Eine Reihe von Bäumen mit leuchtend roten Herbstblättern steht auf grünem Gras, im Hintergrund stehen höhere Bäume mit gelbem und grünem Laub unter blauem Himmel.
Wie haben Sie sich auf Ihren Auslandsaufenthalt vorbereitet? Welche praktischen Vorkehrungen haben Sie vor dem Austausch getroffen?

Meine ersten Informationen zu meinem Auslandsaufenthalt habe ich bei einem Infoevent des FH Technikum Wien erhalten. Dort bekam ich einen ersten Überblick über den Ablauf und die organisatorischen Schritte. In der Vorbereitungsphase habe ich ausreichend Geld gespart und mitgenommen, um die ersten Ausgaben vor Ort gut abdecken zu können. Da ich mein Auslandssemester in Schweden verbracht habe, habe ich mich besonders auf das kalte Wetter vorbereitet und entsprechende Kleidung besorgt. Ich habe mich frühzeitig um meine Handyrechnung gekümmert und meinen Tarif bei Magenta angepasst, sodass ich mein Internet in Schweden für die ersten drei Monate nutzen konnte. Danach habe ich die App Ubigi genutzt, über die man eine Prepaid-eSIM mit Guthaben erwerben kann. Zusätzlich bin ich verschiedenen WhatsApp-Gruppen beigetreten, was sehr hilfreich war. Zukünftigen Outgoing-Studierenden würde ich empfehlen, sich alle offenen Fragen im Vorfeld aufzuschreiben und damit zum International Office zu gehen.

Wie wurden Sie von der Gastinstitution begrüßt?

Die Gastinstitution hat mich sehr gut begrüßt. Bereits am 26.08. fand eine Welcome-Veranstaltung statt, bei der die Confirmation of Arrival unterschrieben wurde. Am selben Tag konnte man auch die LiU-Studierendenkarte erstellen lassen. Dafür erhielt man eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wodurch die Erstellung schnell und unkompliziert möglich war. Die Karte ermöglicht den Zugang zu allen Universitätsgebäuden und zur Bibliothek und dient gleichzeitig als kostenlose Fahrkarte für den Campusbus. Nach der Aktivierung der Karte hatte man die Möglichkeit, den Campus selbstständig zu erkunden.
Eine geführte Campus-Tour wäre dennoch hilfreich gewesen, da der Campus sehr groß ist und aus vielen Gebäuden besteht. Es gibt mehrere sogenannte Husets, wie A, B, C, E, F, H und I, sowie die TERRA-Husets, in denen die meisten Prüfungen stattfinden. Die Koordinatorinnen und Koordinatoren der LiU haben uns während des gesamten Aufenthalts regelmäßig informiert und unterstützt.

Wie war das Studium an der Gasthochschule?

Das Studium an der Gasthochschule war insgesamt sehr gut organisiert. Es gab eine LiU-App, in der alle wichtigen Informationen zu finden waren, über die man sich zu Prüfungen anmelden, Noten einsehen, den Stundenplan abrufen und mithilfe einer Campus-Map die Räumlichkeiten finden konnte.Anfangs war es etwas schwierig, die richtigen Räume zu finden, mit der Zeit wurde es jedoch deutlich einfacher. Das Studium selbst war sehr spannend, da man sich die Kurse eigenständig zusammenstellen konnte. In meinem Fall gab es jedoch eine Herausforderung, da ein als englischsprachig angekündigter Kurs ausschließlich auf Schwedisch abgehalten wurde. Daher musste ich den Kurs wechseln. Die Kursauswahl war insgesamt nicht sehr groß, weshalb ich zwei Kurse auf Master-Niveau absolvieren musste. Diese waren jedoch gut machbar und inhaltlich interessant. Durch den Kurswechsel habe ich die drei Campusstandorte besucht, nämlich Campus Valla, Norrköping und Campus US, ca. 50min voneinander entfernt.

Wie würden Sie das Land, die Kultur und die Freizeitaktivitäten beschreiben, die Sie während Ihres Auslandsaufenthaltes erlebt haben?

