Massimo
- BSc Wirtschaftsinformatik
- Incheon, Südkorea
- Auslandssemester
- Inha University
- Wintersemester 2025/2026

Wie haben Sie sich auf Ihren Auslandsaufenthalt vorbereitet?
Ich habe online nach Erfahrungsberichten gesucht und auch Berichte von anderen Universitäten gefunden. Dabei habe ich geprüft, ob ich ein Visum benötige, welche Art von Visum erforderlich ist und wie ich dieses beantragen kann. Außerdem habe ich recherchiert, welche Zahlungsmethode ich im Ausland verwenden kann, ohne zusätzliche Gebühren zu bezahlen. Ich würde jedem Studierenden raten, sich bei der österreichischen Botschaft über das Studentenvisum zu informieren und nachzufragen, welche Anforderungen dafür erfüllt werden müssen.
Welche praktischen Vorkehrungen haben Sie vor dem Austausch getroffen?
Ich habe meinen Flug relativ spät gebucht, weshalb dieser auch teurer war. Ich empfehle daher dringend, bereits ein Jahr im Voraus ausreichend Geld zu sparen, da nicht alle Kosten durch das Erasmus-Programm gedeckt werden können.
Es ist wichtig, einen gültigen Reisepass zu besitzen, da man sonst kein Visum erhält. Ich empfehle, dass der Reisepass mindestens ein Jahr über den Beginn des Semesters hinaus gültig ist.
Zusätzlich empfehle ich, Apps wie KakaoTalk und Naver Map zu installieren, da Google Maps und WhatsApp in Südkorea kaum verwendet werden. Eine E-SIM-Karte sollte idealerweise bereits im Vorhinein gekauft oder alternativ direkt am Flughafen besorgt werden. Es besteht außerdem die Möglichkeit, Handyverträge für einen festgelegten Zeitraum abzuschließen, was ich ebenfalls empfehlen kann.
Sollte es finanziell möglich sein, den Flug mit eigenen Mitteln zu buchen, empfehle ich aus Komfortgründen einen Business-Class-Flug, da die Reisedauer bis zu 15 Stunden betragen kann.
Wie wurden Sie von der Gastinstitution begrüßt?
Kurz vor dem Start des Semesters haben wir eine Willkommens-E-Mail erhalten, in der ein Event am Campus beworben wurde. Etwa eine Woche vor Semesterbeginn fand dieses Event statt, bei dem man das Student Support Team kennenlernen und erste Kontakte knüpfen konnte. Grundsätzlich wird in den E-Mails der gesamte Ablauf sehr genau beschrieben und anschließend beim Event nochmals ausführlich erklärt. Während des Semesters gab es laufend Aktivitäten, an denen man teilnehmen konnte.
Über die Zimmer-/Wohnungssuche und Unterkunft.
Ich habe etwa 400 € pro Monat für eine Wohnung bezahlt, die von der Universität bzw. über einen Uni-Partner vermittelt wurde. Die Wohnung war nur mit dem Nötigsten ausgestattet, weshalb wir einige Utensilien wie Bügeleisen oder Staubsauger selbst besorgen mussten. Das Apartment lag rund 12 Minuten zu Fuß vom Campus entfernt und verfügte über eine Klimaanlage sowie eine Fußbodenheizung. Leider war das Gebäude sehr alt und in schlechtem Zustand, wodurch es auch zu Problemen mit Kakerlaken kam. Ich würde daher empfehlen, keine Unterkunft über die Universität zu nehmen, sondern selbstständig nach einer Wohnung, zum Beispiel über Airbnb, zu suchen. Für etwa 400 € findet man in Incheon und in Campusnähe deutlich bessere Unterkünfte. Alternativ besteht auch die Möglichkeit, in einem Dormitory direkt am Campus zu wohnen.
Welche finanziellen Vorkehrungen haben Sie getroffen? Wie hoch waren die Lebenserhaltungskosten im Schnitt?
