Julia
- MSc Data Science
- Stockholm, Schweden
- Praktikum
- Aris Machina
- Sommersemester 2025/2026

Wie haben Sie Ihre Praktikumsstelle gefunden? Wie haben Sie sich dafür beworben? Wie haben Sie sich auf Ihren Auslandsaufenthalt vorbereitet?
Ich bin über LinkedIn auf das Unternehmen aufmerksam geworden. Besonders der Bereich der E-Fahrzeug-Fertigung hat mich angesprochen, da ich dort die Möglichkeit sah, Data Science mit Umweltwissenschaft zu verbinden. Ich habe Mitarbeiter:innen des Unternehmens direkt über deren Profile kontaktiert und ihnen einen konkreten Vorschlag für mein Masterarbeitsthema unterbreitet – im Bereich Predictive Maintenance und Analyse von Fertigungsdaten.
Welche praktischen Vorkehrungen haben Sie vor dem Austausch getroffen?
Da ich österreichische Staatsbürgerin bin, war das Visum kein Thema. Die Wohnungssuche gestaltete sich dagegen eher schwierig – ich hatte aber Glück und konnte ein Zimmer in der Nähe des Stadtzentrums für unter 700 Euro finden. Beim Skatteverket habe ich zudem eine Personennummer bzw. Koordinationsnummer beantragt, und meine Schwedischkenntnisse habe ich mit Duolingo aufgefrischt.
Wie wurden Sie von der Firma begrüßt, eingeschult und willkommen geheißen?
Vor meinem offiziellen Start im Februar gab es eine Onboarding-Woche. Dort wurde ich vom CEO persönlich begrüßt und habe mich in 1:1-Gesprächen jeder Kollegin und jedem Kollegen vorgestellt, um einen kurzen Einblick in ihre jeweiligen Projekte zu bekommen – da es sich um ein kleines Start-up-Büro handelte, konnte ich diese Gelegenheit nutzen, um viele Fragen zu stellen. Am ersten Tag wurde mir mein Mentor Eliot zugeteilt, der mir gleich einen Themenvorschlag für meine Masterarbeit mitbrachte, basierend auf einer für das Unternehmen relevanten Aufgabenstellung. Der Arbeitsalltag selbst war sehr eigenständig geprägt: Ich erhielt Zugänge zu AWS, Datenbanken und GitHub, und da alle stark in ihre eigenen Prioritäten eingebunden waren, stellte ich Fragen meist mit bereits vorbereiteten Ergebnissen zur Diskussion. Dadurch konnte ich vor allem selbstständiges Arbeiten, Entscheidungsfindung und Eigeninitiative entwickeln.
Über die Zimmer-/Wohnungssuche und Unterkunft
Ich habe über Qasa nach einer Wohnung gesucht, eine Vermietungsplattform, auf der man selbst nach Wohnungen suchen kann, aber auch Vermieter:innen aktiv nach Mieter:innen Ausschau halten. Überraschenderweise hatte ich mehr Erfolg damit, dass sich Leute bei mir als Mieterin gemeldet haben. So habe ich eine Wohnung in der Innenstadt, in der Nähe von Hötorget, für 650 Euro im Monat gefunden. Wir waren zu dritt in einer 2-Zimmer-Wohnung: eine 60-jährige Frau, die im Wohnzimmer wohnte, sowie eine 22-jährige Studentin, die ebenfalls über Erasmus in Stockholm war und sehr aufgeschlossen und sozial war. Da ich fast 12 Stunden am Tag im Büro war, hatte ich insgesamt aber nur wenig Kontakt zu den beiden. Insgesamt hat sich die Wohnung hinsichtlich Lage, Preis und der kurzen Pendelzeit auf jeden Fall gelohnt.
Welche finanziellen Vorkehrungen haben Sie getroffen? Wie hoch waren die Lebenserhaltungskosten im Schnitt?
Finanziell habe ich mich über das Erasmus-Stipendium sowie ein kleines Gehalt vom Unternehmen abgesichert – wobei Letzteres im Verhältnis zu meinen 40 bis 60 Wochenstunden (ich habe Vollzeit gearbeitet und oft freiwillig länger geblieben) eher gering ausfiel. Die Lebenshaltungskosten in Stockholm waren insgesamt höher als erwartet, weshalb ich zusätzlich auf einen Teil meiner Ersparnisse zurückgreifen musste. Im Schnitt zahlte ich 650 Euro Miete, 70 Euro für ein Fitnessstudio-Abo und rund 400 Euro für Lebensmittel. Da ich fast überall zu Fuß hingehen konnte, habe ich öffentliche Verkehrsmittel nur einzeln bezahlt (ca. 3 Euro pro Fahrt) statt ein Monatsticket zu kaufen, das etwa 120 Euro gekostet hätte. Ausgehen zum Essen oder auf ein paar Drinks war dagegen recht teuer, weshalb ich das eher selten gemacht habe.
Wie würden Sie das Land, die Kultur und die Freizeitaktivitäten beschreiben, die Sie während Ihres Auslandsaufenthaltes erlebt haben?
