Katja Felicitas
- BSc Mechatronik/Robotik
- Odense, Dänemark
- Auslandssemester
- University of Southern Denmark
- Wintersemester 2025/2026

Wie haben Sie sich auf Ihren Auslandsaufenthalt vorbereitet? Welche praktischen Vorkehrungen haben Sie vor dem Austausch getroffen?
Nach der Nominierung habe ich sehr schnell Informationen von der Gasthochschule bekommen, auf deren Website es auch sehr einfach war Informationen bzgl. Unterkunft, Kursauswahl etc. zu finden. Ich habe vorab ein wenig über die Kultur recherchiert und mich darüber Informiert welche Infrastruktur, Ausflugsziele, Einkaufsmöglichkeiten, etc. es in Sønderborg gibt. Außerdem habe ich mir Erfahrungsberichte Online durchgelesen. Es war insgesamt recht einfach Infos von der Gasthochschule zu bekommen und sich zu orientieren. Auch die Reiseplanung war mir wichtig, wobei ich mit dem Auto angereist bin, da ich so mein Fahrrad mitnehmen konnte, was sehr empfehlenswert ist, da der Weg vom Studentenwohnheim bis zur Uni so nur ca. 10-15min dauert.
Wie wurden Sie von der Gastinstitution begrüßt?
Die Gasthochschule organisiert 2 Orientierungstage bei denen man sämtliche nötige Infos erhält. Viele Infos bekommt man auch bereits vorab per Email. Wichtig sind dabei v.a. Infos zu den Onlinesystemen der Uni, Anmeldung beim Bürgerservice und für den Studentenausweis (bekommt man am 1. Orientierungstag vor Ort). Vor dem Start der allgemeinen Orientierungstage, welche sowohl für Erstsemesterstudenten als auch Austauschstudenten waren, treffen sich alle Austauschstudenten mit der International Office Koordinatorin für eine kurze Vorstellungsrunde in der Uni.
Wie war das Studium an der Gasthochschule?
Die Arbeit in den Kursen ist häufig in Gruppenarbeiten oder Projektarbeiten organisiert, was Eigenständiges Arbeiten sehr wichtig macht. Der Stundenplan ist jede Woche gleich und die Vorlesungen laufen bis Ende November, bevor die Projektphase startet in der an Semesterprojekten und schriftlichen Abgaben gearbeitet wird. Die Projektphase dauert den ganzen Dezember, sollte man also ein Semesterprojekt (z.B. Expert in Teams) haben, ist dies oft eine eher stressige Phase. Die Prüfungen finden so gut wie alle im Jänner statt und sind großteils mündlich, wobei z.B. Präsentationen vorbereitet werden müssen, auf die dann Fragen der Lehrpersonen folgen. Bei den Prüfungen wird vor allem auf Verständnis geachtet und weniger darauf, ob man Fakten auswendig kann. Die Prüfungen waren tendenziell etwas leichter als an der FHTW. Organisatorisch ist die Uni sehr gut aufgestellt und die Kommunikation erfolgt auf Vornamensbasis und auf Augenhöhe.
Wie würden Sie das Land, die Kultur und die Freizeitaktivitäten beschreiben, die Sie während Ihres Auslandsaufenthaltes erlebt haben?
Dänemark ist ein sehr schönes Land, vor allem in den Küstenregionen. Das Studentenwohnheim und die Uni liegen z.B. auch direkt am Meer. Alle Menschen sprechen üblicherweise sehr gut Englisch, da Sønderborg nahe an der deutschen Grenze liegt sprechen sogar einige Menschen (z.B. manche Ärzte) deutsch. Die Dänen sind oft eher verschlossen, aber der Campus ist extrem international (sowohl auf Studierenden als auch auf Lehrpersonal Seite) und v.a. unter den Austauschstudenten ergeben sich so schnell Freundschaften, v.a. wenn man im Studentenwohnheim wohnt. Als Freizeitaktivitäten bieten sich z.B. Fahrradtouren, Spaziergänge oder Kurztrips mit dem Zug in andere Städte an (empfehlenswert sind z.B. Aarhus, Flensburg und natürlich Kopenhagen). Ansonsten ist es v.a. im Studentenwohnheim sehr empfehlenswert Kartenspiele o.ä. mitzubringen. Die Uni bietet auch viele Vereine (Brettspielverein, Robotikclub, uvm.) und es gibt in der Umgebung einige Sportvereine (Volleyball, Fußball, Handball, etc.).