Ich habe bereits etwa ein Jahr im Voraus begonnen, Geld für das Auslandssemester zu sparen und mir privat rund 8.000 € angespart, da mir bewusst war, dass die Erasmus-Förderung nicht alle Kosten abdecken würde. Zusätzlich habe ich Rücklagen für unerwartete Ausgaben eingeplant. Aufgrund einer speziellen Diät lagen meine monatlichen Lebenserhaltungskosten etwas höher als durchschnittlich und betrugen im Schnitt etwa 800 bis 1.000 Euro. In diesen Kosten waren Miete, Lebensmittel, Transport, Internet, Handyvertrag sowie Freizeitaktivitäten enthalten. Die tatsächlichen Ausgaben können je nach Lebensstil und individuellen Bedürfnissen variieren.
Wie würden Sie das Land, die Kultur und die Freizeitaktivitäten beschreiben, die Sie während Ihres Auslandsaufenthaltes erlebt haben?
Südkorea ist im Sommer sehr heiß und schwül, beinahe tropisch, mit einer Luftfeuchtigkeit von bis zu 98 %. Im Winter kann es hingegen sehr kalt werden, mit Temperaturen von bis zu etwa −14 Grad. Die Essenskultur ist äußerst vielfältig, jedoch oft sehr scharf und daher nicht für alle geeignet. Zudem sind viele Speisen überraschend süß. In Incheon, wo sich die Universität befindet, gibt es ein kleines Studentenviertel mit einigen Restaurants sowie Bars und Clubs, allerdings ist die Auswahl eher begrenzt. Für ein abwechslungsreicheres Nachtleben empfiehlt sich Seoul, insbesondere die Stadtteile Hongdae oder Itaewon. Am Campus stehen ein Fitnessstudio, ein Fußballplatz sowie Basketballplätze zur Verfügung, sodass sportliche Aktivitäten jederzeit möglich sind. Zusätzlich gibt es zahlreiche PC-Cafés, die besonders für Gamer attraktiv sind. Auch Cafés, Karaoke-Lokale und Spielhallen mit Gacha-Automaten sind weit verbreitet und bieten vielfältige Freizeitmöglichkeiten.
Wie würden Sie das Studium beschreiben?
Sehr anders als das, was wir aus Österreich kennen, ist vor allem der starke Leistungsdruck spürbar. In manchen Lehrveranstaltungen herrscht ein regelrechter Wettbewerb unter den Studierenden. Es gab Midterms und Final Exams, deren Gewichtung je nach Lehrveranstaltung unterschiedlich war. Die Lektorinnen und Lektoren sind sehr offen, hilfsbereit und besonders gegenüber Auslandsstudierenden sehr unterstützend. Sie stehen den Studierenden jederzeit für Fragen zur Verfügung. Der Studienalltag war geprägt von vielen Gruppen- und Semesterprojekten, gleichzeitig gab es jedoch eine sehr strenge Anwesenheitspflicht. Die vermittelten Inhalte sind sehr modern gestaltet, wenig in der Vergangenheit verankert, gut strukturiert und werden auf eine interessante und verständliche Weise vermittelt.
Haben Sie Tipps was noch zu beachten ist?
Eine verpflichtende Lehrveranstaltung ist „Basic Korean“. Besonders empfehlenswert ist der Kurs bei Professor Ko Ja Yeon, da dieser sehr gut aufgebaut ist. Vor dem Aufenthalt empfehle ich außerdem, eine Revolut-Karte zu beantragen, da viele EU-Studierende diese nutzen. Transaktionen sind gebührenfrei und Bargeld wird im Alltag kaum benötigt, da in Südkorea fast überall mit Karte bezahlt wird. Es ist hilfreich, sich bereits vorab einige grundlegende koreanische Wörter oder Hangul, die koreanische Schrift, anzusehen. Mülltrennung ist in Südkorea ein sehr wichtiges Thema, weshalb man sich darüber im Vorhinein informieren sollte. Nach der Ankunft empfehle ich, mit einem aktuellen Passfoto möglichst rasch das Immigration Office in Incheon aufzusuchen, um die ARC (Aufenthaltstitel) zu beantragen. Dies ist auch ohne Termin möglich und erleichtert das Reisen außerhalb Koreas.