Die Menschen in Schweden sind eher zurückhaltend und für sich – respektvoll, aber ein bisschen verschlossen. Die Städte wirken beschaulich und ruhig. Im Mittsommer war es besonders schön, da die Sonne sehr oft schien – ein starker Kontrast zu meiner Ankunft im Februar, als es -15°C hatte. Insgesamt wirkten die Leute sehr gepflegt. Die Stadt selbst atmet Start-up- und Tech-Kultur: In dem Shared-Office-Space, in dem ich gearbeitet habe, saßen viele Gründer:innen, und auch Lovable befand sich nur ein paar Häuser weiter – es fühlte sich fast wie ein europäisches Silicon Valley an. Freundschaften habe ich leichter mit anderen internationalen Studierenden geschlossen als mit einheimischen Schwedinnen und Schweden, was mir aber schon vorher bekannt war.
Wie würden Sie das Praktikum beschreiben?
Absolut am Puls der Zeit – ich habe täglich Neues dazugelernt. KI-Einsatz wurde aktiv gefördert, was das Tempo enorm beschleunigte. Kolleg:innen kamen aus den USA, Frankreich, Indien und Deutschland, Englisch war Arbeitssprache. Alle arbeiteten mission-getrieben, Überstunden waren normal. Freitags gab es nach der Feature-Demo ein Afterwork-Ritual. Es herrschte echte Start-up-Kultur: eigene Entscheidungen treffen, selbst Lösungen erarbeiten. Meine Mentoren, promovierte Astrophysiker, nahmen Fragen und Diskussionen stets mit intellektueller Offenheit auf. Ich hatte einen eigenen Schreibtisch und Laptop, und es gab praktisch keine Hierarchie – alle arbeiteten auf Augenhöhe zusammen.
Welche neuen Fähigkeiten und Qualitäten haben Sie erworben?
Sprachlich habe ich ein bisschen Schwedisch gelernt – allerdings eher durch die Fitnessstudio-Kurse auf Schwedisch als bei der Arbeit selbst, da dort Englisch die Hauptsprache war. Fachlich habe ich gelernt, deutlich selbstständiger zu arbeiten und eigene Entscheidungen zu treffen: Ich habe einen Benchmark-Datensatz sowie eine dazugehörige Ontologie in Neo4j aufgebaut. Auch meine Kommunikationsfähigkeiten haben sich verbessert, insbesondere die Fähigkeit, technische Aufgaben verständlich zu erklären. Meine Arbeitsmoral konnte mir dabei zugutekommen, mich in neue technische Bereiche einzuarbeiten, die ich zuvor noch nicht erkundet hatte – etwa Fertigungs- und batteriebezogene Daten.
Wie haben sich Ihre Werte und Einstellungen durch Ihren Auslandsaufenthalt verändert?
Die Winter waren dunkel und kalt, doch die langen Sommertage haben mich überzeugt. Die Start-up- und Tech-Szene dort blüht sichtlich mehr auf als in Österreich. Sobald ich Freundschaften geschlossen hatte, wurde die Stadt für mich noch spannender. Die kühlen Sommer und die frische Luft vermisse ich sehr. Gerne würde ich bald wieder zurückziehen, sofern sich eine passend bezahlte Stelle und eine geeignete Wohnung finden lassen.
Was war im Rückblick die größte Herausforderung bei der Vorbereitung auf oder während Ihres Auslandsaufenthaltes?
Am schwierigsten war es, wenn ich bei der Entwicklung meines Algorithmus ins Stocken geriet – kaum war ein Meilenstein erreicht, funktionierte oft etwas anderes nicht. Mein Thema änderte sich zudem mehrfach, bedingt durch FHTW-Vorgaben und die Einschätzungen meiner ersten Betreuer. Erst nach rund drei Monaten an anderen Themen konnte ich mein endgültiges Forschungsthema festlegen – eines, das ich weniger bevorzugte und das aus meiner Sicht weniger Mehrwert fürs Unternehmen bot. Gegen Ende wurde ich zudem gebeten, bei einem kritischen Kundenprojekt mitzuhelfen, weshalb ich meine Schreibarbeit vorübergehend zurückstellte – das machte ich gerne. Insgesamt kam ich beim Schreiben weniger weit als geplant, da der Großteil der Zeit in den praktischen Teil floss.
Was war Ihre positivste Erfahrung während Ihres Auslandsaufenthaltes?
Am meisten habe ich die Begeisterung und den gemeinsamen Antrieb im Büro geschätzt. Die wöchentlichen Freitags-Demos waren eine tolle Gelegenheit, unsere Arbeit zu präsentieren, uns aber auch gegenseitig zu hinterfragen und herauszufordern, um das Produkt weiterzuentwickeln. Ich schätze mich sehr glücklich, mit so klugen und freundlichen Kolleg:innen zusammengearbeitet zu haben, die mir stets geduldig Dinge erklärt und ihre Neugier mit mir geteilt haben. Die langen, leidenschaftlichen Arbeitsstunden werde ich vermissen – in diesem Umfeld fielen sie mir überraschend leicht.