Marc
- BSc Internationales Wirtschaftsingenieurwesen
- Seoul, Südkorea
- Auslandssemester
- Korea University
- Studienjahr 2025/2026

Wie haben Sie sich auf Ihren Auslandsaufenthalt vorbereitet?
Ich bin dem regulären Bewerbungsprozess der Korea University gefolgt. Nach der Nominierung durch das Technikum Wien läuft alles über das Online-Portal der Gastuni. Ab und zu tauchten Unklarheiten auf, die sich nach kurzer Nachfrage im International Office aber immer schnell klären ließen. Beim Learning Agreement hatte ich keine Probleme, da ich gut passende, vergleichbare Kurse gefunden habe. Einen Sprachtest musste ich nicht ablegen. Mein wichtigster Rat: Folgt genau den Anweisungen und verpasst keine E-Mail. Entscheidend ist die Course Registration – schreibt euch in der ersten Sekunde ein, in der das System öffnet, sonst bekommt ihr bei beliebten Kursen keinen Platz mehr. Nutzt unbedingt auch die Pre-Registration.
Welche praktischen Vorkehrungen haben Sie vor dem Austausch getroffen?
Das D-2-Studentenvisum habe ich selbst beantragt – das ist unkompliziert. Am besten informiert man sich direkt online bei der Koreanischen Botschaft und bereitet alle Unterlagen vor, vor allem das Certificate of Admission der Korea University. Einen Termin braucht man für die Botschaft nicht. Nach der Ankunft in Korea muss man fristgerecht die Alien Registration Card (ARC) beantragen. Das hat in beiden Semestern über die Agentur relativ lange gedauert. Mein Tipp: früher anreisen und sich selbst direkt einen Termin bei der zuständigen Behörde ausmachen – das geht oft leichter, wenn man in einem Goshiwon statt im Studentenwohnheim wohnt. Den Flug sollte man frühzeitig buchen und dabei die koreanischen Feiertage meiden, da die Preise dann stark steigen.
Wie wurden Sie von der Gastinstitution begrüßt?
Der Empfang an der Korea University war sehr gut organisiert. Schon vor der Anreise bekommt man eine E-Mail von seinem koreanischen Buddy, der einen das ganze Semester über unterstützt und bei Fragen zur Seite steht. Über das Buddy-Programm und das International Office wurden alle wichtigen Informationen zum Ablauf rechtzeitig zugesandt, sodass man von Anfang an gut informiert war. In den ersten Wochen fühlte ich mich dadurch nie allein gelassen – man weiß immer, an wen man sich wenden kann.
Über die Zimmer-/Wohnungssuche und Unterkunft.
Im ersten Semester wohnte ich im Studentenwohnheim direkt am Campus (ca. 300€/Monat, Doppelzimmer). Es war sauber, aber man muss mit dem Zimmerkollegen Glück haben – Einzelzimmer bekommt man dort in der Regel nicht. Ich hatte großes Glück und es war top. Trotzdem entschied ich mich im zweiten Semester für ein Goshiwon (ca. 350€/Monat), um nicht das Risiko einzugehen, mit jemandem im Zimmer zu landen, mit dem ich mich nicht verstehe – manche Bewohner sprechen kaum Englisch, nur Mandarin oder Koreanisch. Das Goshiwon bietet ein kleines, aber ausreichendes Einzelzimmer inklusive eigenem Bad. Beide Unterkünfte lagen sehr nah am Campus. Selbst gekocht habe ich nie, da es nur Gemeinschaftsküchen gibt, die meist nicht wirklich sauber sind – auswärts essen ist in Korea ohnehin sehr günstig.
Welche finanziellen Vorkehrungen haben Sie getroffen? Wie hoch waren die Lebenserhaltungskosten im Schnitt?
Die Miete lag bei ca. 350€/Monat. Fürs Essen habe ich im Schnitt 700–800€/Monat ausgegeben, da ich fast ausschließlich auswärts gegessen habe – Restaurants sind dafür aber sehr günstig. Beim Transport war ich mit Öffis und Uber unterwegs; beides ist sehr preiswert, eine U-Bahn-Fahrt kostet nur rund 80 Cent. Insgesamt sollte man mit etwa 1.200–1.400€ pro Monat rechnen, wobei die Kosten je nach Reise- und Freizeitverhalten schwanken. Öffentlicher Verkehr und Essen sind günstiger als in Wien, dafür können Reisen und Freizeit ins Geld gehen.
