Emilie

  • MSc Umweltmanagement und Ökotoxikologie
  • Taipei, Taiwan
  • Auslandssemester
  • National Taipei University of Technology
  • Wintersemester 2025/2026
Drei Personen gehen an einem bewölkten Tag entlang der schmalen Zuggleise, die von hohen, dichten Bäumen und Grünflächen umgeben sind. Die Szene hat eine friedliche, natürliche Atmosphäre.
Wie haben Sie sich auf Ihren Auslandsaufenthalt vorbereitet?

Ich habe im Vorhinein mit dem International Office gesprochen und auch mit meiner Studiengangsleitung, was für Möglichkeiten es für meinen Studiengang gibt, also welche Unis und welches Semester etc, und auch wo und wie ich noch weiter recherchieren kann. Dann habe ich mich auf meine 1. und 2. Wahl geeinigt und die Bewerpungsprozedur die vom International Office vorgegeben ist, eingehalten. Sobald ich mir sicher war, dass ich weg sein werde, habe ich auch in meiner Arbeit und bei meinem Vermieter Bescheid gegeben und auch mit meinen Ärzten wegen Medikamenten und Behandlungen gesprochen. Als dann das Okay kam von der FH, musste ich auch noch die Bewerbungsunterlagen von der Gasthochschule ausfüllen. Das endgültige Okay kam dann erst recht spät (ca. Mai) aber es hat dennoch noch voll ausgereicht, um alles zu buchen. Aber es war gut, dass ich mich schon etwa ein halbes Jahr davor darauf eingestellt habe und auch über Land und Kultur forschen konnte.

 Welche praktischen Vorkehrungen haben Sie vor dem Austausch getroffen?

Die Gasthochschule hat uns nach der Aufnahme einige Infos über die nötigen Unterlagen und Voraussetzungen geschickt. Und es gab auch einiges über Visum, Unterkunft und Vorkehrungen für den Alltag auf der Uni Homepage.
Wichtig waren in erster Linie Visum, Versicherung, Flugticket und Unterkunft (und finanzielle Mittel). Das Visum musste man beim Taiwan Büro in Wien ausstellen lassen und hat in etwa 100€ gekostet. Hierzu ist zu sagen, dass ich laut offizieller Stelle in Wien das Visum hätte erneuern müssen nach etwa 3 Monaten in TW, allerdings haben andere Taiwan Büros behauptet es reiche mind. alle 90 Tage einmal aus- und wieder einzureisen wodurch das Visum dann verlängert wird. Praktisch hat niemand von uns das Visum verlängern lassen, sondern wir sind immer wieder herumgereist. Die Versicherung war bei meiner Kreditkarte dabei und ich musste keine extra Versicherung (Kranken, Spital, Unfall, etc) kaufen.

Wie wurden Sie von der Gastinstitution begrüßt?

Wir haben nach offizieller Aufnahme einige Infos per Mail erhalten, auch über die Unterkunft der Uni. Und sind dann alle einem Line Gruppenchat (ähnlich wie Whatsapp) beigetreten. Da konnten Fragen gestellt und besprochen werden und es haben sich dann auch Subgroups gebildet für z.B. alle aus Frankreich. Ca 2 Monate vor Semesterbeginn gab es dann auch eine Info-Veranstaltung wo der Campus und der Inskriptionsprozess für die Vorlesungen usw erklärt wurde. Es wurden auch ein paar der Student Buddies vorgestellt. Denn jedem wurde ein Student Buddy zugeteilt, der einem bei Orientierungsproblemen an der Uni unterstützen kann. Eine Woche vor Semesterbeginn gab es einen verpflichtenden Gesundheitscheck an der Uni, wo dann im Nachhinein auch die Student IDs ausgeteilt wurden.
Allerdings war die erste wirklich Kennenlernrunde erst 2 Wochen nach Semesterbeginn geplant, was meiner Meinung nach viel zu spät war. Es gab dann auch Language Exchange Gruppen um leichter mit den Locals in Kontakt zu kommen.

Über die Zimmer-/Wohnungssuche und Unterkunft

Ich habe meine Unterkunft über myroomabroad.com gefunden, was meiner Meinung nach eine gute Erfahrung war, aber die Unterkunft war sehr teuer für das was sie geboten hat. Ich denke es ist besser sich mit anderen Exchange students zusammenzutun und gemeinsam eine Wohnung zu suchen, das habe auch einige Freundinnen von mir gemacht und das kommt dann deutlich billiger. Es gab auch die Möglichkeit auf Housing von der Uni in geteilten Zimmern was die billigste Alternative ist (etwa 350€/Semester) allerdings ist das ziemlich Glückssache da einige Häuser schon sehr heruntergekommen und schimmelig sein können.

Welche finanziellen Vorkehrungen haben Sie getroffen? Wie hoch waren die Lebenserhaltungskosten im Schnitt?

Ich hatte im Vorhinein noch etwas angespart und habe dann auch von meiner Mutter etwas 2000€ erhalten. Ich denke die Lebenskosten in TW sind sehr gering da es viel billiges gutes Essen gibt und auch die öffentlichen Verkehrsmittel viel billiger sind. Teuer ist dann eher das Herumreisen, denn man möchte ja auch etwas sehen vom Land, und eben je nach dem vielleicht auch die Unterkunft. Ich denke ich habe im Durchschnitt etwa 1000€/Monat ausgegeben und 400€ davon waren die Miete, und Reisekosten sind auch inkludiert.
Ohne der Erasmus+Förderung wäre es für mich aber nicht möglich gewesen.

