Shahan
- MSc Software Engineering
- Paris, Frankreich
- Auslandssemester
- EFREI Paris
- Sommersemester 2025/2026

Wie haben Sie sich auf Ihren Auslandsaufenthalt vorbereitet? Welche praktischen Vorkehrungen haben Sie vor dem Austausch getroffen?
Auf der Website von EFREI (GastFH) habe ich alle benötigten Informationen gefunden. Ansonsten haben mir sowohl die internationale Abteilung der FHTW als auch die von EFREI hilfreiche Tipps gegeben, und bei jeder Anfrage geholfen. Bei der Auswahl der Fächer muss man gut Zeit einplanen, da es dazu kommen kann, dass Fächer nicht verfügbar sein können. Je früher man sich für die Kurse entscheidet und die Bewerbung abschickt, desto größer die Chance, die ausgewählten Kurse zu bekommen.
Wie wurden Sie von der Gastinstitution begrüßt?
Ich wurde von der Gast FH freundlich empfangen. Eine Woche vor dem Beginn des Semesters gab es einen Termin vor-ort mit meiner Betreuerin. Mit mir wurden dann alle benötigten Informationen geteilt (Anmeldung, Studierendenausweis, Bibliothekszugang, Freizeitgruppen), sowie eine Campusführung durchgeführt.
Ich habe auch ein Goodie-Bag bekommen, mit nützlichen und köstlichen Kleinigkeiten.
Wie war das Studium an der Gasthochschule?
Das Studium an der EFREI war gut organisiert, unterschied sich aber in einigen Punkten von der FHTW. Die Lehrveranstaltungen waren stärker auf kontinuierliche Mitarbeit ausgerichtet: regelmäßige Abgaben, Gruppenarbeiten und Präsentationen machten einen großen Teil der Note aus. Es gab Anwesenheitspflicht, und ich konnte nur 10 mal unentschuldigt fehlen. Es wurde viel Zeit für die Projektarbeiten eingeplant, sodass man alles auf der FH erledigt hat können und zuhause nur wenig zu tun war. Die Kurse fanden auf englisch statt, der Kontakt zu den Lehrenden war unkompliziert und persönlich. Sowohl Studierende als auch Lehrende verfügten über sehr gute Englischkenntnisse, was mich positiv überrascht hat.
Die Infrastruktur war sehr gut: moderne Hörsäle, gut ausgestattete Arbeitsplätzen mit langen Öffnungszeiten, WLAN, Lernräume und eine Mensa auf dem Campus. Die Lernplattform war übersichtlich, die Kommunikation lief hauptsächlich per E-Mail und Microsoft Teams.
Wie würden Sie das Land, die Kultur und die Freizeitaktivitäten beschreiben, die Sie während Ihres Auslandsaufenthaltes erlebt haben?
Paris war in sieben Monaten weit mehr als eine Studienstadt. Der Alltag ist schnell und dicht, gleichzeitig nimmt man sich Zeit für Essen und Gespräche. Der Umgang ist zunächst distanzierter und formeller, doch wer sich auf Französisch bemüht, wird sehr freundlich aufgenommen.
In der Freizeit habe ich das kulturelle Angebot ausgenutzt: Museen wie Louvre, Orsay oder Centre Pompidou sind für EU-Bürger:innen unter 26 Jahren kostenlos. Mit der Studentenkarte für die Öffis (ImagineR) kann man auch überall in Île-de-France (großraum Paris-Umgebung) alle möglichen öffentlichen Verkehrsmitteln, auch sogar eine Seilbahn, benutzen. Dank meiner langen Aufenthaltsdauer hatte ich genug Zeit für Ausflüge nach Versailles, Rouen, Marseille, und viele schöne Städte in Paris-Umgebung.
Über die Zimmer-/Wohnungssuche und Unterkunft
Paris ist bekannt für seinen teuren Wohnungmarkt. EFREI ist mit einer bekannten Plattform “Studapart” gepartnert, somit war die Suche für ein Unterkunft etwas leichter. Die Suche habe ich etwa zwei Monate vor der Anreise begonnen.
Ich habe ein kleines Studio gemietet, das gut möbiliert war. Im Preis war alles inkludiert (auch Internet). Ich habe die Wohnung auch so ausgewählt, dass es nicht mehr als 30 Minuten von der FH entfernt ist. Die Lage war gut an den öffentlichen Verkehr angebunden und in [ca. 20 Minuten] zur Hochschule erreichbar, mit dem Fahrrad sogar nur 7 Minuten.
