Ghaid

  • BSc Wirtschaftsinformatik
  • Linköping, Schweden
  • Auslandssemester
  • Linköping University
  • Wintersemester 2025/2026
Eine Frau in einem beigen Mantel und einer Mütze lächelt, während sie bei Sonnenuntergang auf einer städtischen Straße neben einer steinernen Löwenskulptur steht. Hinter ihr steht ein großes, festlich beleuchtetes Gebäude, und in der Nähe gehen Menschen spazieren.
Wie haben Sie sich auf Ihren Auslandsaufenthalt vorbereitet? Welche praktischen Vorkehrungen haben Sie vor dem Austausch getroffen?

Ich habe mich im Vorfeld über verschiedene Social-Media-Plattformen über die Stadt informiert, in der ich mein Auslandssemester verbracht habe. Da ich mich in Schweden aufhielt, war es besonders wichtig, mich frühzeitig auf die Wintermonate vorzubereiten. Zusätzlich habe ich mich mit Personen ausgetauscht, die bereits in Schweden leben, um besser einschätzen zu können, welche Dinge vor Ort notwendig sind.
Zukünftigen Outgoing-Studierenden würde ich empfehlen, früh genug mit der Suche nach einer Unterkunft zu beginnen und besonders darauf zu achten, über welche Kanäle die Kommunikation erfolgt. Es ist ratsam, sichere und offizielle Plattformen zu nutzen und private Kontaktaufnahmen möglichst zu vermeiden.
Das International Office war eine große Hilfe bei organisatorischen Fragen. Ebenso unterstützend war das International Office der schwedischen Universität, das FAQ-Meetings und Informationsveranstaltungen angeboten hat, um offene Fragen der Studierenden zu klären.

Wie wurden Sie von der Gastinstitution begrüßt?

Bereits am 26.08.2025 fand eine Willkommensveranstaltung statt, bei der wir das Confirmation of Arrival unterschreiben konnten. Zudem bestand die Möglichkeit, die Universitätskarte direkt vor Ort zu aktivieren, die für den Zugang zu den Universitätsgebäuden erforderlich ist. Während der Veranstaltung gab es außerdem einen Infodesk, an den man sich bei Fragen oder Problemen wenden konnte.
Die Universität ist in mehrere sogenannte Husets (A, B, C, D, E, F, I, Key und Terra) unterteilt, weshalb es mir zu Beginn schwerfiel, die richtigen Hörsäle und Vorlesungsräume zu finden. Eine geführte Tour durch die Gastuniversität wäre hier hilfreich gewesen. Mit der Zeit konnte man sich jedoch gut orientieren und an die Gegebenheiten gewöhnen.

Wie war das Studium an der Gasthochschule?

Über die LIU-App wurden Informationen zu Vorlesungen, Laborübungen, Räumen, Prüfungsanmeldungen und Ergebnissen bereitgestellt. Besonders hilfreich war die Kartenfunktion, mit der sich die Räume trotz der vielen Gebäude leicht finden ließen. Das Studium gestaltete sich insgesamt sehr spannend, da ich meine Kurse selbst auswählen konnte. Gleichzeitig brachte diese Freiheit auch Herausforderungen mit sich. Zunächst entschied ich mich für ein Fach im Bereich Elektrotechnik, stellte jedoch bereits nach der ersten Vorlesung fest, dass dieses inhaltlich nicht zu meinem Studiengang passte. Das International Office der LIU war in diesem Fall sehr unterstützend, sodass ich den Kurs problemlos wechseln konnte. Darüber hinaus belegte ich einen Masterkurs im Bereich Artificial Intelligence. Obwohl für diesen Kurs bereits Vorkenntnisse vorausgesetzt wurden, stellte ich mich bewusst dieser Herausforderung. Durch Eigeninitiative und zusätzlichen Lernaufwand konnte ich dem Kurs erfolgreich abschließen.

Wie würden Sie das Land, die Kultur und die Freizeitaktivitäten beschreiben, die Sie während Ihres Auslandsaufenthaltes erlebt haben?

