ProLight Final Conference: Zwei Tage Shared Learning für klimabewusste Quartiere in Wien

06. Juli 2026
Expert*innen aus Österreich, Finnland, Griechenland, Spanien, Italien und Portugal zeigten, was in Quartieren bereits wirkt. Technik und soziale Innovation wurden zu skalierbaren Lösungen verknüpft.
Am 22. und 23. Juni 2026 fand an zwei Wiener Schauplätzen die Abschlusskonferenz des europäischen Forschungsprojekts ProLight statt. Der erste Tag führte die Community ins Village Cinema Wien Mitte, der zweite Tag wurde als Hybridveranstaltung im Impact Hub Vienna fortgesetzt. Forschende, Städtevertreter*innen, Praxispartner und europäische Institutionen zogen gemeinsam Bilanz nach vier Jahren Projektlaufzeit – mit konkreten Einblicken in Positive Energy Districts und soziale Innovationen für leistbares, klimaresilientes Wohnen.
Was beschleunigt Sanierungen tatsächlich?
Der Auftakt setzte die Sanierung im Bestand ins Zentrum: Unter dem Titel „The retrofit challenge“ diskutierten Expert*innen, was Sanierungen tatsächlich beschleunigt, wo Hürden liegen und welche Lösungen sich in der Praxis bewähren. Die Beiträge reichten von Projekterfahrungen in den Wiener und Vaasa-Demonstrationsquartieren über sozial orientierte Sanierungsmodelle bis zu Videoeinblicken aus den Demos.
Direkt anschließend rückte die Frage nach gerechter Teilhabe in Energiegemeinschaften in den Fokus. Anhand von Beispielen wie Gernika in Spanien und Urbana New Living in Milano wurden Chancen und Grenzen von Betriebsmodellen, Governance-Strukturen und Nutzerbeteiligung beleuchtet. Ein gemeinsames Abendessen im Kino schuf Raum für vertiefende Gespräche und Vernetzung.
Blick auf Europas Städte und Partnernetzwerke
Der zweite Konferenztag weitete den Blick auf Europas Städte und Partnernetzwerke. In der Plenarsession „What we’ve learned across Europe“ knüpfte eine Keynote aus der Europäischen Kommission an die zentrale Frage an, wie sich Wirkung von Demonstration auf Replikation skalieren lässt. Das ProLight-Konsortium präsentierte Ansätze für die Übertragung erfolgreicher Maßnahmen – von standardisierten Prozessen und digitalen Services über Werkzeuge für Bürgerbeteiligung bis hin zu Evaluationsmethoden für Mehrfachnutzen, die von Forschungspartnern wie Eurac Research vorgestellt wurden. In der anschließenden Vernetzungssession wurden Lehren aus Parallelprojekten und Partnerschaften gezogen, darunter das EU-Leuchtturmprojekt SUPERSHINE, die Innovationsplattform RENOWAVE.AT sowie Impulse aus der berufsbildenden Praxis.
Am Nachmittag stand die Rolle der Städte im Mittelpunkt: Vertreter*innen aus Kommunen, nationalen Förderstellen und Projektpraxis diskutierten, wie lokale Politik, Finanzierung und Innovationsökosysteme die Umsetzung klimaneutraler Quartiere beschleunigen können. Der Besuch des Wiener Demo-Quartiers „Sulmgasse 11“ rundete den Tag mit einem Blick auf konkrete Maßnahmen und Reallabor-Erfahrungen ab.
Zusammenspiel technischer Lösungen und sozialer Innovation
Die Konferenz zeigte eindrücklich, wie technische Lösungen und soziale Innovation erst im Zusammenspiel ihre volle Wirkung entfalten. Erfolgreiche Sanierungsvorhaben verbinden Energieeffizienz, erneuerbare Erzeugung und digitale Dienste mit Bewusstseinsbildung, transparenter Kosten-Nutzen-Aufteilung und niederschwelliger Teilhabe. Energiegemeinschaften werden dann zum Motor der Transition, wenn lokale Governance funktioniert und Nutzen fair verteilt wird. Für die Skalierung in weitere Quartiere erwiesen sich klare Replikationspfade, kooperative Stadt-Partnerschaften und ein belastbarer Kompetenzaufbau als Schlüssel.
Forschungsprojekt ProLight
ProLight ist ein von der Europäischen Union gefördertes Forschungsprojekt der FH Technikum Wien, angesiedelt im Department Industrial Engineering und laufend von Oktober 2022 bis September 2026. Ziel des Projekts ist es, innovative Sanierungsmaßnahmen und Energiegemeinschaften so zu entwickeln, zu bewerten und aufzubereiten, dass sie unmittelbar auf weitere Wohngebäude – insbesondere im sozialen Wohnbau – übertragbar sind.
ProLight arbeitet mit sechs europäischen Demonstrationsdistrikten, gebündelt in zwei Innovationsclustern: energie- und ressourceneffizientes Bauen und Sanieren in Österreich, Finnland und Griechenland sowie Energiegemeinschaften in Spanien, Italien und Portugal. Der Multi-Akteur-Ansatz verbindet angewandte Forschung mit theoretischer Analyse und stärkt aktive Bürgerschaft durch Bewusstseinsbildung, Citizen Science und partizipative Formate. Aus den identifizierten Best Practices entsteht ein europäischer Kompetenzrahmen, der die Fähigkeiten für klimabewusste Quartiersentwicklung systematisch beschreibt und verbreitet.
Geführt von Projektleiter Momir Tabakovic setzt sich das ProLight-Team aus den Projektmitarbeiter*innen Michael Heidenreich, David Sengl und Svitlana Alyokhina zusammen.
Transformation zu resilienten, klimafitten und menschorientierten Nachbarschaften
Mit Beiträgen und Erfahrungen aus Wien, Milano, Matosinhos, Vaasa und Kozani unterstrich die Final Conference die Stärke des geteilten Lernens über Länder- und Disziplingrenzen hinweg. Die FH Technikum Wien und ihre Projektpartner*innen machten deutlich, dass die Transformation zu resilienten, klimafitten und menschorientierten Nachbarschaften bereits greifbar ist – wenn technische Exzellenz, soziale Verantwortung und kommunale Umsetzungskraft zusammenfinden.
Das Event wurde von der Forschungsförderungsgesellschaft FFG und der Europäischen Union unterstützt.
Weiterführende Informationen:
Forschungsprojekt Prolight – FH Technikum Wien
Forschung und Entwicklung – FH Technikum Wien






































