Melissa Xinyang
- MSc Tissue Engineering and Regenerative Medicine
- Linköping, Schweden
- Auslandssemester
- Linköping University
- Studienjahr 2025/2026

Wie haben Sie sich auf Ihren Auslandsaufenthalt vorbereitet? Welche praktischen Vorkehrungen haben Sie vor dem Austausch getroffen?
Bereits im 1. Semester gab es eine Infoveranstaltung am FH Technikum, bei der eine ehemalige Double Degree Studentin einen Vortrag über ihre Erfahrungen berichtet hat. Diese Infoveranstaltung hat mir sehr geholfen, da ich aus erster Hand erfahren konnte, was es alles so zu beachten gibt. Weiters konnte man Fragen zur Gastuniversität und zum Leben in Schweden stellen. Weitere Vorbereitungen auf das Auslandsjahr beinhalteten: neuen Handgepäckskoffer kaufen, Vorrat an dm und Produkten und Tee anlegen, Revolut und Wise herunterladen und Hinflug buchen.
Wie wurden Sie von der Gastinstitution begrüßt?
Ich bin an einem der Arrival Days Mitte August in Linköping angekommen. An diesen Arrival Days haben das Infocenter und das International Office verlängerte Öffnungszeiten. Wenn man eine Unterkunft über die Universität hat, kann man sich am Anreisetag gleich die Schlüssel abholen. Man bekommt einige Infoflyer ausgeteilt und kann auch gleich den Arrival Letter unterschreiben lassen.
In den darauffolgenden 2 Wochen fand dann eine Orientation Week für alle internationalen Studenten der medizinischen Fakultät, „Consensus“, statt. Da gab es die Möglichkeit, an vielen verschiedenen Aktivitäten wie Bowling, Pub Crawl, Museumsbesuch und Pferde reiten teilzunehmen. Gleich im Anschluss an diese Orientation Week, fand dann die berühmtberüchtigte „Nolle-P“ (Einführungswoche für alle Erstis) statt. In dieser Zeit gab es dann unterschiedliche Aktivitäten wie Minispiele, Water Days und Campus- und Stadttouren.
Wie war das Studium an der Gasthochschule?
Generell unterscheidet sich der Aufbau des Studiums von österreichischen FHs, da das Semester in 2 Hälften geteilt ist. In jeder Hälfte wählt man 2 Kurse. Diese Kurse bestehen ähnlich wie auf der FH aus Vorlesungen, Seminaren, Laboren, PBLs und Assignments (Report, Literaturrecherchen und Präsentationen). Gleich im Anschluss finden die Prüfungen statt und erst danach die neuen Kurse. So hat man Ende Oktober und dann Anfang Jänner jeweils eine Prüfungsphase. Die Prüfungen hier an der Linköping Universität dauern jeweils 3-4h. Alle Prüfungen finden am Campus Valla statt, während die Vorlesungen und Seminare am Campus US sind. Auf der Plattform namens Lisam (ähnlich wie Moodle), findet man alle Kursdokumente, Abgaben, Noten etc. Weiters gibt es eine LiU-App, mit einer Map-Funktion. So findet man schnell alle Räume am Campus. Prüfungsergebnisse werden über die Plattform „Ladok“ veröffentlicht, wobei man immer per Mail benachrichtigt wird, wenn neue Ergebnisse veröffentlicht worden sind.
Wie würden Sie das Land, die Kultur und die Freizeitaktivitäten beschreiben, die Sie während Ihres Auslandsaufenthaltes erlebt haben?
Linköping ist eine Studentenstadt. Das heißt, man hat viele Möglichkeiten, an verschiedenen Studentenaktivitäten teilzunehmen. Dazu zählen, typisch für Schweden, Mini-Spiele, Cykelfest, Full/Finsittning, Pubquizze und Kravall (Parties am Unicampus im Overall). Weiters gibt es unzählige Studentenvereine für Musikinstrumente, Chor, Sportarten oder Hobbies wie Stricken und Gartenarbeit.
Über die Zimmer-/Wohnungssuche und Unterkunft
Ich hatte das Glück, dass ich ein Zimmer über die Universität zur Verfügung gestellt bekommen habe. Bei der ersten Registrierung auf der LiU-Seite kann man angeben, ob man sich für eine Unterkunft interessiert oder nicht.
Es sind meist Corridorzimmer (ca. 400€), man hat sein eigenes Badezimmer und Zimmer, aber teilt sich die Küche. Es gibt auch die Möglichkeit, für einen höheren Preis, ein eigenes kleines Apartment zu haben.