Über die Zimmer-/Wohnungssuche und Unterkunft
Die Unterkunft wird, wenn man sich rechtzeitig registriert, vor Ort organisiert. Dabei kann man Wünsche angeben (eigenes Bad, eigene Küche, etc.) die wenn möglich berücksichtigt werden. Ich hatte ein Zimmer im Ungdomskollegiet mit eigenem Bad und geteilter Küche. Anfangs war ich skeptisch gegenüber der geteilten Küche, da allerdings fast alle Austauschstudenten im gleichen Gang wohnen und sich somit eine Küche teilen, hat sich dadurch eine sehr schöne Gemeinschaft ergeben, in der man sich auch gegenseitig super unterstützt hat (z.B. wenn mal jemand krank war). Das Zimmer ist möbliert (inkl. Kühlschrank) und man kann für 10€ im Monat ein Paket mit Bettwäsche, Handtüchern, etwas Geschirr etc. mieten. In der Küche gibt es für jeden einen Spind und insgesamt zwei Spülen, zwei Backöfen und zwei Herde. Es gibt eine geteilte Waschküche wo man auch via App Zeitslots reservieren kann. Das Studentenwohnheim hat auch einen großen Garten mit Grill- und Volleyballplatz und einen mietbaren Partyraum.

Welche finanziellen Vorkehrungen haben Sie getroffen? Wie hoch waren die Lebenserhaltungskosten im Schnitt?
Ich habe im Vorfeld gearbeitet, habe Familienbeihilfe und Erasmus+ Förderung bezogen und zusätzliche Unterstützung von meiner Familie erhalten. Insgesamt hatte ich so ein Budget von ca. 1100€/Monat. Ich hatte ca. folgende Kosten pro Monat:
- 380€ Miete inkl. Wlan, Heizung, Wasser etc.
- 360€ Essen (inkl. ca. 1x/Monat essen gehen) und Haushalt (Putzmittel, zusätzliche Küchengegenstände etc.)
- ca. 20€ für Waschmaschinen und Trockner (eine Wäsche kostet 2-3€ ein Trockner ca 70 Cent)
Zusätzlich habe ich für Reisen und Freizeitbeschäftigung (6 Tage Roadtrip in den Herbstferien, Ausflüge nach Flensburg, Kinobesuch, Museum, Weihnachtsmarkt) ca. 1000€ ausgegeben, aber die meiste Freizeitbeschäftigung war kostenlos (Radtouren, Spaziergänge, Spieleabend etc.).
Haben Sie Tipps was noch zu beachten ist?
Zugtickets sind in Dänemark recht billig wenn man sie im Voraus bucht, dafür ist die DSB App recht hilfreich und die App Rejseplanen. Die Kommunikation erfolgt in Dänemark extrem viel über Facebook (Messenger oder Facebookgruppen) man kann sich v.a. wenn man nicht im Studentenwohnheim wohnen möchte in der Uni-Facebookgruppe sehr gut informieren., es werden auch oft gebrauchte Sachen über Facebook verkauft oder verschenkt. Einkaufen ist in Dänemark recht teuer, im Netto, Rema1000 oder 365 Discount, ist es aber billiger als in größeren Ketten wie føtex oder Bilka. Es ist sehr empfehlenswert ein Fahrrad mitzunehmen oder sich vor Ort ein gebrauchtes Fahrrad zu kaufen, dass man am Ende des Semesters auch wieder verkaufen kann.