Linköping ist eine eher kleine und ruhige Stadt, die jedoch stark vom studentischen Leben geprägt ist. Durch die große Anzahl an lokalen und internationalen Studierenden bietet sich die Möglichkeit, Menschen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen kennenzulernen und neue Freundschaften zu schließen.
Das ESN organisierte neben verschiedenen Reiseangeboten auch zahlreiche Freizeitaktivitäten wie Movie Nights, Spieleabende und weitere Veranstaltungen, um die Wochenenden international und abwechslungsreich zu gestalten. Auch in meinem Corridor fanden regelmäßig Pizza Nights und Game Nights statt, die dazu beitrugen, sich besser kennenzulernen und den sozialen Austausch zu fördern.
Während meines Aufenthalts in Schweden hatte ich zudem die Gelegenheit, den kalten Winter und die verschneite Landschaft intensiv zu erleben, worauf ich mich bereits im Vorfeld sehr gefreut hatte, da in Wien nur selten Schnee zu sehen ist.

Über die Zimmer-/Wohnungssuche und Unterkunft 

Ich habe meine Unterkunft über die Plattform https://www.studentbostader.se gefunden. Es ist wichtig, sich so früh wie möglich auf der Website zu registrieren, da man für jeden Tag einen Punkt sammelt. Die Anzahl dieser Punkte ist entscheidend für die Reihung und somit dafür, ob man ein Zimmer bei Studentbostäder erhält. Das Zimmer verfügte über ein eigenes Badezimmer sowie über einen Wohnraum mit Schreibtisch, Bett und Kleiderschrank. Zusätzlich gab es eine gemeinschaftlich genutzte Küche und ein Wohnzimmer. In der Küche hatte jede Person jedoch einen eigenen Bereich mit Schränken sowie einem zugewiesenen Teil des Kühlschranks und des Gefrierfachs.
Studentbostäder bietet zudem eine App an, über die Gemeinschaftsräume wie ein Billardraum oder die Sauna sowie die Waschmaschinen reserviert werden können. Außerdem können über die App defekte Gegenstände im Zimmer gemeldet werden, woraufhin zeitnah ein Reparaturservice organisiert wird. Die Abwicklung verlief sehr schnell und zuverlässig.

Welche finanziellen Vorkehrungen haben Sie getroffen? Wie hoch waren die Lebenserhaltungskosten im Schnitt?

Vor Beginn meines Auslandssemesters verfügte ich bereits über Ersparnisse, die eine wichtige finanzielle Unterstützung darstellten. Zusätzlich erhielt ich Studienbeihilfe sowie 70% der Erasmus+-Förderung und arbeitete nebenbei in einem Pizzaladen, wodurch ich finanziell gut abgesichert war. Die Lebenshaltungskosten in Schweden sind jedoch höher als in Wien, insbesondere für Lebensmittel. Meine monatlichen Unterkunftskosten lagen bei 400€, für Verpflegung plante ich rund 500€ ein. Während meines Aufenthalts reiste ich viel, unter anderem nach Riga, Rovaniemi, Madrid und Tirana sowie innerhalb Schwedens nach Stockholm, Malmö und Norrköping. Diese Reisen erhöhten meine Ausgaben, ermöglichten mir jedoch viele wertvolle Erfahrungen.

Haben Sie Tipps was noch zu beachten ist?

Es ist empfehlenswert, sich bereits im Vorfeld über die Stadt zu informieren, in der man mehrere Monate verbringen wird. Dafür habe ich unter anderem Beiträge auf Globetrotter-Blogs gelesen sowie Informationen über Social Media, z.B. TikTok, gesammelt. Auch die offizielle Instagram-Seite der LIU war sehr hilfreich, da man dort bei allgemeinen Fragen zu Linköping oder Schweden direkt Kontakt aufnehmen konnte. Die Seite wird größtenteils von Studierenden betreut, was die Informationen besonders praxisnah machte. Für Aufenthalte in Ländern ohne Euro-Währung kann ich die Nutzung von WISE sehr empfehlen. Während meines Aufenthalts in Schweden habe ich WISE genutzt, um Euro in SEK umzuwandeln, was mit vergleichsweise geringen Wechselkursgebühren möglich war. Zudem empfehle ich, frühzeitig mit der Wohnungssuche zu beginnen, da dieser Prozess oft zeitaufwendig ist. Eine frühere Anreise kann ebenfalls hilfreich sein, um sich gut einzuleben und wichtige Informationen in Ruhe zu erhalten.

Welche neuen Fähigkeiten und Qualitäten haben Sie erworben?