Wie würden Sie das Land, die Kultur und die Freizeitaktivitäten beschreiben, die Sie während Ihres Auslandsaufenthaltes erlebt haben?
Die Natur Koreas ist großartig: Ich habe den Hallasan auf Jeju Island bestiegen, war mit koreanischen Freunden zum Skifahren in Pyeongchang und habe an Fußballturnieren am Land teilgenommen. Über das Semester habe ich mir ein starkes Netzwerk aus internationalen und koreanischen Freunden aufgebaut und dadurch sehr viel von der koreanischen Kultur hautnah erlebt. Von Korea aus bietet es sich hervorragend an, weitere Länder wie Japan, Taiwan, China, Vietnam oder Thailand zu bereisen – ich selbst war in Japan und auf Jeju Island. Ein wichtiger Tipp: die offiziellen koreanischen Feiertage zum Reisen meiden, da Flüge dann extrem teuer werden.
Wie würden Sie das Studium beschreiben?
Alle meine Kurse waren auf Englisch. Der Aufbau unterscheidet sich deutlich vom Technikum: Die meisten Prüfungen sind Closed Book und werden häufig nach der Kurve bewertet. Besonders in den Ingenieursfächern ist der Workload enorm, da man den Stoff komplett auswendig können muss – Cheat Sheets sind nicht erlaubt, in Automatisierungstechnik nicht einmal Taschenrechner. Anwesenheitspflicht besteht wie am Technikum, ebenso Assignments, allerdings je nach Fach unterschiedlich und nicht standardmäßig vor/nach jeder Lehrveranstaltung. Auch die Bewertung variiert stark von Fach zu Fach. Belegt habe ich u.a. Marketing Management, Management Strategy, General Robotics, Automatic Control, Operations Management, Production Planning und Engineering Materials – ein guter Mix aus wirtschaftlichen und technischen Inhalten, passend zum Wirtschaftsingenieurwesen.
Welche neuen Fähigkeiten und Qualitäten haben Sie erworben?
Sprachlich beherrsche ich ein paar Koreanisch-Basics, habe aber bewusst keinen Sprachkurs besucht. Der größte Zuwachs war persönlich und fachlich: Ich habe viel über mich selbst und über die unterschiedlichsten Länder und Kulturen gelernt. Mit allen Freunden, die ich in Korea kennengelernt habe, stehe ich weiterhin in Kontakt – zwei haben mich bereits in Wien besucht, weitere Besuche sind geplant, und ich werde selbst definitiv wieder nach Korea fliegen. Fachlich hatten die Kurse einen enormen Mehrwert: Vor allem mein wirtschaftliches und globales Denken ist stark gewachsen. Dazu kommen interkulturelle Kompetenz und ein internationales Netzwerk, von dem ich langfristig profitiere.
Wie haben sich Ihre Werte und Einstellungen durch Ihren Auslandsaufenthalt verändert?
Grundlegend haben sich meine Werte nicht verändert – ich war schon immer global ausgerichtet und durch meine häufigen internationalen Reisen entsprechend eingestellt. Der Aufenthalt hat diese Haltung aber weiter bestätigt und meinen internationalen Blick zusätzlich geschärft.
Was war im Rückblick die größte Herausforderung bei der Vorbereitung auf oder während Ihres Auslandsaufenthaltes?
Dank meiner Offenheit und des guten Netzwerks, das ich mir in Korea aufgebaut habe, hatte ich keine wirklich großen Herausforderungen. Am schwierigsten war es, in den Ingenieursfächern mit den koreanischen Studierenden mitzuhalten – sie haben ein enormes Lerntempo und einen hohen Leistungsdruck. Mein klarer Tipp an zukünftige Outgoings: Tretet einem Uni-Club bei. Das ist der beste Weg, um schnell Anschluss zu finden, die Kultur zu erleben und ein Netzwerk aufzubauen.
Was war Ihre positivste Erfahrung während Ihres Auslandsaufenthaltes?
Meine positivsten Erlebnisse waren eindeutig die Fußballturniere mit dem Amateur-Fußballclub der Uni und die dazugehörigen Team-Dinners – dort sind echte Freundschaften entstanden. Ein weiteres Highlight war der legendäre Sportwettkampf zwischen der Korea University und der Yonsei University (Ko-Yon-Jeon) sowie das Ipselenti-Festival. Diese gemeinsamen Erlebnisse haben den Austausch für mich unvergesslich gemacht.