Welche neuen Fähigkeiten und Qualitäten haben Sie erworben?
Ich konnte meine Englischkenntnisse verbessern und habe auch etwas dänisch gelernt, es werden auch gratis dänisch Kurse angeboten (A2B ist empfehlenswert). Durch das internationale Umfeld bin ich offener für neues geworden und bin jetzt aufmerksamer und noch neugieriger gegenüber anderen Kulturen. Neue fachliche Fähigkeiten habe ich vor allem in den Kursen “Cleanroom Microfabrication”, welcher sehr gut unterrichtet war und interessante Laborübungen hatte und “Expert in Teams” welches ein studiengangsübergreifendes Projekt ist, bei dem Software, mechanical, mechatronics, EIB und electronics Studierende zusammenarbeiten, aneignen. In Expertin Teams arbeiten die Studierenden an Projekten von Unternehmen, was das ganze zu einer sehr guten, realitätsnahen Erfahrung gemacht hat, bei der ich Teamwork und Projektarbeit, sowie Projektdokumentation üben konnte. Die Begleitung dieses Projekts durch Personen der Unternehmen sowie Lektoren in der Uni war sehr gut organisiert.
Wie haben sich Ihre Werte und Einstellungen während Ihres Auslandsaufenthaltes verändert?
Eines meiner größten Learnings in dem Bereich war sicher, dass Menschen aus unterschiedlichen Kulturen oft eine extrem unterschiedliche Herangehensweise an Dinge haben, wodurch man sich seiner eigenen Werte und Einstellungen nochmal deutlicher bewusst wird. Ich denke ich bin offener für andere Perspektiven geworden und habe gelernt, Dinge auch von anderen Gesichtspunkten zu betrachten und achtsamer gegenüber anderen Kulturen zu sein.
Was war im Rückblick die größte Herausforderung bei der Vorbereitung auf oder während Ihres Auslandsaufenthaltes?
Eine der größten Herausforderungen war sicher, die Menschen zu Hause zu vermissen. Eine große Herausforderung gerade am Anfang war auch, ein neues Soziales Umfeld aufzubauen und sich mit einer neuen Kultur, Sprache, Währung und Stadt zurechtzufinden während man auch seine Kontakte zuhause nicht vernachlässigen möchte. Am Anfang sollte man auf jeden Fall zu den Semesterstart Veranstaltungen gehen um Menschen kennenzulernen, was für mich in Kombination mit all den neuen Eindrücken und Aufgaben auch sehr herausfordernd war, aber das wird schnell besser. Es hat mir dabei sehr geholfen, dass ich in der Küche automatisch einige Menschen kennenlernen konnte und dass der Campus sehr international ist und dadurch alle in einer ähnlich fremden Situation sind, was das Kontakteknüpfen recht einfach macht. Nach den ersten ca. 2-3 Wochen ist das auch recht schnell einfacher geworden.
Was war Ihre positivste Erfahrung während Ihres Auslandsaufenthaltes?
Es gab einige Highlights, wie z.B. Spiele- und Filmeabende, Polarlichter sehen, unsere Silvesterparty und gemeinsame Abende, an denen Menschen Essen aus ihrem jeweiligen Heimatland für alle gekocht haben. Das größte Highlight war aber auf jeden Fall der Roadtrip, den wir Austauschstudenten in einer Gruppe von 8 Personen in den Herbstferien gemacht haben. Dabei haben wir mit Mietautos Dänemark, Norwegen und Schweden bereist. Wir sind über Aarhus zur Fähre in Hirtshals gefahren und sind dann an der Küste über Oslo nach Göteborg gefahren wobei wir einige Zwischenstopps hatten. Von Göteborg sind wir mit der Fähre wieder nach Dänemark gefahren. Der Roadtrip war landschaftlich und als Gruppenerlebnis sehr schön und hat uns als Gemeinschaft sehr zusammengeschweißt.
