Die Kunst der Energie: Nachhaltigkeit in der Spittelau erleben

Ein hohes, zylindrisches Gebäude mit goldenen Akzenten und einer runden Aussichtsplattform steht neben einem gestreiften Industriegebäude unter einem klaren blauen Himmel. Im Vordergrund sind Bäume und ein kleiner Zaun zu sehen.

14. April 2026

Studierende aus dem Bachelor-Studiengang Nachhaltige Umwelt- und Bioprozesstechnik berichten von ihrer Exkursion in die „schönste Abfallverwertungsanlage der Welt“.

Der folgende Bericht wurde von Studierenden des Bachelor-Studiengangs Nachhaltige Umwelt- und Bioprozesstechnik gestaltet. Sie besuchten die Müllverbrennungsanlage gemeinsam mit Master-Studierenden aus Umweltmanagement & Ökotoxikologie.

Wie funktioniert eigentlich eine moderne Müllverbrennungsanlage? Was kann sie verwerten? Essensreste, Spielzeugauto, Matratze oder doch einen Kleinwagen? Diesen und vielen weiteren Fragen gingen Studierende des Bachelor-Studiengangs Nachhaltige Umwelt- und Bioprozesstechnik nach.

Hinter der Hundertwasser-Fassade

Die Anlage wurde ursprünglich zwischen 1966 und 1971 als rein funktionales Bauwerk errichtet. Ein verheerender Brand in der Nacht vom 14. auf den 15. Mai 1987 zerstörte große Teile der Anlage und machte eine umfassende Sanierung erforderlich. Im Zuge des Wiederaufbaus wurde der renommierte Künstler Friedensreich Hundertwasser mit der Neugestaltung der Fassade beauftragt, allerdings unter einer einzigen strengen Bedingung: Es musste die modernste verfügbare Filtertechnologie installiert werden.

Abfallverwertungsanlage mitten in der Stadt – wieso?

Die Spittelau liegt bewusst zentral mitten in Wien: kurze Transportwege sparen Emissionen und Kosten, während die Anlage gleichzeitig Strom und Fernwärme direkt ins Wiener Netz einspeist. So werden täglich rund 1.000 Tonnen Restmüll in Energie in Strom und Fernwärme für bis zu 76.000 Wiener Haushalte umgewandelt. Der jüngste Leistungszuwachs ist vor allem der neu installierten Großwärmepumpe zu verdanken. Dank modernster Filtertechnologie werden die Emissionen auf ein Minimum reduziert, dennoch stößt die Anlage jährlich etwa 126.000 Tonnen Kohlendioxid aus, was uns zeigt, dass selbst die effizientesten Müllverbrennungsanlagen nicht völlig emissionsfrei sind.

Lernen am realen Beispiel

Die Exkursion mit den Studierenden des Bachelor-Studiengangs Nachhaltige Umwelt- und Bioprozesstechnik verdeutlichte, wie eng Umwelttechnik, Abfall- und Kreislaufwirtschaft miteinander verknüpft sind. Für die Studierenden war sie ein praktischer Einblick in Prozesse, die sie im Studium theoretisch erlernen – und zugleich ein Denkanstoß für einen bewussteren Umgang mit Ressourcen. Ganz im Sinne Friedensreich Hundertwassers, der es auf den Punkt brachte: Nachhaltigkeit beginnt damit, gar keinen Müll entstehen zu lassen, statt ihn später effizient zu verbrennen. Anlagen wie die in Spittelau können noch so fortschrittlich sein, die Abfallvermeidung bleibt jedoch immer die vorrangigste Lösung.

Zum Schluss sorgte noch eine ungewöhnliche Begebenheit für Schmunzeln: Ein VW Käfer landete einst im Abfallbunker der Spittelau. Weil er zu groß für die Verbrennung war, musste er zunächst vor Ort kleingeschnitten werden.

Sechs Personen stehen zusammen auf einem Dach mit einer Stadtlandschaft im Hintergrund. Sie lächeln, und eine große goldene Kugel auf einem Sockel steht hinter ihnen. Der Himmel ist klar und blau.