Sebastian

  • BSc Biomedical Engineering
  • Seoul, Südkorea
  • Auslandssemester
  • Korea University
  • Wintersemester 2025/2026
Ein großer kreisförmiger Stein liegt in der Mitte eines grünen Rasens, umgeben von Bäumen und Wegen, mit einem schlossähnlichen Gebäude und einem blauen Himmel mit Wolken im Hintergrund.
Wie haben Sie sich auf Ihren Auslandsaufenthalt vorbereitet?

Zur Vorbereitung meines Auslandssemesters an der Korea University (KU) in Seoul waren mehrere organisatorische Schritte notwendig. Zunächst verfasste ich ein englisches Motivationsschreiben und bewarb mich anschließend direkt bei der KU. Ein zentraler Bestandteil der Bewerbung war die Umrechnung meiner ECTS-Punkte in einen offiziell zertifizierten GPA. Zudem musste ich für die Einschreibung eine private Krankenversicherung nachweisen sowie einen Kontoauszug vorlegen, der finanzielle Mittel von mindestens 5.000 USD bestätigte. Parallel dazu suchte ich passende Kurse und stellte diese den Kursen meiner Heimatuniversität gegenüber, um eine spätere Anerkennung zu ermöglichen. Zukünftigen Outgoing-Studierenden empfehle ich, Kurse aus verschiedenen Departments zu prüfen und sich daraus einen individuellen Stundenplan zusammenzustellen, da dies die Auswahl und Flexibilität deutlich erhöht.

Welche praktischen Vorkehrungen haben Sie vor dem Austausch getroffen?

Vor meinem Austausch traf ich einige praktische Vorbereitungen. Den Hinflug buchte ich früh, sobald ich die Zusage für den Auslandsaufenthalt erhalten hatte. Zusätzlich beantragte ich mein Visum rechtzeitig. Die Kosten dafür betrugen etwa 50 Euro und die Bearbeitungszeit lag bei rund zwei Wochen. Da ich das Visum etwa 18 Tage vor meinem Abflug beantragte, erhielt ich meinen Reisepass rechtzeitig zurück. Durch diese frühzeitige Planung verlief der Start meines Auslandsaufenthalts ohne größere Probleme.

Wie wurden Sie von der Gastinstitution begrüßt?

Für einen guten Start an der Korea University wurde eine Orientation Week organisiert, die etwa eine Woche vor Semesterbeginn stattfand. Alle wichtigen Informationen erhielten wir bereits im Vorfeld per E-Mail und diese wurden während der Orientation nochmals ergänzt. Zusätzlich wurden alle Austauschstudierenden in sogenannte „KUBA“-Gruppen (Korea University Buddy Assistance) eingeteilt. Diese unterstützten uns während des Semesters bei organisatorischen Fragen und boten durch verschiedene Veranstaltungen und Treffen Möglichkeiten zum Austausch.

Über die Zimmer-/Wohnungssuche und Unterkunft.

Noch vor Semesterbeginn bestand die Möglichkeit, sich für einen Platz in den Studierendenwohnheimen zu bewerben. Die Vergabe erfolgte nach dem First-come-first-serve-Prinzip, wobei die Anmeldung aufgrund der Zeitverschiebung bereits um 4 Uhr morgens in Europa öffnete. Aufgrund der hohen Nachfrage erhielt ich keinen Platz im Wohnheim. Die Korea University unterstützte mich jedoch weiter und stellte mir Links zu Plattformen für die Wohnungssuche zur Verfügung. Ich entschied mich schließlich für ein Goshiwon in unmittelbarer Nähe der Universität. Dieses war zwar einfach ausgestattet, jedoch preiswert (ca. 270 € pro Monat) und verfügte über alles Notwendige wie Küche, Bad und Waschmaschinen. Besonders positiv waren die Gemeinschaftsbereiche, die den Austausch und das Kennenlernen anderer Studierender erleichterten.

Welche finanziellen Vorkehrungen haben Sie getroffen? Wie hoch waren die Lebenserhaltungskosten im Schnitt?

Die Lebenshaltungskosten in Korea sind insgesamt mit jenen in Österreich vergleichbar. Besonders auffällig sind jedoch die hohen Preise für Lebensmittel, vor allem für Obst und Gemüse, die deutlich teurer sind als in Österreich. Dieser Kostenpunkt macht sich im Alltag stark bemerkbar. Im Gegensatz dazu ist Essen in Restaurants im Vergleich zu Wien oft günstiger. An vielen Orten kann man bereits für unter 10 Euro eine sättigende und qualitativ hochwertige Mahlzeit inklusive Getränk erhalten. Meine monatlichen Ausgaben lagen inklusive Miete bei etwa 600 bis 800 Euro, ohne dass ich mich überwiegend von Instantgerichten ernähren musste.

Wie würden Sie das Land, die Kultur und die Freizeitaktivitäten beschreiben, die Sie während Ihres Auslandsaufenthaltes erlebt haben?

