Kajetan
- BSc Elektronik
- Taipei, Taiwan
- Auslandssemester
- National Taiwan University of Science and Technology
- Wintersemester 2025/2026

Wie haben Sie sich auf Ihren Auslandsaufenthalt vorbereitet?
Ich habe zunächst die Vorbereitungsveranstaltungen des International Office besucht dort bekommt man einen guten Überblick, welche Schritte tatsächlich notwendig sind – und vor allem, welche nicht. Deadlines früh im Blick behalten, da diese teils früher liegen als erwartet. Wichtig: Das Semester an der NTUST beginnt im Herbst bereits Anfang September, also gut zwei bis drei Wochen früher als in Wien – das bedeutet, man muss früh buchen. Mein wichtigster Rat an zukünftige Outgoing-Studierende: Macht euch nicht verrückt mit der Vorbereitung. Ich habe im Nachhinein betrachtet für viele Dinge Zeit und Geld investiert, die völlig unnötig waren. Lasst euch nicht von zu viel Bürokratie abschrecken und vertraut darauf, dass sich vieles vor Ort unkomplizierter löst als erwartet.
Welche praktischen Vorkehrungen haben Sie vor dem Austausch getroffen?
Reiseversicherung habe ich beim ÖAMTC abgeschlossen – dort reicht ein normaler Schutzbrief, mit dem man dann den Weltschutz aktivieren kann, der jeweils für drei Monate ab Reisebeginn gilt. Man zahlt vorab ca. 5 € pro geplantem zusätzlichem Aufenthaltstag und kann nicht genutzte Tage nach der Rückkehr problemlos zurückfordern – sehr faire Regelung. Beim selben ÖAMTC-Besuch habe ich gleich einen internationalen Führerschein beantragt, was ich nur empfehlen kann: In Ländern ohne entsprechendes Abkommen kommt man damit trotzdem oft einfacher an ein Fahrzeug – das hat sich bestätigt. Ein Studentenvisum habe ich bei der Botschaft beantragt – im Nachhinein war das komplett unnötig und reine Geldverschwendung. Mit dem österreichischen Pass bekommt man bei der Einreise in Taiwan automatisch 90 Tage Aufenthalt, das Visum wurde bei der Einwanderungsbehörde schlicht ignoriert. Tipp: Kein Visum beantragen, wenn der Pass stark genug ist. Für die Unterkunft habe ich im Vorhinein 1 Monat gebucht.
Wie wurden Sie von der Gastinstitution begrüßt?
Die NTUs (NTU, NTUST, NTUNU, uvm.) haben einen sehr gut organisierten Welcome Day für internationale Studierende. Es gibt eine offizielle Begrüßungsveranstaltung, bei der man alle wichtigen administrativen Schritte abwickelt – Besonders praktisch: Direkt beim Welcome-Programm wird ein Röntgen auf Tuberkulose angeboten, für umgerechnet ca. 5 Euro. In Europa kostet das ein Vielfaches und ist deutlich umständlicher – also einfach vor Ort machen. Informationen in den ersten Wochen gab es grundsätzlich ausreichend, allerdings ist vieles an den Unis schlecht ins Englische übersetzt, was gelegentlich zu Verwirrung führt. Ich habe den Welcome Day aktiv genutzt, um sofort Menschen kennenzulernen. Noch am ersten Tag habe ich eine DACH-Gruppe für deutschsprachige Studierende in Taiwan gegründet – innerhalb weniger Stunden hatten wir hunderte Leute. Hilft sehr gut dabei den Deutschsprachigen aus dem Weg zu gehen. Sucht euch lokale Freunde! Und auch keine Europäer, das kann man echt daheim machen.
Über die Zimmer-/Wohnungssuche und Unterkunft.
Für den ersten Monat habe ich ein Kapselhotel in Taipei gebucht. In Asien sind Kapselhotels die beste Wohnform – mit etwas Suche findet man sehr komfortable Optionen zu fairen Preisen. Man teilt die Klimaanlage und die Gemeinschaftsbereiche mit anderen Gästen, die kümmern sich eh nur um sich selbst, hat sich erstaunlich schnell als angenehm herausgestellt. Wer damit leben kann, wird merken, dass es die beste, unkomplizierteste und günstige Art zu leben ist. Am besten ein modernes, zentral, gut angebunden, mit MRT-Stationen in unmittelbarer Nähe. Nachtmärkte, Restaurants und Supermärkte. Insgesamt sind die Wohnkosten in Taipei im Vergleich zu Wien ca 150% also wesentlich höher. Und wenn man sieht wo die nähersten 7 Freunde aus Europa leben, dann bleibt man so wie ich die gesamten Monate in einem Kapsel-“Hotel”. Tipp: Manchmal bieten Kapselhotels Kapselräume für längerfristige Gäste an. Die haben dann Fenster in jeder Kapseln, einen versperrbaren Schrank, eine eigene Ebene.
Welche finanziellen Vorkehrungen haben Sie getroffen? Wie hoch waren die Lebenserhaltungskosten im Schnitt?