Schweden ist meiner Meinung nach im Sommer wahrscheinlich noch schöner, dennoch habe ich mich sehr auf den tiefen Schnee und die Kälte während meines Aufenthalts gefreut. Diese besondere Winteratmosphäre war eine neue und interessante Erfahrung. In Linköping selbst ist das Leben sehr ruhig und erinnert eher an ein kleines Dorf, während Stockholm im Vergleich dazu eine lebendige Großstadt ist, ähnlich wie Wien. In Bezug auf Freizeitaktivitäten gab es viele Möglichkeiten. In Linköping, das eine ausgeprägte Studierendenstadt ist, gibt es zahlreiche Bars und Sportbars, in denen man beispielsweise Bowling spielen oder einfach Zeit mit anderen Studierenden verbringen kann. Außerdem bestand die Möglichkeit, sich in einem Fitnessstudio anzumelden. Zusätzlich bot das ESN-Network viele organisierte Aktivitäten an, wie z.B Schnitzeljagden, Ausflüge und Partys. Dadurch war es leicht, neue Leute kennenzulernen und die Freizeit abwechslungsreich zu gestalten.

Über die Zimmer-/Wohnungssuche und Unterkunft

Meine Unterkunft habe ich über die Plattform studentbostader.se gefunden. Dort meldet man sich an und sammelt für jeden Tag automatisch einen Punkt. Je mehr Punkte man hat, desto höher ist die Chance, bei der Vergabe von Unterkünften vorgereiht zu werden, da eine Reihung der Puntkeanzahl auf der Plattform entsteht. Daher ist es sinnvoll, sich dort bereits anzumelden, sobald man weiß, dass man sich für ein Auslandssemester in Schweden bewirbt, da man so täglich Punkte sammelt. Ich habe ein Student Room erhalten, das mit einem Bett, einem Schreibtisch und Sessel, einem eigenen Bad mit Toilette sowie Schränken ausgestattet war. Gemeinschaftsbereiche wie Küche und Wohnzimmer wurden mit anderen Studierenden geteilt. In der Küche hatte jede Person einen eigenen Bereich im Kühlschrank und im Gefrierfach. Zusätzlich gab es gemeinschaftliche Einrichtungen wie Waschräume, Billardräume, eine Sauna und Lernräume. All diese Bereiche konnten über die Studentbostäder-App am Handy gebucht werden.

Welche finanziellen Vorkehrungen haben Sie getroffen? Wie hoch waren die Lebenserhaltungskosten im Schnitt?

Für mein Auslandssemester habe ich im Voraus Geld gespart und dieses während des Aufenthalts verwendet. Zusätzlich habe ich Studienbeihilfe sowie Auslandsbeihilfe bezogen. Während des Auslandssemesters habe ich außerdem remote gearbeitet, was meine finanzielle Situation zusätzlich abgesichert hat. Die Lebenserhaltungskosten in Schweden sind insgesamt höher als in Wien, insbesondere die Kosten für Lebensmittel. Für die Unterkunft habe ich monatlich etwa 400 Euro ausgegeben, für Verpflegung ebenfalls rund 400 Euro. Die Ausgaben für Freizeit lagen bei über 600 Euro pro Monat, da ich mehrere Reisen unternommen habe. Dazu zählten unter anderem Aufenthalte in Lettland, Finnland und Spanien sowie regelmäßige Reisen innerhalb Schwedens, etwa nach Stockholm, Malmö und Norrköping.

Haben Sie Tipps was noch zu beachten ist?

Allgemein habe ich mir im Vorfeld viele Globetrotter Beiträge durchgelesen, um einen besseren Überblick zu bekommen. Außerdem ist es empfehlenswert, sich frühzeitig bei Wohnplattformen und relevanten Portalen anzumelden, sobald feststeht, dass das Auslandssemester stattfindet.
Zusätzlich sollte man die App der Gasthochschule möglichst früh installieren, da dort wichtige Informationen wie Stundenpläne, Prüfungsanmeldungen und organisatorische Hinweise zu finden sind. Weiters würde ich empfehlen, sich für das jeweilige Land eine passende Bankkarte zuzulegen. Ich habe dafür Wise genutzt, ähnlich wie Revolut, was sich besonders für Zahlungen in einer anderen Währung wie SEK in Schweden eignet. Überweisungen waren hierbei mit sehr geringen Wechselkursgebühren möglich. Außerdem ist es sinnvoll, sich gleich zu Beginn darüber zu informieren, wo sich die nächste Apotheke oder ein Arzt befindet, falls man krank wird oder medizinische Hilfe benötigt.

Welche neuen Fähigkeiten und Qualitäten haben Sie erworben?

