ESG an der FHTW: Vom Status quo zur Nachhaltigkeitsstrategie
24.06.2026
CSRD, GHG, SDG, LCA und ESG– viele dieser Begriffe begegnen uns heute in der Lehre & Forschung, und damit auch im Hochschulalltag. Oft wirken sie komplex oder sehr technisch. Genau hier setzt dieser Blog an.
Wir möchten hier im FHTW Nachhaltigkeitsblog ESG-Themen künftig einfach, transparent und aus der Praxis heraus zugänglich machen – entweder aus der Perspektive der ESG-Managerin oder direkt aus unseren Departments und Studiengängen. Und werden somit auch alle Abkürzungen in den verschiedenen Beiträgen nach und nach klären!
Im Mittelpunkt steht dabei nicht Theorie, sondern die Frage:
Wie wird Nachhaltigkeit an der FHTW konkret umgesetzt und weiterentwickelt?


Nachhaltige Ideen in der Umsetzung. (Bild: vegefox.com / Adobe Stock) / Gebäude Höchstädtplatz FH Technikum Wien. (Bild: Hans Leitner)
ESG Projekt 2025/2026
In diesem ersten Beitrag geben wir einen Einblick in ein zentrales ESG-Projekt, das zeigt, wie aus einzelnen Maßnahmen ein strategischer Gesamtprozess entsteht. Wie wird aus Nachhaltigkeit mehr als ein Anspruch? Und wie entsteht aus vielen Einzelaktivitäten ein klarer, steuerbarer Entwicklungsweg? ESG steht für die drei Dimensionen Environmental (E), Social (S) und Governance (G) – also alle Themen, die den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung zugeordnet werden.
Zwischen April 2025 und April 2026 wurde genau dieser Frage im Rahmen eines umfassenden ESG-Projekts nachgegangen. Ziel war es, Nachhaltigkeit an der FH Technikum Wien nicht nur zu dokumentieren, sondern systematisch zu analysieren, strategisch zu verankern und transparent zu kommunizieren. Dabei wurde der gesamte Prozess in vier aufeinander aufbauende Schritte gegliedert:
- Doppelte Wesentlichkeitsanalyse
- Corporate Carbon Footprint (CCF)
- Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie (Vision & Mission)
- Nachhaltigkeitsberichterstattung nach dem VSME-Standard (Voluntary Sustainability Reporting Standard)
Im Folgenden ein kurzer Einblick in die Schritte – eine ausführliche Beschreibung wird es auch in späteren Beiträgen noch einmal geben.
Schritt I: Verstehen, welche Themen wesentlich sind
Am Anfang stand eine zentrale Frage: Welche ESG Themen sind für die FHTW wirklich relevant? Die Antwort liefert die doppelte Wesentlichkeitsanalyse – ein Tool, welches zwei Perspektiven miteinander verbindet.
Inside-out-Perspektive
Diese Perspektive betrachtet die Wirkung der FHTW nach außen:
- Welche Auswirkungen hat die Hochschule auf Umwelt und Gesellschaft?
- Welche Prozesse, Entscheidungen und Aktivitäten erzeugen positive oder negative Effekte?
Outside-in-Perspektive
Hier wird der Blick umgekehrt gerichtet:
- Welche externen Entwicklungen wirken auf die Hochschule zurück?
- Dazu zählen regulatorische Anforderungen, gesellschaftliche Erwartungen oder klimabedingte Risiken.

