Ricarda

  • BSc Biomedical Engineering
  • Prag, Tschechien
  • Auslandssemester
  • Czech Technical University
  • Wintersemester 2025/2026
Eine gotische Kathedrale mit hohen Türmen und kunstvollen Details ist nachts dramatisch beleuchtet, umgeben von einem dunstigen, nebligen Himmel. Das steinerne Äußere des Gebäudes und die spitzen Bögen stechen hervor, und an der Basis leuchten Lichter.
Wie haben Sie sich auf Ihren Auslandsaufenthalt vorbereitet? Welche praktischen Vorkehrungen haben Sie vor dem Austausch getroffen? 

Vor meinem Auslandsaufenthalt habe ich mich mit den kulturellen Gepflogenheiten und dem System der Gastuniversität auseinandergesetzt. Außerdem habe ich mich frühzeitig über das Kursangebot informiert und klärte die Anerkennung mit meiner Heimuniversität. Die Informationen erhielt ich einerseits über die Website der Partnerhochschule und andererseits durch den Austausch mit ehemaligen Auslandsstudierenden. Organisatorisch habe ich mich rechtzeitig um Bewerbung, Finanzierung und Unterkunft gekümmert. Da ich nicht im Studierendenwohnheim wohnen wollte, nahm die Suche nach einer Alternative mehr Zeit in Anspruch. Für zukünftige Studierende empfehle ich, früh mit der Planung zu beginnen und die Fristen im Auge zu behalten.

Wie wurden Sie von der Gastinstitution begrüßt?

Noch vor Beginn der ersten Vorlesungswoche gab es eine Informationsveranstaltung des Erasmus-Teams, bei der wir wichtige Informationen zur Universität und zu organisatorischen Abläufen erhielten. Außerdem wurden Kennenlernveranstaltungen und andere Events organisiert, die den Austausch unter den Studierenden erleichterten und den Einstieg angenehmer machten. Zu Semesterbeginn wurde auch eine eigene Lehreinheit angeboten, in der uns das Anmeldeverfahren für Lehrveranstaltungen sowie das Online-Universitätssystem erklärt wurden, über das Stundenplan, Kurse und Noten verwaltet werden. Zusätzlich hätte ich mir im Vorfeld die Information gewünscht, dass sich das Institut für Biomedical Engineering nicht direkt in Prag, sondern in einem nahegelegenen Nebenort befindet. Dadurch war der Ticketkauf für die öffentlichen Verkehrsmittel etwas komplizierter, da ein anderes bzw. erweitertes Ticket benötigt wurde. Das wurde in der Informationsveranstaltung nicht erwähnt.

Wie war das Studium an der Gasthochschule?

Die CTU in Prag hat vor allem organisatorisch Verbesserungsbedarf. Wichtige Informationen zu Lehrinhalten und Prüfungen wurden über eine separate Website bereitgestellt, die nur im Browser zugänglich war und nicht schnell zu erreichen war. Auch das System für Kursanmeldung, Stundenplan und Noten konnte ausschließlich online und nur mit Zwei-Faktor-Authentifizierung genutzt werden, wodurch ein schneller Zugriff erschwert wurde. Außerdem waren die Informationen zu den Kursen teilweise unvollständig oder nicht mehr aktuell. Die Lehrinhalte selbst waren qualitativ gut, und die ProfessorInnen bemühten sich sehr, den Stoff trotz gelegentlicher Sprachbarrieren verständlich zu vermitteln.

Wie würden Sie das Land, die Kultur und die Freizeitaktivitäten beschreiben, die Sie während Ihres Auslandsaufenthaltes erlebt haben?

Das Land und die Kultur unterscheiden sich nicht stark von Österreich, weshalb mir die Eingewöhnung sehr leichtfiel. Die Alltagsgewohnheiten und gesellschaftliche Strukturen sind nahezu ident, wodurch ich mich schnell zurechtgefunden habe. Prag hat vielfältige Freizeitmöglichkeiten. Durch das Leben direkt in der Stadt gab es viele kulturelle Angebote, Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungen. Außerdem hat Prag viele leistbare Bars und Lokale, was das Zusammensitzen mit FreundInnen und das soziale Leben sehr angenehm und unkompliziert machte.

