Pirmin
- BSc Maschinenbau
- Stellenbosch, Südafrika
- Auslandssemester
- Stellenbosch University
- Wintersemester 2025/2026

Wie haben Sie sich auf Ihren Auslandsaufenthalt vorbereitet?
Nachdem ich mich beworben hatte, musste ich die Kurse im Kurskalender auswählen. Dabei ist wichtig zu wissen, dass zwei Credits einem ECTS entsprechen.
Passende Kurse zu finden ist allerdings nicht ganz einfach, da es sich um einen vierjährigen Studiengang handelt und sich das akademische System grundlegend von unserem unterscheidet. Die Kurse sind deutlich umfangreicher (meist 16 Credits, also 8 ECTS pro Kurs) und zudem entspricht das Wintersemester in Österreich dem Sommersemester in Südafrika.
Ich empfehle daher dringend, frühzeitig das Gespräch mit der Studiengangsleitung zu suchen, um gemeinsam zu klären, welche Kurse inhaltlich und formal wirklich anerkannt werden können.
Welche praktischen Vorkehrungen haben Sie vor dem Austausch getroffen?
Sobald ich das grüne Licht von meiner Heimatuniversität erhalten hatte, habe ich Kontakt mit der Gastuniversität aufgenommen. Nachdem ich dort angenommen worden war und die Studienbestätigung erhalten hatte, musste ich mich zunächst um eine Krankenversicherung, eine geeignete Wohngelegenheit sowie um die Flugbuchung kümmern, bevor ich das Visum beantragen konnte.
Für das Studium benötigt man ein Study Visa. Der Visumsprozess kann bis zu acht Wochen dauern; in meinem Fall hat er jedoch nur vier Wochen in Anspruch genommen.
Wie wurden Sie von der Gastinstitution begrüßt?
Ich wurde gebeten, eine Woche früher anzureisen. Die Universität organisiert ein Willkommensprogramm, um die Austauschstudierenden zu begrüßen. Jeden Tag finden Informationsveranstaltungen zu allen wichtigen und zu beachtenden Themen statt. Zusätzlich zeigen Studierende, die am Matie Buddy-Programm teilnehmen, den Campus im Rahmen von geführten Touren.
Wenn man sich für das Programm anmeldet, bekommt man einen Matie Buddy, der dafür zuständig ist, einem beim Ankommen und beim Knüpfen sozialer Kontakte zu helfen.
Ein Nachteil ist jedoch, dass studiengangsspezifische Informationen nicht vermittelt werden. Wie der eigene Studiengang genau funktioniert, muss man sich selbst erschließen, da jede Fakultät etwas anders organisiert ist. Das Studium erfordert daher kontinuierliche, tägliche Vorbereitung und Eigeninitiative. Anders als im europäischen System ist es nicht möglich, erst kurz vor der Prüfungsphase intensiv zu lernen, da diese Zeit hier schlicht nicht zur Verfügung steht.
Über die Zimmer-/Wohnungssuche und Unterkunft.
Die Wohnungssuche war für mich relativ einfach, da die Universität selbst Wohnmöglichkeiten anbietet. Dazu gehören unter anderem Concordia und Academia. Die verfügbaren Plätze sind zwar limitiert, aber wenn man sich frühzeitig anmeldet, sollte man problemlos ein Zimmer bekommen.
Ich hatte ein kleines Zimmer in Concordia und habe mir die Wohnung mit zwei Mitbewohnern aus Simbabwe geteilt. Beide waren sehr unkompliziert. Fast jeden Tag kommt eine Putzkraft, sodass es stets sauber war. Die Wohnung selbst war zwar nicht besonders schön, lag dafür aber nah am Engineering Building und hat ihren Zweck erfüllt.
Die Miete betrug umgerechnet ca. 400 Euro pro Monat. Wenn man sich jedoch selbst nach einer Wohnung umsieht, kann man nicht nur günstiger, sondern oft auch deutlich schöner wohnen. Rückblickend hätte ich mich nach einem WG-Haus umgesehen. Ich kenne einige Austauschstudierende, die so gewohnt haben – häufig mit Garten, Pool und guter Ausstattung.
Welche finanziellen Vorkehrungen haben Sie getroffen? Wie hoch waren die Lebenserhaltungskosten im Schnitt?
Stellenbosch ist insgesamt kein günstiger Ort. Die Mietpreise sind häufig mit denen in Wien vergleichbar; die meisten Austauschstudierenden haben über 500 Euro pro Monat für ihre Unterkunft gezahlt. Auch Mobilfunkverträge sind etwas teurer, und häufig muss man den Strom selbst bezahlen, der hier ebenfalls teurer ist als in Wien.
Lebensmittel und Alkohol sind hingegen deutlich günstiger – etwa halb so teuer wie in Österreich. Für rund 3 Euro bekommt man zum Beispiel eine Bowl, die ich fast täglich gegessen habe.
Der Transport erfolgt meist zu Fuß oder mit Uber, was hier relativ günstig ist. Die Stadt ist klein und insgesamt sehr fußgängerfreundlich.
Insgesamt würde ich sagen, dass man mit etwa 1.000 Euro pro Monat in Stellenbosch sehr gut leben kann – sogar dann, wenn man nicht selbst kocht, putzt oder einkaufen geht.