Korea, insbesondere Seoul, bietet eine besondere Mischung aus Tradition und Moderne. Historische Gebäude stehen direkt neben modernen Hochhäusern und Einkaufszentren. Dieser Kontrast prägt das Stadtbild und macht den Aufenthalt sehr abwechslungsreich. Besonders hervorzuheben ist das sehr gute Essen. Die koreanische Küche ist vielfältig, qualitativ hochwertig und im Alltag gut leistbar. In der Freizeit gab es viele Möglichkeiten, die Stadt zu erkunden, verschiedene Stadtviertel kennenzulernen sowie kulturelle und historische Sehenswürdigkeiten zu besuchen.

Wie würden Sie das Studium beschreiben?

Das Studium selbst war teilweise ein Hit oder Miss. Organisatorisch verlief jedoch alles problemlos. Die Professoren nutzten unterschiedliche Methoden zur Gestaltung ihrer Kurse, die insgesamt gut nachvollziehbar waren. Auch die Lernmethoden unterschieden sich stark, wobei einige effektiver waren als andere. Eine besonders interessante Methode war der vollständige Verzicht auf Technologie im Unterricht. Notizen durften weder auf Tablets noch auf Laptops gemacht werden. Stattdessen wurden für jede Einheit Arbeitsblätter mit Lückentexten verteilt und der Unterricht interaktiv gestaltet. Dies schuf ein angenehmes Lernumfeld, förderte die aktive Mitarbeit und erleichterte die Vorbereitung auf Prüfungen.

Haben Sie Tipps was noch zu beachten ist?

Um mögliche Probleme im Alltag zu vermeiden, eröffnete ich bereits vor meiner Ausreise ein Konto bei Revolut, um flexibel und weltweit bezahlen zu können. Damit hatte ich kaum Schwierigkeiten, sowohl beim Kartenzahlen als auch beim Abheben von Bargeld. Zusätzlich kaufte ich mir so früh wie möglich eine E-SIM, um jederzeit Internetzugang zu haben. Besonders empfehlenswert ist es, sich unmittelbar nach der Ankunft um die Alien Registration Card (ARC) zu kümmern. Diese ist essenziell, da man nur mit ihr aus Korea aus- und wieder einreisen kann, ohne das Visum zu verlieren.

Welche neuen Fähigkeiten und Qualitäten haben Sie erworben?

Während meines Auslandssemesters an der Korea University verbesserte ich vor allem meine Sprachkenntnisse. Durch das Studium auf Englisch wurde ich sicherer im mündlichen und schriftlichen Ausdruck. Zusätzlich belegte ich einen Koreanisch-Kurs, in dem ich grundlegende Kenntnisse erwarb und motiviert wurde, die Sprache weiterzulernen. Der Kontakt mit Studierenden aus verschiedenen Ländern stärkte meine interkulturellen Fähigkeiten. Außerdem förderte das Leben und Studieren im Ausland meine Selbstständigkeit, Flexibilität und Anpassungsfähigkeit.

Wie haben sich Ihre Werte und Einstellungen durch Ihren Auslandsaufenthalt verändert?

Der Auslandsaufenthalt hat meine Offenheit gegenüber anderen Kulturen deutlich gestärkt. Ich habe gelernt, mich auf neue Situationen einzulassen und unterschiedliche Sichtweisen zu akzeptieren. Gleichzeitig wurde ich selbstständiger und verantwortungsbewusster. Der Aufenthalt in Korea hat mir gezeigt, wie wichtig Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sind. Insgesamt hat das Auslandssemester meine persönliche Entwicklung gefördert und meine internationale Perspektive erweitert.

Was war im Rückblick die größte Herausforderung bei der Vorbereitung auf oder während Ihres Auslandsaufenthaltes?

Die größte Herausforderung während meines Auslandssemesters war der organisatorische Stress. Dieser kam zusätzlich zum regulären Prüfungsstress während des Semesters sowie zu Verpflichtungen am Technikum hinzu. Besonders die parallele Organisation von Studium, administrativen Aufgaben und Prüfungen stellte eine hohe Belastung dar und erforderte ein gutes Zeitmanagement.

Was war Ihre positivste Erfahrung während Ihres Auslandsaufenthaltes?

Die positivste Erfahrung waren für mich die KoYon Games. Zwischen der Korea University und der Yonsei University besteht eine freundschaftliche Rivalität, die durch verschiedene Sportveranstaltungen ausgetragen wird. Alle Studierenden konnten teilnehmen und ihr Team lautstark unterstützen. Die Korea University organisierte sogar eine Cheering-Orientation, bei der wir lernten, wie man das eigene Team zu bestimmten Liedern richtig anfeuert. Nach den Spielen wurden ganze Straßen rund um die Universitäten für den Verkehr gesperrt, und die Studierenden feierten gemeinsam die Siege. Bars und Restaurants beteiligten sich an den Feiern und verteilten teilweise kostenlose Getränke. Diese Events waren ein besonderes Erlebnis und boten eine großartige Gelegenheit, gemeinsam zu feiern, neue Kontakte zu knüpfen und Teil der Universitätsgemeinschaft zu sein.