Vorauszahlungen ohne Vertrag oder Besichtigung sind gang und gebe, genauso die verpflichtende Wohnungsversicherung.
Welche finanziellen Vorkehrungen haben Sie getroffen? Wie hoch waren die Lebenserhaltungskosten im Schnitt?
Die Firma, bei der ich tätig bin, hat meinen Auslandsaufenthalt stark unterstützt, und mir erlaubt Teilzeit weiter zu arbeiten. Das hat mir ermöglicht, ohne äußere finanzielle Hilfsmitteln mein Auslandssemester zu finanzieren. Vor der Abreise habe ich Rücklagen gebildet, da Kaution und erste Miete vor der ersten Erasmus-Rate fällig waren.
Monatlich habe ich in Paris rund 1700 Euro ausgegeben:
- Unterkunft: ca. 900 Euro
- Verpflegung: ca. 350 Euro
- Navigo-Monatskarte: ca. 88 Euro (für einen Aufenthalt länger als 4 Monate zahlt sich eine Studentenjahreskarte aus)
- Freizeit, Kultur und Reisen: ca. 350 Euro
Paris ist deutlich teurer als Wien, vor allem beim Wohnen.
Welche neuen Fähigkeiten und Qualitäten haben Sie erworben?
Sprachlich war der größte Gewinn mein Französisch: Nach sieben Monaten kann ich Alltagssituationen problemlos bewältigen und spreche deutlich freier. Auch mein Englisch habe ich im internationalen Umfeld weiter gefestigt.
Fachlich habe ich durch Lehrveranstaltungen zu Datenbanken, KI, und Cloud computing eine andere methodische Herangehensweise kennengelernt und mich an das strengere französische Prüfungs- und Argumentationsformat angepasst.
Persönlich habe ich vor allem Selbstständigkeit gewonnen: 1. Mal alleine wohnen und selbst alles organisieren. Dazu kamen interkulturelle Kompetenz, Organisationstalent, Belastbarkeit und die Fähigkeit, in internationalen Gruppen zusammenzuarbeiten.
Wie haben sich Ihre Werte und Einstellungen während Ihres Auslandsaufenthaltes verändert?
Sieben Monate in Paris haben meinen Blick verändert. Ich bin offener und geduldiger. Über Paris hört man viel öfter schlechtes als gutes. Fremde auf der Straße waren sehr nett, immer hilfsbereit. Die Stadt war auch ziemlich sauber.
Andererseits, vieles, was ich in Österreich für selbstverständlich gehalten habe, etwa unkomplizierte Verwaltung oder leistbaren Wohnraum, sehe ich heute bewusster.
Gleichzeitig habe ich die französische Wertschätzung für Kultur, Debatte und gemeinsames Essen schätzen gelernt und übernehme davon einiges in meinen Alltag. Der Kontakt zu Menschen aus sehr unterschiedlichen Ländern und Lebensrealitäten hat meine Vorstellung davon, was “normal” ist, spürbar erweitert.
Der europäische Gedanke ist für mich konkreter geworden: Freundschaften über Grenzen hinweg sind keine Abstraktion mehr, sondern Teil meines Lebens.
Was war im Rückblick die größte Herausforderung bei der Vorbereitung auf oder während Ihres Auslandsaufenthaltes?
Die größte Herausforderung war eindeutig die Wohnungssuche in Paris in Kombination mit der französischen Bürokratie. Der Wohnungsmarkt ist extrem angespannt, viele Vermieter verlangen eine französische Bankkonto, und Zusagen kamen oft erst kurzfristig.
Dazu kam die erste Zeit in einer sehr großen, anonymen Stadt: ohne vertrautes Umfeld, mit hohen Kosten und dem Gefühl, ganz von vorne zu beginnen. Geholfen haben mir der Austausch mit anderen Austauschstudierenden und die Unterstützung des International Office, sowie meinem Cousin, der auch erst vor kurzem nach Paris gezogen war. Rückblickend war genau diese Phase die lehrreichste, weil ich gemerkt habe, dass sich fast alles lösen lässt, wenn man dranbleibt und nachfragt.
Was war Ihre positivste Erfahrung während Ihres Auslandsaufenthaltes?
Die Hilfsbereitschaft der Mitmenschen. Die schönen Ausblicke in den Städten. Bayern gegen PSG im Parc-de-prince. Meine sehr coolen Studienkolleg:innen.