Bezüglich meiner Sprachkenntnisse habe ich mein Englisch deutlich verbessert, was auch einer der Hauptgründe für mein Auslandssemester war. Der tägliche Gebrauch der Sprache im Studium und im Alltag hat mir mehr Sicherheit im Sprechen gegeben.
Das Auslandssemester lag deutlich außerhalb meiner Komfortzone, da meine Familie zuvor immer meine wichtigste Komfortzone war. Während des Aufenthalts musste ich mir diese Sicherheit neu aufbauen, was eine prägende Erfahrung für mich war. Dadurch konnte ich mich persönlich weiterentwickeln und habe gelernt, mir meinen eigenen emotionalen Halt zu schaffen, unabhängig von meinem gewohnten Umfeld.
Besonders prägend war für mich, das erste Jahr an Neujahr nicht zuhause zu verbringen. Dadurch habe ich mir bewusst Zeit genommen, über mich selbst nachzudenken und zu reflektieren, was mir persönlich wirklich wichtig ist.

Wie haben sich Ihre Werte und Einstellungen während Ihres Auslandsaufenthaltes verändert?

Während meines Auslandsaufenthalts haben sich meine Werte und Einstellungen nicht wesentlich verändert, da ich schon zuvor sehr weltoffen war. Durch frühere Reiseerfahrungen, die ich unter anderem meiner Mutter zu verdanken habe, war mir der Umgang mit anderen Kulturen bereits vertraut.
Dennoch haben sich meine persönlichen Werte weiter gefestigt, insbesondere in Bezug auf Mut und Gelassenheit. Während des Auslandssemesters habe ich gelernt, ruhiger zu bleiben, wenn Dinge nicht nach Plan verlaufen, und mehr auf meine eigene Problemlösungskompetenz zu vertrauen. Diese Erfahrung hat mich insgesamt sicherer und entspannter im Umgang mit neuen Situationen gemacht.

Was war im Rückblick die größte Herausforderung bei der Vorbereitung auf oder während Ihres Auslandsaufenthaltes?

Im Rückblick war die größte Herausforderung meines Auslandsaufenthalts die große räumliche Distanz zu meiner Familie. Besonders gegen Ende Oktober habe ich gemerkt, wie sehr mir der direkte Kontakt gefehlt hat, weshalb ich für kurze Zeit nach Wien zurückgegangen bin. Der Aufenthalt zuhause war für mich sehr wertvoll, da ich dort neue Energie für die anstehende Prüfungszeit tanken konnte.
Diese Erfahrung hat mir nochmals bewusst gemacht, wie stark meine Familie mein Leben prägt und wie viel Sicherheit mir ihre Nähe gibt. Gleichzeitig war es eine bewusste Entscheidung, dieses vertraute Umfeld zu verlassen, um neue Erfahrungen zu sammeln und mich persönlich weiterzuentwickeln. Während des Auslandssemesters habe ich gelernt, viele Dinge bewusster wahrzunehmen und mir klarer darüber zu werden, welche Prioritäten ich in meinem Leben setzen möchte. Dadurch habe ich ein klareres Bild davon gewonnen, wie ich meine Zukunft persönlich und beruflich gestalten möchte.

Was war Ihre positivste Erfahrung während Ihres Auslandsaufenthaltes?

Meine positivste Erfahrung während des Auslandsaufenthaltes war die persönliche Entwicklung, die ich in dieser Zeit gemacht habe. Ich habe gemerkt, dass ich ein sehr selbstständiger und selbstbewusster Mensch bin, was sich dadurch nochmals bestätigt hat. Für mich selbst zu sorgen, den Alltag zu organisieren und Verantwortung zu übernehmen, hat mir viel Sicherheit gegeben.
Besonders überrascht hat mich, dass ich im Auslandssemester begonnen habe, gerne zu kochen. Während ich früher kaum gekocht habe, konnte ich dort meiner Kreativität freien Lauf lassen. Von einfachen Gerichten bis hin zu selbst gebackenem Brot, hat mich diese Entwicklung selbst sehr stolz gemacht. Ein weiteres Highlight war meine Reise nach Rovaniemi, wo ich die Nordlichter sehen durfte. Diese Eindrücke waren einzigartig und werden mir für immer in Erinnerung bleiben. Das Auslandssemester hat meinen Blick auf das Leben erweitert und meine Lebensweise neu geprägt. Großer Dank an meine Familie für die allg. Unterstützung