Ellen
- MSc Tissue Engineering and Regenerative Medicine
- Linköping, Schweden
- Auslandssemester
- Linköping University
- Studienjahr 2025/2026

Wie haben Sie sich auf Ihren Auslandsaufenthalt vorbereitet? Welche praktischen Vorkehrungen haben Sie vor dem Austausch getroffen?
Zur Vorbereitung auf meinen Auslandsaufenthalt habe ich mich mit anderen Studierenden an meiner Uni ausgetauscht, die ebenfalls nach Linköping gingen. So erhielt ich wichtige Infos zu Formularen, Fristen und organisatorischen Abläufen. Zusätzlich habe ich Ingos zur Gastuniversität recherchiert , insbesondere zur Wohnsituation, und habe Erfahrungsberichte auf Globetrotter gelesen. Ich habe mich über das Klima in Linköping informiert, um passende Kleidung einzupacken. Mein Tipp an zukünftige Outgoing-Studierende: Meldet euch frühzeitig für die Wartelisten der Studiwohnheime an, da man für jeden Tag Punkte sammelt, das funktioniert dort über sogenannte Queue points. So erhöht sich die Chance auf ein Zimmer, und man ist nicht nur auf die universitären Angebote angewiesen.
Wie wurden Sie von der Gastinstitution begrüßt?
Die Gastinstitution hat allgemeine Orientierungsveranstaltungen und studiengangsspezifische Informationsveranstaltungen angeboten. Die Orientierungstage waren sehr lustig und gut um andere Studierende kennenzulernen und einen ersten Eindruck von der Stadt zu gewinnen. Für unseren Studiengang haben wir zusätzlich Informationen direkt von der Fakultät erhalten. Allerdings war dies teilweise etwas verwirrend, da wir als Double-Degree-Studierende teils andere Regelungen hatten als die regulären Masterstudierenden, auf die sich ein Großteil der Informationen bezogen hat. Auch bei den allgemeinen Informationsveranstaltungen wurden einige Regelungen vorgestellt, die für unseren Studiengang nicht gegolten haben. Information, die ich mir bereits vor meiner Ankunft gewünscht hätte, hat den sogenannten „Roll Call“ betroffen. Dabei wurde bereits in der ersten Lehrveranstaltung die Anwesenheit überprüft. Wer dort nicht anwesend ist, wird vom Studium ausgeschlossen werden.
Wie war das Studium an der Gasthochschule?
Die Organisation an der Gasthochschule war manchmal etwas chaotisch. Es haben gelegentlich klare Informationen über Fristen, Abgabeformate und genaue Abläufe gefehlt. Die Lerninhalte waren leider teilweise Wiederholungen von vorherigen Semestern, vor allem in den Bereichen Stammzellen und Tumorbiologie. Ein Highlight war jedoch das Problem-basiertes Lernen (PBL), weil der Austausch mit anderen Studierenden und das Lesen von Papers sehr bereichernd war. Allerdings war der Leistungsanspruch insgesamt niedriger als an unserer Heimatuniversität. Wichtig zu wissen ist zudem, dass es nur „Bestanden/Nicht Bestanden“ gibt, sowohl bei Präsentationen als auch bei Prüfungen und der Masterthesis am Ende, was ich im Vorfeld gerne gewusst hätte, da ich lieber Noten gehabt hätte.
Wie würden Sie das Land, die Kultur und die Freizeitaktivitäten beschreiben, die Sie während Ihres Auslandsaufenthaltes erlebt haben?
Während meines Auslandsaufenthalts habe ich viele verschiedene Städte zu besucht. In Linköping sind diese mit Bus und Bahn gut erreichbar und bei rechtzeitiger Buchung auch relativ günstig. In der Freizeit bieten sich vor allem Outdoor-Aktivitäten an, zum Beispiel Wanderungen, Ausflüge in Naturschutzgebiete oder Städtetrips. Die schwedische Natur ist wirklich beeindruckend und bietet viele Möglichkeiten für Aktivitäten draußen. Die schwedische Kultur habe ich als sehr freundlich und hilfsbereit erlebt. Im Alltag sind die Menschen offen und respektvoll. Gleichzeitig ist es nicht immer ganz einfach ist, engeren Kontakt zu schwedischen Studierenden aufzubauen, da viele eher zurückhaltend sind und oft in ihren bestehenden Freundeskreisen bleiben. Auch wenn ich mir gewünscht hätte, mehr Kontakte zu Einheimischen zu knüpfen, habe ich dafür viele internationale Studierende kennengelernt und dadurch wertvolle interkulturelle Erfahrungen gesammelt.