Über die Zimmer-/Wohnungssuche und Unterkunft

Obwohl die Gastuniversität eine Liste mit Studierendenwohnheimen zur Verfügung stellte, entschied ich mich bewusst gegen ein Wohnheim und organisierte meine Unterkunft selbstständig. Die Wohnungssuche erfolgte eigenständig über Online-Plattformen. Meine Wohnung war voll möbliert und gut ausgestattet. Neben den grundlegenden Möbeln wurden auch Bettwäsche, Küchenutensilien, Handtücher sowie eine Waschmaschine bereitgestellt, was den Einzug sehr unkompliziert machte. Aufgrund dieser umfassenden Ausstattung und der Lage war die Miete jedoch vergleichsweise hoch, sodass das Erasmus-Stipendium die monatlichen Kosten nicht vollständig decken konnte.

Welche finanziellen Vorkehrungen haben Sie getroffen? Wie hoch waren die Lebenserhaltungskosten im Schnitt?

Vor meinem Auslandsaufenthalt stellte ich sicher, dass ich ausreichende finanzielle Reserven habe, um unvorhergesehene Ausgaben abdecken zu können, da das Erasmus-Stipendium nicht alle Kosten deckt.
Für die Unterkunft zahlte ich monatlich etwa 700€. Die Ausgaben für Verpflegung beliefen sich durchschnittlich auf rund 50€ pro Monat. Für öffentliche Verkehrsmittel gab ich im gesamten Semester (ca. sechs Monate) etwa 130€ aus. Die Freizeitkosten hielten sich in Grenzen, da der Studienaufwand relativ hoch war und dadurch weniger Zeit für kostenintensive Aktivitäten blieb.

Haben Sie Tipps was noch zu beachten ist?

Ich empfehle, sich bereits vor der Anreise mit dem öffentlichen Verkehrssystem vertraut zu machen und gegebenenfalls die passende App herunterzuladen, um Tickets unkompliziert kaufen zu können. Außerdem sollte man nicht davon ausgehen, dass alle (vor allem ältere Personen) gut Englisch sprechen, weshalb grundlegende Kenntnisse der Landessprache oder eine Übersetzer-App hilfreich sein können.
Außerdem würde ich empfehlen, an Erasmus-Events teilzunehmen, um Kontakte zu knüpfen, soziale Netzwerke aufzubauen und eventuell auch Einheimische kennenzulernen, die wertvolle Tipps zum Studium und Alltag geben können.

Welche neuen Fähigkeiten und Qualitäten haben Sie erworben? 

Während meines Auslandssemesters konnte ich meine Englischkenntnisse deutlich verbessern und habe mehr Selbstbewusstsein mit der Sprache bekommen, da Englisch sowohl im Studium als auch im Alltag die Hauptkommunikationssprache war. Außerdem habe ich fachliche Kenntnisse erworben, insbesondere durch die Kurse des 5. Semesters, die mich sehr gefordert haben, obwohl ich das Auslandssemester erst im 3. Semester absolvierte. Außerdem habe ich meine sozialen Fähigkeiten gestärkt, da ich mich in einem neuen Umfeld zurechtfinden und Kontakte zu internationalen Studierenden knüpfen musste.

Wie haben sich Ihre Werte und Einstellungen während Ihres Auslandsaufenthaltes verändert?

Durch den Auslandsaufenthalt wurde ich offener gegenüber anderen Kulturen. Weiters habe ich gelernt, selbständiger zu sein und mit neuen Situationen besser klarzukommen. Außerdem ist mir bewusst geworden, wie wichtig der Kontakt zu Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen ist, um sich selbst weiterzuentwickeln.

Was war im Rückblick die größte Herausforderung bei der Vorbereitung auf oder während Ihres Auslandsaufenthaltes? 

Die Unterkunftssuche außerhalb eines Wohnheims hat viel Eigeninitiative gebraucht, und die Miete konnte nicht vollständig durch das Erasmus-Stipendium gedeckt werden. Auch die Nutzung der Online-Systeme der Universität war teilweise umständlich durch die bereits genannten Gründe. Zusätzlich musste ich mich auf die sprachlichen Unterschiede im Alltag einstellen, da nicht alle Personen gut Englisch sprachen.

Was war Ihre positivste Erfahrung während Ihres Auslandsaufenthaltes?

Meine positivste Erfahrung war das Leben direkt in Prag, wodurch mir viele Freizeitaktivitäten geboten wurden. Besonders bereichernd war der Austausch mit internationalen Studierenden und die Teilnahme an Erasmus-Events, wodurch ich schnell Anschluss fand und neue Freundschaften schließen konnte. Auch das Studium selbst war sehr lehrreich, da ich in herausfordernden Kursen fachlich viel dazulernen konnte und meine Englischkenntnisse deutlich verbessert habe.