Schritt II: Emissionen sichtbar machen
Auf Basis dieser Analyse wurde der Corporate Carbon Footprint (CCF) berechnet. Dabei geht es um eine zentrale Frage: Wie viele Emissionen entstehen entlang der Aktivitäten der FH Technikum Wien – direkt und indirekt. Die Berechnung schafft erstmals eine systematische Datengrundlage über den CO₂-Fußabdruck der FHTW. Emissionsquellen in Scope 1, 2 und 3 werden sichtbar, vergleichbar und damit auch steuerbar.
In Scope 1 fallen 90 t CO₂e durch Benzin und 78 t CO₂e durch Kältemittel an. In Scope 2 resultieren 546 t CO₂e aus 389 t CO₂e Strom und 157 t CO₂e aus Fernwärme. Scope 3 summiert sich auf 6.068 t CO₂e und gliedert sich in 2.571 t CO₂e für eingekaufte Waren und Dienstleistungen, 1.547 t CO₂e für Kapitalgüter, 165t CO₂e für Brennstoff- und energiebezogene Vorketten, 49 t CO₂e für Abfall, 265 t CO₂e für Geschäftsreisen, 160 t CO₂e für das Pendeln der Mitarbeitenden sowie 1.311 t CO₂e für nachgelagerte Transporte. Insgesamt ergibt sich ein CCF von rund 6.704 t CO₂e.
Aus den Zahlen lassen sich klare Hebel ableiten. Erstens dominiert Scope 3: Besonders Beschaffung, Kapitalgüter und das Pendeln bieten die größte Wirkungstiefe – hier helfen beispielsweise strengere Einkaufsrichtlinien, Re-Use- und Refurbishment-Ansätze, längere Nutzungsdauern sowie Mobilitätsanreize für ÖPNV und Rad.
Schritt III: Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie
Daten und Analysen allein verändern noch nichts. Deshalb wurde im nächsten Schritt eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt. Sie formuliert zwei zentrale Ebenen:
eine langfristige Vision, die beschreibt, wohin sich die Hochschule entwickeln möchte, und eine Mission, die klar macht, welchen Beitrag die Organisation auf diesem Weg leistet.
Damit wird aus Analyse eine Richtung. Und aus vielen Einzelmaßnahmen ein gemeinsamer Rahmen, der Entscheidungen künftig leitet.
Nachhaltigkeit wird so nicht als Zusatz verstanden, sondern als Teil der strategischen Entwicklung der Fachhochschule.

Schritt IV: Nachhaltigkeitsberichterstattung
Der Abschluss des Kreislaufs: Transparenz schaffen. Der letzte Schritt des Projekts führt die Ergebnisse nach außen: in die Nachhaltigkeitsberichterstattung nach dem VSME-Standard. Der VSME-Standard besteht aus zwei Modulen: dem Basis-Modul mit den zentralen Mindestangaben für nicht gelistete KMU (Kleine und mittlere Unternehmen) und dem Comprehensive-Modul mit erweiterten Offenlegungen und zusätzlichen KPIs, die sich noch enger an der ESRS-Systematik orientieren. Für unseren Bericht richteten wir uns nach dem Basis-Modul und ergänzten es – wo Datenverfügbarkeit und Qualität es zulassen – gezielt um Kennzahlen aus dem Comprehensive-Modul.
Der VSME‑Standard bietete uns den Rahmen, Nachhaltigkeit nachvollziehbar, vergleichbar und prüfbar offenzulegen – inhaltlich anschlussfähig an ESRS (European Sustainability Reporting Standards)/CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive), aber in einem deutlich abgeschwächten Rahmen. Kern war für uns das Prinzip der Doppelten Wesentlichkeit (Wirkungen nach außen und finanzielle Relevanz)und die Vergleichbarkeit für die nun folgenden Jahre.
Hier findest du den ganzen Bericht auch noch einmal zum Nachlesen: HIER.
Es bleibt ein Prozess…
Auch wenn das Projekt in klaren Schritten aufgebaut ist, zeigt sich in der Praxis etwas anderes: Nachhaltigkeit verläuft selten linear. Analysen, Strategie und Umsetzung greifen ineinander, entwickeln sich weiter und werden laufend angepasst.
Und damit anders gesagt: Das ESG Projekt ist kein abgeschlossener Prozess, sondern ein sich weiterentwickelnder Rahmen. Hier geht es so auch um die fortlaufende Berichterstattung und auch die Umsetzung der geplanten ESG Maßnahmen. Wir freuen uns schon im Juli mit einem nächsten Beitrag hier weiterzumachen.