Maryam
- BSc Wirtschaftsinformatik
- Taipei, Taiwan
- Auslandssemester
- National Taipei University of Technology
- Wintersemester 2025/2026

Wie haben Sie sich auf Ihren Auslandsaufenthalt vorbereitet?
Ich habe mir zuerst die Liste aller Partnerhochschulen angeschaut. Für mich war klar, dass ich ein Semester außerhalb der EU absolvieren möchte. Danach habe ich mir die restlichen Partnerhochschulen genauer angesehen und auch deren Webseiten besucht, um mir ein besseres Bild davon zu machen. Ebenfalls habe ich mir alte Kurskataloge angeschaut, um passende Kurse zu finden, und mich bei anderen Studierenden informiert, die bereits an derselben Universität waren.
Welche praktischen Vorkehrungen haben Sie vor dem Austausch getroffen?
Ich habe mir für 125 € ein (Multiple-Entry-)Visum bei der taiwanesischen Botschaft gekauft, da ich wusste, dass ich von dort aus auch in andere Länder reisen möchte. Ebenfalls habe ich einen Impfnachweis benötigt und ein Lungenröntgen durchführen lassen, welches sich im Nachhinein als unnötig erwiesen hat, da ich es vor Ort nochmals machen musste. Zusätzlich habe ich eine Reisekrankenversicherung abgeschlossen. Über Online-Webseiten habe ich ebenfalls nach Wohnungen gesucht. Als Letztes habe ich ein Hin- und Rückflugticket gebucht.
Wie wurden Sie von der Gastinstitution begrüßt?
Wir wurden alle bereits im Voraus in eine Line-Gruppe (ähnlich wie WhatsApp) hinzugefügt und haben dort alle notwendigen Informationen erhalten. Ebenfalls gab es eine Welcome-Party und jeder hat einen Student-Buddy bekommen, an den man sich bei Fragen wenden konnte. Eine Campus-Tour gab es leider nicht.
Über die Zimmer-/Wohnungssuche und Unterkunft.
Ich habe vorher versucht, mir online eine Wohnung zu organisieren, jedoch konnte ich bei niemandem den Vertrag online unterzeichnen. Daher musste ich meine Suche vor Ort fortsetzen, was mir im Nachhinein viele Probleme erspart hat, da sich die Wohnungen, die ich ursprünglich online nehmen wollte, als totaler Flop herausgestellt haben.
Ich habe über verschiedene Facebook-Gruppen Besichtigungstermine ausgemacht und schlussendlich eine Wohnung gefunden, mit der ich überaus zufrieden war. Sie war zwar in New Taipei, jedoch direkt an der ersten U-Bahn-Station. Ich war genau eine Minute von der U-Bahn entfernt, sodass ich in 15–20 Minuten bei der Uni war. Es gab viele Geschäfte in der Nähe, unter anderem auch einen Night Market.
Welche finanziellen Vorkehrungen haben Sie getroffen? Wie hoch waren die Lebenserhaltungskosten im Schnitt?
Ich habe die Erasmus-Förderung erhalten, zusätzlich ein Stipendium sowie eine Auslandsbeihilfe. Außerdem habe ich meine Ersparnisse mitgenommen. Die Kosten variieren sehr stark je nach Lebensstil. Es ist sehr üblich, auswärts zu essen, dementsprechend gibt es auch sehr günstige Alternativen. Ein Mittagessen kann von knapp unter zwei Euro bis etwa zehn oder zwölf Euro reichen.
Im Durchschnitt habe ich für den ganzen Tag etwa 10–15 € ausgegeben. Meine Miete betrug ca. 320 € inklusive Strom. Zusätzlich habe ich etwa 32 € für ein Monatsticket für alle öffentlichen Verkehrsmittel gezahlt. Für Freizeit (ohne diverse Reisen) habe ich durchschnittlich etwa 200–300 € im Monat ausgegeben. Insgesamt kommt man somit auf monatliche Kosten von etwa 1.000 €.
Wie würden Sie das Land, die Kultur und die Freizeitaktivitäten beschreiben, die Sie während Ihres Auslandsaufenthaltes erlebt haben?