Die beste finanzielle Entscheidung für den Aufenthalt war das Upgrade meines Revolut-Kontos auf den Ultra-Plan (ca. 60 € pro Monat). Das klingt nach viel, rentiert sich aber klar doppelt: Inklusive sind kostenlose Bargeldabhebungen bis 2.000 € monatlich, keine Auslandstransaktionsgebühren beim Zahlen, 3 GB globales Datenroaming monatlich, VPN-Zugang (in Asien absolut essenziell, sowie Zugang zu Flughafen-Lounges und viel mehr. In Asien – mit Ausnahme des chinesischen Festlands – braucht man zwingend regelmäßig Bargeld. Mit einer sehr guten österreichischen Bankkarte zahlt man pro Abhebung gut 10 €, was sich schnell summiert. Die allgemeinen Lebenshaltungskosten (exkl. Rent) in Taipei sind deutlich günstiger als in Wien: Essen an Nachtmärkten oder lokalen Restaurants kostet oft 5-7 €, öffentliche Verkehrsmittel sind günstig und zuverlässig. Mit ca. 900–1200 € monatlich kommt man sehr gut aus. Finanziert habe ich den Aufenthalt über Ersparnisse sowie die Erasmus+ Förderung.
Wie würden Sie das Land, die Kultur und die Freizeitaktivitäten beschreiben, die Sie während Ihres Auslandsaufenthaltes erlebt haben?
Taiwan hat mich wirklich überrascht – es ist ein unglaublich vielfältiges Land, das in Europa massiv unterschätzt wird. Taipei selbst ist eine lebendige, sichere Metropole mit fantastischem Street Food, riesigen Nachtmärkten, einer Mischung aus moderner Urbanität und traditioneller chinesischer Kultur. Die Taiwanesen sind offen, herzlich und sehr gastfreundlich gegenüber Ausländern. Lokale Freundschaften entstehen am leichtesten in Studentenbars, beim Karaoke, in Clubs oder bei sportlichen Aktivitäten wie Wandern, Basketball oder Schwimmen. Highlight meiner Freizeit war eine Zugreise die gesamte Ostküste Taiwans entlang mit meinem schwedischen Kommilitonen – atemberaubende Landschaft, kaum Touristen – mit einer Speedboot-Fahrt zu einer Insel mit Ureinwohnern. Außerdem haben wir einen spontanen Wochenendtrip nach Okinawa, Japan, gemacht. Die Kombination aus Stadtleben, Natur, Kultur und den unzähligen Möglichkeiten für Ausflüge macht Taiwan zum perfekten Hub.
Wie würden Sie das Studium beschreiben?
Das Studium an der NTUST war inhaltlich interessant, erfordert aber Anpassungsfähigkeit und eine gute Portion Geduld mit dem System. Die Kursanmeldung ist für internationale Studierende eine administrative Herausforderung: Vieles ist fehlerhaft oder unvollständig ins Englische übersetzt, Kurse werden teils vom Professor auf Chinesisch abgehalten, sobald nur ein Austauschstudent im Raum sitzt. Mein Tipp: Lieber zu viele Kurse belegen und nach der ersten Woche die ungeeigneten droppen – das ist gängige Praxis und absolut akzeptiert. Das Technikum verlangt im Vergleich zu anderen europäischen Hochschulen auffallend wenig: ca. 12 Credits genügen, und der Sprachkurs ist nicht verpflichtend. Ich habe trotzdem freiwillig den Mandarinkurs besucht für den man automatisch eingeschrieben wird, hab dann aufgewertet zum fortgeschrittenen – ohne jegliche Vorkenntnisse – und ihn bestanden. Es hat mir enorm geholfen. Lehrmethoden unterscheiden sich von Europa: etwas weniger kontinuierliche Beurteilung.
Haben Sie Tipps was noch zu beachten ist?
Weniger ist mehr bei der Vorbereitung. Erledigt vor der Abreise nur das wirklich Notwendige – was das International Office verlangt, ärztliche Untersuchungen die vorgeschrieben sind, und eine gute Reiseversicherung. Den Rest klärt ihr vor Ort deutlich einfacher und günstiger. Kein Studentenvisum für Taiwan beantragen – mit österreichischem Pass erhält man 90 Tage automatisch. Statt das Visum im Land zu verlängern, einfach einen günstigen Wochenendflug nach Okinawa oder HK buchen – kostet oft weniger als die Verlängerung und ist gleichzeitig ein tolles Erlebnis. Finanzen klären. Internationaler Führerschein beim ÖAMTC holen – kostet wenig und kann sich lohnen. Am Welcome Day sofort aktiv auf Menschen zugehen, aber dann auch bewusst die DACH-und Europa-Bubble verlassen und lokale Kontakte suchen – das ist der echte besser. Mandarinkurs belegen, auch ohne Vorkenntnisse. Und: Nur das Minimum an Credits belegen und sich den Rest der Zeit für Erlebnisse reservieren.