Bezüglich meiner Sprachkenntnisse konnte ich mein Englisch während des Auslandssemesters enorm verbessern, was auch einer der Hauptgründe für meine Entscheidung war, ein Auslandssemester zu absolvieren. Zusätzlich besuchte ich einen schwedisch-Kurs und erlangte grundlegende Kenntnisse auf A1-Niveau.
Das Auslandssemester war zudem das erste Mal, dass ich über einen längeren Zeitraum von meinem Zuhause getrennt war und vollständig alleine gelebt habe. Diese Erfahrung hat mich persönlich sehr gestärkt und mir die Möglichkeit gegeben, meine Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Ich habe gelernt, noch mehr Verantwortung zu übernehmen und selbstständiger zu handeln.
Die Zeit alleine im Ausland hat mir zudem gezeigt, was für mich wirklich wichtig ist und worauf es im Leben ankommt. Die Selbstständigkeit, die ich bereits zuvor hatte, wurde dadurch weiter gestärkt, da ich in vielen Situationen ausschließlich auf mich selbst angewiesen war.

Wie haben sich Ihre Werte und Einstellungen während Ihres Auslandsaufenthaltes verändert?

Meine Einstellungen und Werte haben sich durch das Auslandssemester nicht grundlegend verändert. Schon zuvor war ich in meiner Familie die Person, die neugierig ist, die Welt entdecken zu wollen und neuen Erfahrungen offen gegenüberzustehen. Ich habe vieles bewusst auf mich zukommen lassen.
Nach dem Auslandssemester kann ich jedoch sagen, dass ich meinen eigenen Plänen, Entscheidungen und mir selbst noch mehr vertraue als zuvor. Die gemachten Erfahrungen haben mein Selbstvertrauen gestärkt und mir zusätzliche Sicherheit im Umgang mit neuen Situationen gegeben.

Was war im Rückblick die größte Herausforderung bei der Vorbereitung auf oder während Ihres Auslandsaufenthaltes? 

Da es für mich das erste Mal war, alleine zu leben und so weit von meiner Familie entfernt zu sein, fehlten sie mir zu Beginn des Auslandssemesters. Um das Familiengefühl wieder etwas näher zu bringen, habe ich Ende Oktober ein Ticket für meine Schwester gebucht, damit sie mich besuchen konnte. Außerdem verbrachte ich während meines Auslandssemesters ein gemeinsames Wochenende mit meiner Mutter in Tirana. Ein starkes Heimweh habe ich jedoch nicht empfunden. Dennoch war es sehr schön, meine Familie zwischendurch für kurze Zeit zu sehen und anschließend wieder in meinen eigenen Alltag zurückzukehren. Während meines Auslandssemesters konnte ich viele Entscheidungen selbstständig treffen, ohne ständig eine zweite Meinung einholen zu müssen, beispielsweise bei Reiseplanungen. In dieser Zeit habe ich besonders gelernt, den Wert der Menschen und der Dinge in meinem Leben bewusster zu schätzen. Gleichzeitig wurde mir klarer, was ich im Leben wirklich will und was für mich an erster Stelle steht.

Was war Ihre positivste Erfahrung während Ihres Auslandsaufenthaltes?

Als älteste Tochter habe ich schon viel Verantwortung übernommen und diese Rolle auch während meines Auslandssemesters weitergeführt. Der Aufenthalt im Ausland hat mir gezeigt, dass ich Verantwortung für mich selbst übernehmen und gleichzeitig für andere da sein kann. Während des Auslandssemesters organisierte ich meinen Alltag eigenständig, darunter Haushaltsaufgaben, Lernen und das Genießen der Zeit. Dadurch verbesserte sich mein Zeitmanagement. Ein besonderes Highlight war die Möglichkeit, die Nordlichter zu sehen, welches ein unvergessliches Erlebnis war. Ein Auslandssemester kann ich jeder Person empfehlen. Besonders jungen Frauen möchte ich diese Erfahrung ans Herz legen, da sie für viele ein echter „life changer“ ist und die persönliche Entwicklung stärkt. Das Auslandssemester zählt zu den schönsten Erfahrungen meines Lebens. Nun kehre ich nach Wien zurück, um meine Bachelorarbeit zu verfassen, mein Praktikum zu absolvieren und mein Studium erfolgreich abzuschließen.