Wie würden Sie das Land, die Kultur und die Freizeitaktivitäten beschreiben, die Sie während Ihres Auslandsaufenthaltes erlebt haben?
Die Natur rund um Stellenbosch ist beeindruckend schön. Die Stadt ist von Bergen umgeben, und den Hausberg, den Stellenbosch Mountain, konnte ich direkt von meiner Residence aus sehen. Zahlreiche Wanderungen, Mountainbike-Trails und Wine Farms sind schnell erreichbar, der nächste Strand liegt etwa 30 Minuten mit dem Auto entfernt.
Neben dem Studium blieb mir leider nur wenig Zeit für Outdoor-Aktivitäten, dennoch war ich einige Male wandern und am Strand.
Die Studierenden vor Ort sind sehr offen gegenüber internationalen Studierenden. Wenn man sich auf die Locals einlässt, findet man schnell Anschluss. Südafrika ist ein multikulturelles Land, in dem die Nachwirkungen der Apartheid bis heute sichtbar sind. Weiße, Coloured- und schwarze Communities prägen weiterhin das gesellschaftliche Bild. Je nachdem, in welcher Community man sich bewegt, erhält man unterschiedliche Perspektiven auf das Land.
Wie würden Sie das Studium beschreiben?
Die Kursinhalte sind vom Schwierigkeitsgrad her mit europäischen Universitäten vergleichbar, die Workload ist jedoch deutlich höher. Es wird erwartet, dass man sich viele Inhalte selbstständig erarbeitet, was sehr zeitaufwendig ist.
Pro Fach gibt es zwei Klausuren (A1 und A2); bei weniger als 50 % muss eine A3-Klausur geschrieben werden. Alle A1-Klausuren finden in einer Woche statt, was zu hohem Stress führt.
Man sollte darauf eingestellt sein, das gesamte Semester über täglich zu lernen. Zusätzlich gibt es viel Projektarbeit, deren Umfang nicht zu unterschätzen ist. Positiv ist, dass sich Engineering-Studierende gegenseitig unterstützen, weshalb es wichtig ist, früh Anschluss zu finden.
Haben Sie Tipps was noch zu beachten ist?
Wählt eure Kurse strategisch, um euch das Leben nicht unnötig schwer zu machen. Ich habe ausschließlich Kurse aus dem sechsten Semester belegt, die alle sehr anspruchsvoll waren – nicht
nur für mich. Wenn möglich, solltet ihr auch Kurse aus dem zweiten Studienjahr wählen, da diese meist etwas leichter sind. Ich kenne einige Studierende, die das Semester nicht geschafft haben.
Welche neuen Fähigkeiten und Qualitäten haben Sie erworben?
Ich würde behaupten, dass ich heute deutlich selbstbewusster auf Menschen zugehen kann und es mir inzwischen egal ist, ob ich Englisch oder Deutsch spreche. Zudem habe ich gelernt, meinen Alltag besser zu strukturieren, mich schnell an ein neues System, eine neue Kultur und ein neues Umfeld anzupassen.
Fachlich habe ich mich ebenfalls weiterentwickelt: Ich habe meine Kenntnisse in Matlab deutlich verbessert, Inventor als neues CAD-Programm erlernt und mich an neue Standards und Einheiten gewöhnt. Außerdem habe ich gelernt, mich fachlich sicher auf Englisch auszudrücken.
Wie haben sich Ihre Werte und Einstellungen durch Ihren Auslandsaufenthalt verändert?
Durch den Aufenthalt in einem außereuropäischen Umfeld habe ich neue Perspektiven gewonnen. Ich würde sagen, dass ich heute eine globalere Einstellung habe und sowohl kulturelles als auch sozioökonomisches Wissen über Südafrika – und teilweise auch über die afrikanische Diaspora – entwickeln konnte. Insgesamt hat mich der Austausch darin bestärkt, eine internationale Karriere anzustreben.
Was war im Rückblick die größte Herausforderung bei der Vorbereitung auf oder während Ihres Auslandsaufenthaltes?
Die größte Herausforderung war die Anpassung an das neue System sowie die Tagesplanung und die Balance zwischen Studium und Freizeit. Rückblickend kann ich sagen, dass ich dies zu Beginn nicht besonders gut gemeistert habe, jedoch nach und nach deutliche Fortschritte mache konnte.
Was war Ihre positivste Erfahrung während Ihres Auslandsaufenthaltes?
Sozial habe ich mich dank der großen Offenheit der südafrikanischen Menschen recht leicht zurechtgefunden. Leider konnte ich aufgrund des intensiven Studiums nicht alle Kontakte dauerhaft aufrechterhalten. Dennoch habe ich zwei sehr gute südafrikanische Freunde sowie eine Handvoll internationaler Freundschaften aus Belgien, den Niederlanden, Deutschland und Frankreich geschlossen.
Meine positivsten Erfahrungen standen in engem Zusammenhang mit diesen Bekanntschaften. Wenn ich ein persönliches Highlight hervorheben müsste, wäre es der Ausflug in den Kruger-Nationalpark während der Term-Pause im September.