Welche neuen Fähigkeiten und Qualitäten haben Sie erworben?
Sprachlich habe ich durch den Mandarinkurs eine solide Grundlage aufgebaut, die mir im Alltag und beim Knüpfen lokaler Kontakte sehr geholfen hat. Interkulturell habe ich enorm viel mitgenommen: Ich verstehe jetzt deutlich besser, wie unterschiedlich Bildungssysteme, soziale Normen und Kommunikationsstile zwischen asiatischen und europäischen Kulturen sein können. Mein internationales Netzwerk hat sich massiv erweitert – Freunde in Taiwan, Japan, Schweden, Frankreich und weiteren Ländern, von denen ich viele bereits nach meiner Rückkehr wieder getroffen habe. Fachlich konnte ich im BsC durch das Semester bereits ein IEEE-Paper schreiben. Und aus einer anderen akademischen Perspektive erleben, was neue Denkanstöße gebracht hat. Am deutlichsten gewachsen bin ich aber in Eigenorganisation und Selbstständigkeit: Man lernt schnell, sich in einem fremden System zurechtzufinden, wenn man auf sich alleine gestellt ist. Diese Fähigkeit lernt man in keinem Seminar in Wien.
Wie haben sich Ihre Werte und Einstellungen durch Ihren Auslandsaufenthalt verändert?
Asien hat mein Weltbild verändert. Ich bin ein offener Mensch, aber diese Zeit hat mir nochmal klar gezeigt, wie viel reicher das Leben wird, wenn man wirklich auf Menschen zugeht und Komfortzonen konsequent verlässt. Die Gastfreundschaft der Taiwanesen ist etwas, das ich so aus Europa nicht kenne – man wird dort als Fremder schnell Teil einer Gemeinschaft, wenn man es zulässt, man teilt Kultur und wird offen empfangen. Meine Einstellung zu Minimalismus hat sich verstärkt: Man sieht in Asien sehr schnell, dass man mit sehr wenig sehr gut und reich leben kann. Die Effizienz des öffentlichen Lebens und die Sicherheit in Asien haben mich kritischer gegenüber Europäischen Standards gemacht – in den meisten Bereichen hinken wir weit hinterher, auch wenn wir das nicht glauben. Insgesamt bin ich mit einem deutlich globaleren Blick zurückgekehrt. Es hat mir gezeigt wie wichtig die rechte Seite der Politik ist und wie schön es ist, seine Kultur zu bewahren und mit anderen zu teilen.
Was war im Rückblick die größte Herausforderung bei der Vorbereitung auf oder während Ihres Auslandsaufenthaltes?
Die größte Herausforderung war die Kursbelegung zu Beginn. Das System an der NTUST ist für internationale Studierende alles andere als intuitiv – vieles ist fehlerhaft übersetzt, Kurse werden kurzfristig geändert oder auf Chinesisch abgehalten, obwohl sie als englischsprachig ausgeschrieben waren. Dazu kommt, dass die vorgeschlagenen Kurse nicht existieren, Chaos. Ich habe letztendlich deutlich mehr Kurse belegt als notwendig, was zeitaufwändig war und den Fokus vom Eigentlichen abgelenkt hat. Die klare Empfehlung: Nur die nötigsten Credits sichern und den Rest für echte Erfahrungen nutzen. Eine weitere Herausforderung war die Überorganisation vor der Abreise – ich habe für Dinge wie das Studentenvisum und andere bürokratische Schritte Zeit und Geld investiert, die sich im Nachhinein als unnötig herausgestellt haben. Wer dies liest, der macht dann hoffentlich nicht die gleichen Fehler. Die Website für den Erfahrungsbericht ist eine Katastrophe, ich schreibe ihn zum 2. mal 3h für nix.
Was war Ihre positivste Erfahrung während Ihres Auslandsaufenthaltes?
Die Zug-Reise entlang der Ostküste Taiwans mit meinem schwedischen Kommilitonen – eine atemberaubende Landschaft, keine Touristen, alte Städte mit enormem Charme darauf eine mehrstündige Fahrt mit einem Speedboot zu einer Indigenen Insel, die fahrt mit den Scooter um die Insel, die Schnorchelgänge in hunderte Jahren unberührten Riffs. Dazu kommt der spontane Wochenendtrips nach Okinawa für unkomplizierte Visumsverlängerung. Aber auch die vielen kleinen Momente zählen: Karaoke um Mitternacht mit Taiwanesen, Nachtmärkte, Gespräche mit Professoren in einer Bar, der erste Abend im Kapselhotel, die Schatten die wir bei der Atom-Müll-Lagerstätte gesehen haben, die Reisen nach Shanghai, nach Tokyo, Leute von überall auf der Welt sammeln sich dort in Taipei alles scheint so nah. Die einzigartige Mischung aus akademischem Austausch und spontanen Abenteuern und den unzähligen Menschen, die ich kennenlernen durfte.
In diesem Land machen Japaner und Koreaner für das Essen Urlaub, das heißt etwas!