Man kann in Taiwan sehr viel Unterschiedliches sehen und erleben. Von Städten mit Wolkenkratzern bis hin zu Gebirgen und Stränden ist alles dabei. Es gibt sehr viele Möglichkeiten, sich Taiwan anzusehen, besonders auch zahlreiche Wanderrouten. Zusätzlich gibt es eine große Auswahl an Freizeitaktivitäten wie Escape Rooms, Arcade-Hallen oder Workshops. Ich muss sagen, in Taipei wird einem nie wirklich langweilig.
Wie würden Sie das Studium beschreiben?
In den meisten Fächern gab es Gruppenarbeiten, die den Großteil der Note ausgemacht haben. Meistens bestand auch Anwesenheitspflicht. Außerdem wurde in vielen Fächern die Mitarbeit bewertet. Diese wurde meistens über die App “Zuvio” überprüft, indem man Fragen zu den behandelten Themen beantworten musste. Im Allgemeinen muss ich jedoch sagen, dass alles sehr gut machbar war und der Aufwand nicht allzu hoch war.
Haben Sie Tipps was noch zu beachten ist?
Bei der Wohnungssuche sollte man den Vertrag wirklich erst vor Ort unterschreiben, da die Wohnungen in den meisten Fällen anders aussehen als auf den Fotos. Außerdem kann man bei den Preisen oft verhandeln.
Zusätzlich gibt es vom Staat Taiwan eine Förderung, wenn man einen Chinesischkurs besucht. Man muss sich dafür jedoch früh genug anmelden. Andere Bekannte vor Ort (teilweise auch aus Wien, aber von anderen Universitäten) haben diese Information von ihrer Universität bekommen, was ich in meinem Fall sehr schade finde, da ich keine Informationen dazu erhalten habe und somit auch keine Förderung. Die Förderung betrug damals etwa 700 € pro Monat.
Außerdem empfehle ich, bereits im Voraus etwas Mandarin zu lernen, da viele Menschen dort kein Englisch sprechen und einfache Phrasen im Alltag sehr hilfreich sind.
Welche neuen Fähigkeiten und Qualitäten haben Sie erworben?
Ich habe ein wenig Chinesisch gelernt, sowohl durch den Kurs, den ich absolviert habe, als auch durch den allgemeinen Kontakt mit Taiwanesinnen und Taiwanesen. Ich habe viel über die Kultur gelernt, nicht nur in Taiwan, sondern auch in vielen umliegenden Ländern, die ich bereisen konnte. Dadurch konnte ich meine interkulturelle Kompetenz verbessern. Zusätzlich habe ich neue fachliche Kompetenzen erworben.
Wie haben sich Ihre Werte und Einstellungen durch Ihren Auslandsaufenthalt verändert?
Ich muss sagen, dass ich bereits vor dem Auslandsaufenthalt gerne und viel gereist bin und sehr weltoffen war, jedoch hat sich diese Einstellung durch mein Auslandssemester noch weiter verstärkt. Ich lege nun noch mehr Wert darauf, Menschen nicht aufgrund von Aussehen, Herkunft etc. in eine Schublade zu stecken, sondern sie als Individuen kennenzulernen.
Was war im Rückblick die größte Herausforderung bei der Vorbereitung auf oder während Ihres Auslandsaufenthaltes?
Eine der größten Herausforderungen war die Wohnungssuche. Obwohl es nicht allzu lange gedauert hat, eine Wohnung zu finden, war dieser Prozess mit viel Stress verbunden, da eine Unterkunft essenziell war. Außerdem war die Sprachbarriere vor allem am Anfang sehr schwierig, da kaum jemand Englisch sprechen konnte und die Schrift eine völlig andere war, wodurch ich nichts lesen konnte.
Was war Ihre positivste Erfahrung während Ihres Auslandsaufenthaltes?
Ich kann mich unmöglich auf eine einzelne Erfahrung festlegen, da es viel zu viele gab. Im Allgemeinen würde ich sagen, dass die besten Erfahrungen die vielen Reisen waren, die durch den Auslandsaufenthalt möglich waren, sowohl innerhalb Taiwans als auch außerhalb. Ich konnte in kurzer Zeit sehr viel Neues erleben und bin dafür unendlich dankbar.