Wie würden Sie das Land, die Kultur und die Freizeitaktivitäten beschreiben, die Sie während Ihres Auslandsaufenthaltes erlebt haben?

Taiwan ist ein sehr besonderes Land, die Natur ist extrem tropisch und die Leute sind sehr höflich und entspannt. Man denkt vielleicht eher an Japan wenn man die Sauberkeit und Ordnung sieht. Die Regierung investiert sehr viel in die Reinhaltung der Natur und Rauchen ist in sehr vielen öffentlichen und privaten Bereichen in der Stadt verboten. Es kann etwas schwierig sein mit den locals in Kontakt zu kommen, besonders weil der Großteil Englisch nicht fließend spricht und vielleicht auch schüchterner sind als es in Europa gewohnt ist. Deswegen ist es besonders wichtig aktiv in Clubs beizutreten oder den Kontakt zu suchen. Obwohl die Amtssprache Mandarin ist, sehen sich die Menschen als Taiwaner und nicht Chinesen und grenzen sich da bewusst ab. Sie sind sehr offen bezüglich Ausländern und anders aussehenden Menschen solange man sich an die ‘Verhaltensregeln’ hält und nicht unangenehm laut wird. Besonders in Taipei gibt es auch viele LGBTQ+ safe spaces, und man sieht viele queere Paare.

Wie würden Sie das Studium beschreiben?

Der Unialltag ist sehr anders an der NTUT und hat ein bisschen Schulcharakter. Es gibt sehr viele Uniclubs und viele verbringen den ganzen Tag an der Uni (Unterricht, Mensa, Bibliothek, Clubs, Schlafsäle). Es gibt einen tollen Campus und auch viele Bereiche zum herumhängen gibt zwischen den Vorlesungen. Der Unterricht selber ist auch anders in dem Sinn dass es sehr uneinheitlich ist. Jeder Lehrende kann seinen Unterricht und auch die Abschlussprüfungen vom Stoff sehr frei gestalten. Die Benotung ist auch oft eher subjektiv und kann etwas undurchsichtig sein, obwohl es eigentlich immer möglich war einen Dialog zu starten, wenn man mit dem Ergebnis nicht zufrieden ist. Und besonders für die Austauschstudierenden wird oft Hilfe angeboten.
Es ist verpflichtend, dass alle Stunden aufgezeichnet werden, was mir sehr beim Lernen geholfen hat und das Level ist auch manchmal nicht so hoch weil ja alles auf Englisch ist. Es gibt Midterms und Finals Woche wo dann alle Prüfungen gesammelt stattfinden.

Haben Sie Tipps was noch zu beachten ist?

Ich kann sehr empfehlen im Vorhinein ein bisschen Mandarin zu lernen und dann auch vor Ort Kurse zu besuchen, da es sehr helfen kann einzelne Wörter und Zeichen zu verstehen.
Es ist meistens leichter mit den anderen Austauschstudierenden in Kontakt zu kommen, aber auch die Lokals sind denke ich gerne bereit auf Freundschaft aber es benötigt mehr Eigeninitiative. Ich würde auch jeden Fall empfehlen bei so vielen von der Schule veranstalteten Events wie möglich teilzunehmen und auch besonders den dem Language Exchange Programm und den Uniclubs.

Welche neuen Fähigkeiten und Qualitäten haben Sie erworben?

Ich habe mein Mandarin auf jeden Fall verbessert aber ich bin auch mit höherem A1 schon hingefahren. Ich habe meine sozialen Skills verbessern können und ich habe mich und meine persönlichen Bedürfnisse und Grenzen besser kennen gelernt. Es war auch sehr spannend von einem anderen Blickwinkel die Umweltbedürfnisse und das Environmental Engineering kennenzulernen.

Wie haben sich Ihre Werte und Einstellungen durch Ihren Auslandsaufenthalt verändert?

Es ist wichtig zu lernen, dass nicht alle Menschen mit einem befreundet sein wollen, genauso wie man das selber auch nicht möchte. Ich habe gemerkt dass Wiener oft gerne negativ über alles nachdenken und grübeln und dass eine Kultur mit Fokus auf Tee statt Kaffee wenig gestresst wirkt.

Was war im Rückblick die größte Herausforderung bei der Vorbereitung auf oder während Ihres Auslandsaufenthaltes?

Es hat ein bisschen gedauert einen gut ausbalancierten Alltag zu gestalten und gesunde Gewohnheiten zu entwickeln. Und es war manchmal schwierig zu entscheiden ob ich eher meinen persönlichen Plänen folge oder denen meiner Freundesgruppe (Travel und Freizeit). Ich glaube ich hätte meine Finanzen besser organisieren und kontrollieren können, aber ich wollte auch so viel wie möglich erleben und sehen. Ich habe Wien und Österreich gar nicht wirklich vermisst und hätte mich vielleicht mehr auf den Kulturschock meiner Rückkehr beschäftigen können, aber ich habe auch FreundInnen die sogar früher wieder nach Hause zurückgekehrt sind, weil sie es nicht mehr geschafft haben. Ich denke es kommt sehr auf die persönlichen Bedürfnisse und Selbstständigkeit drauf an.

Was war Ihre positivste Erfahrung während Ihres Auslandsaufenthaltes?

Am letzten Tag als ich während der Semesterferien noch etwas aus der Uni abholen musste, wurde ich auf chinesisch von einer Dame nach dem Weg gefragt. Das hat mich sehr gefreut und ich war sehr stolz auf alles was ich während der Zeit gelernt habe.