Grundsätzlich sollte man sich so früh wie möglich auf Studentboastader anmelden. Man erhält nämlich für jeden Tag ab Anmeldung einen Punkt. Und am Ende haben diejenigen mit den meisten Punkten die beste Chance, ein Zimmer zu bekommen. Anscheinend herrscht nämlich in Linköping Wohnungsknappheit. Dadurch, dass aber einige Schweden schon lange bevor sie sich überhaupt für die Uni bewerben können (während sie noch zur Schule gehen), einen Account bei Studentbostader zulegen und so schon viele Punkte sammeln können, gibt es dann teilweise Leute mit ganz vielen Punkten.
Welche finanziellen Vorkehrungen haben Sie getroffen? Wie hoch waren die Lebenserhaltungskosten im Schnitt?
Vorkehrungen habe ich nicht wirklich getroffen. Ich habe mir Revolut heruntergeladen, damit ich gebührenfrei Euro in SEK umtauschen kann. Weiters habe ich mir auch Wise heruntergeladen, damit ich die Rechnungen für die Miete bezahlen kann (Heimstaden akzeptiert nämlich keine Zahlungen mit Revolut). Bei Wise gibt es zwar Gebühren für den Geldwechsel, aber sie sind geringer, als wenn ich meine normale Bankomatkarte aus Österreich verwendet hätte.
Ein normaler Wocheneinkauf betrug ungefähr 40/50€. Für einen Monat also ungefähr 200€. Das Zimmer ca 400€ (je nach Wechselkurs). Und ein Party-Ticket kostet ca 15€. Je nachdem, ob man gerne feiern geht, Reisen macht, an Aktivitäten teilnimmt, variiieren die Kosten natürlich.
Haben Sie Tipps was noch zu beachten ist?
Man sollte sich darauf einstellen, dass die Schweden fast ausschließlich bargeldlos bezahlen, und für die Bezahlungen eignen sich Apps wie Revolut oder Wise, da es sonst zu hohen Gebühren für Geldwechsel kommen könnte.
Die Luftfeuchtigkeit war gerade in den ersten Wochen (Mitte August) in Schweden extrem trocken. Deshalb sollte man sich am Anfang darauf einstellen, genug Wasser zu trinken und feuchtigkeitsspendende Pflegeprodukte mitzunehmen (Labello und Handcreme, Haarshampoo für trockene Kopfhaut, etc.).
Weiters sollte man im Hinterkopf behalten, dass es in Schweden keine Drogeriegeschäfte wie Müller, Bipa oder dm gibt. Dadurch sollte man sich frühzeitig einen Vorrat anlegen, falls es bestimmte Produkte gibt, auf die man nicht verzichten möchte.
Welche neuen Fähigkeiten und Qualitäten haben Sie erworben?
Neue Fähigkeiten und Qualitäten, die ich mir angeeignet habe, sind vor allem alltägliche Dinge. Dazu zählen, dass Herdplatten in Schweden eine Kindersicherung haben und wie man diese wieder abschaltet, wie man einen Haushaltsplan zu acht gestaltet. Ich habe Mealpreppen gelernt. Ich habe zusätzlich meine Fahrrad Skills bei Schnee verbessert und eine Liebe zu Semlor und Zimtschnecken entwickelt.
Wie haben sich Ihre Werte und Einstellungen während Ihres Auslandsaufenthaltes verändert?
Ich finde es sehr beeindruckend, wie „gut“ und fließend die Schweden Englisch sprechen können, da Deutschsprachige meist einen typischen Akzent haben, wenn sie Deutsch reden. Weiters finde ich es sehr nett von den Schweden, dass sie sofort auf Englisch switchen, sobald sie merken, dass man kein Schwedisch spricht.
Was war im Rückblick die größte Herausforderung bei der Vorbereitung auf oder während Ihres Auslandsaufenthaltes?
Die wahrscheinlich größte Herausforderung war die Entscheidung, welche Kurse ich wählen möchte. Man muss diese Kurse nämlich selbst vorab schon wählen, und anfangs ist es etwas verwirrend, weil es nirgends eine Erklärung oder Anleitung gibt, welche Kurse zur Auswahl stehen bzw wie viele man überhaupt wählen muss. Weiters muss man zwischen 50 % und 100 % Kursen unterscheiden. Aber durch Nachfragen beim zuständigen Koordinator habe ich schnell Hilfe dazu bekommen.
Was war Ihre positivste Erfahrung während Ihres Auslandsaufenthaltes?
Die wohl positivste Erfahrung meines Aufenthalts in Schweden war der Trip nach Lappland. Ich habe dort täglich die Nordlichter gesehen, war Eisbaden und durfte Hundeschlitten und Schneemobil fahren.