Über die Zimmer-/Wohnungssuche und Unterkunft
Ich habe meine Unterkunft über die Universität bekommen, sie wurde von Heimstaden bereitgestellt. Das Zimmer war etwa 22 Quadratmeter groß und praktisch eingerichtet. Ich hatte ein eigenes Bad mit Dusche, Waschbecken und Toilette. Außerdem gab es ein 90 cm breites Bett, einen Schreibtisch, ein Regal und einen Stuhl. Es war ein Korridor-Zimmer mit insgesamt acht Personen, und wir haben uns Küche und Aufenthaltsraum geteilt. Das Zimmer selbst war sauber und in gutem Zustand, aber die Gemeinschaftsräume waren manchmal ein bisschen dreckig. Die Ausstattung war insgesamt okay.
Welche finanziellen Vorkehrungen haben Sie getroffen? Wie hoch waren die Lebenserhaltungskosten im Schnitt?
Finanziell hatte ich keine besonderen Vorkehrungen getroffen, außer dass ich mir Konten bei Wise und Revolut angelegt habe, um Euros in Kronen umzuwandeln. Im Nachhinein würde ich eher Wise empfehlen, da Heimstaden die Miete über Wise haben wollte. Die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten lagen bei etwa 800 bis 900 Euro im Monat. Davon waren rund 390 Euro Miete, also ungefähr 4.100 Kronen. Für Verpflegung habe ich etwa 300 Euro eingeplant, und für Freizeit lagen die Ausgaben zwischen 100 und 150 Euro.
Haben Sie Tipps was noch zu beachten ist?
Ladet euch die App Orbi herunter, um Tickets für Events und Partys zu kaufen. Sobald ihr vor Ort seid, braucht ihr auch die App Mecenat, die euren digitalen Studierendenausweis enthält mit dem bekommt man extra Rabatte. Wenn in der App nach einer Personennummer gefragt wird, schreibt einfach dem Mecenat-Service, gebt dort eure vorübergehende Personennummer von der Uni an und sagt, dass ihr hier studiert. Dann bekommt ihr das Konto super einfach. Für den Nahverkehr in Linköping empfehle ich die App Östgötatrafiken, und für längere Strecken in ganz Schweden nutzt am besten SJ.
Welche neuen Fähigkeiten und Qualitäten haben Sie erworben?
Ich kann jetzt ein bisschen Schwedisch sprechen. Verstehen ist noch etwas schwierig, da die Schweden schnell sprechen, aber ich habe auf jeden Fall etwas dazu gelernt. Fachlich habe ich vor allem im Labor viel dazugelernt.
Wie haben sich Ihre Werte und Einstellungen während Ihres Auslandsaufenthaltes verändert?
Dadurch, dass ich schon vorher länger im Ausland gewohnt habe und dort Praktika gemacht habe, haben sich meine Werte nicht stark verändert, da ich schon vorher sehr international offen war. Ich bin jedoch sozial noch etwas offener geworden, vor allem darin, neue Leute in ungewohnten Situationen kennenzulernen und etwas mit ihnen zu unternehmen, auch wenn ich sie noch nicht gut kannte. Das hat mein Selbstbewusstsein gestärkt.
Was war im Rückblick die größte Herausforderung bei der Vorbereitung auf oder während Ihres Auslandsaufenthaltes?
Die größte Herausforderung war rückblickend die Wohnungssuche, da es viel Unsicherheit gab und wir erst recht kurzfristig, etwa drei bis vier Monate vorher, ein Zimmer von der Uni zugewiesen bekamen. Auch die logistische Herausforderung, wie man dorthin kommt, alles transportiert und sich dann in der neuen Stadt zurechtfindet, war am Anfang nicht ganz einfach. Während des Aufenthalts war es dann eine Herausforderung, das Studium mit dem Reisen und dem Kennenlernen der Kultur zu balancieren. Im Nachhinein hätte ich vielleicht noch mehr Zeit zum Reisen nutzen sollen, statt mich nur auf das Akademische zu fokussieren.
Was war Ihre positivste Erfahrung während Ihres Auslandsaufenthaltes?
Meine positivste Erfahrung war es auf jeden Fall, all die neuen Leute kennenzulernen und Freundschaften. In Linköping gibt es so viele Events und Partys, die von Studierendenorganisationen organisiert werden, und es macht unglaublich viel Spaß, daran teilzunehmen. Ich würde auf jeden Fall empfehlen, die Ovve-Inauguration nicht zu verpassen, das ist wirklich super lustig. Und auch die “Kallas”-Veranstaltung, so eine Art Messe, war richtig toll, da gab es viel zu entdecken und mitzunehmen.