Welche neuen Fähigkeiten und Qualitäten haben Sie erworben?
Ich habe während meines Aufenthalts ein wenig Koreanisch lernen können und verstehe die Sprache mittlerweile teilweise schon recht gut. Dadurch, dass ich hier zum ersten Mal alleine gelebt habe, bin ich deutlich reifer geworden und habe gelernt, offener gegenüber anderen Menschen und einer neuen Kultur zu sein. Ich habe gelernt, selbstständig mit Behörden, Wohnung und Finanzen umzugehen sowie Reisen, Termine und meinen Alltag eigenständig zu organisieren. Zudem habe ich einen besseren Umgang mit neuen Situationen und Stress entwickelt. Der Kontakt mit Studierenden aus verschiedenen Ländern hat mein Verständnis und meinen Respekt gegenüber anderen Kulturen vertieft und mir internationale Freundschaften ermöglicht. Das Auslandssemester hat außerdem meine Motivation für weitere Auslandsaufenthalte sowie für eine internationale berufliche Laufbahn gestärkt und mir mehr Sicherheit im Englischen und Koreanischen gegeben.
Wie haben sich Ihre Werte und Einstellungen durch Ihren Auslandsaufenthalt verändert?
Durch meinen Auslandsaufenthalt haben sich meine Werte und Einstellungen deutlich weiterentwickelt. Ich bin offener gegenüber anderen Kulturen, Lebensweisen und Denkansätzen geworden und begegne neuen Situationen mit mehr Verständnis und Gelassenheit. Der intensive Kontakt mit internationalen Studierenden hat mir gezeigt, wie unterschiedlich Perspektiven sein können, was meine Toleranz und mein Einfühlungsvermögen gestärkt hat. Zudem habe ich gelernt, Verantwortung für mich selbst zu übernehmen und Entscheidungen selbstständig zu treffen. Insgesamt hat mich der Aufenthalt darin bestärkt, offen für Veränderungen zu sein und neue Herausforderungen als persönliche und berufliche Weiterentwicklung zu sehen.
Was war im Rückblick die größte Herausforderung bei der Vorbereitung auf oder während Ihres Auslandsaufenthaltes?
Im Rückblick war die größte Herausforderung während meines Auslandsaufenthaltes meine Zöliakie, da ich mich in einem fremden Land mit einer sehr unterschiedlichen Esskultur zurechtfinden musste. Es war notwendig, geeignete glutenfreie Lebensmittel zu finden und meine Ernährung entsprechend anzupassen. Besonders zu Beginn erforderte dies viel Recherche, Planung und Eigeninitiative. Mit der Zeit lernte ich jedoch, geeignete Produkte und Restaurants zu identifizieren und besser mit der Situation umzugehen, wodurch sich der Alltag deutlich erleichterte
Was war Ihre positivste Erfahrung während Ihres Auslandsaufenthaltes?
Besonders positiv überrascht hat mich, wie zuvorkommend und hilfsbereit Koreanerinnen und Koreaner gegenüber internationalen Studierenden sind. Die Menschen sind sehr höflich, freundlich und respektvoll, was den Einstieg in den Alltag deutlich erleichtert hat. Auch die Kultur hat mich in vielerlei Hinsicht beeindruckt. Darüber hinaus war ich erstaunt, wie fortschrittlich Südkorea technisch aufgestellt ist. Schnelles und flächendeckendes Internet ist überall verfügbar, und viele digitale Abläufe sind wesentlich moderner und effizienter als in Österreich.
