Interview: PFAS – „Ewigkeitschemikalien“ im Fokus

Eine künstlerische 3D-Nahaufnahme einer Molekularstruktur mit miteinander verbundenen transparenten Kugeln und Stäben, die Atome und Bindungen darstellen, vor einem verschwommenen blauen Hintergrund mit leuchtenden Bokeh-Lichtern.

23. März 2026

Sind unsere Gewässer bedroht? FHTW-Expertin Romana Hornek-Gausterer beantwortet die wichtigsten Fragen zu den problematischen Substanzen.

Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, kurz PFAS, werden aufgrund ihrer extremen Langlebigkeit in der Umwelt auch „Ewigkeitschemikalien“ genannt. In den letzten Jahren sind sie zunehmend in den Fokus der Forscher*innen und der Behörden gerückt. PFAS befinden sich in zahlreichen Alltagsprodukten, etwa in wasserabweisender Kleidung, Verpackungen, Kosmetika, Kochgeschirr, Gitarrensaiten, Skiwachs und Kühlmitteln.

Expertise Fachhochschule Technikum Wien

Romana Hornek-Gausterer, Studiengangsleiterin des Bachelorstudiums Nachhaltige Umwelt- und Bioprozesstechnik befasst sich intensiv mit diesem Thema. Sie war an einem aktuellen Expert*innenpapier des Österreichischen Wasser- und Abfallwirtschaftsverbands ÖWAV mit dem Titel Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen [PFAS] in der aquatischen Umwelt beteiligt. Das Expert*innenpapier legt den Fokus auf jene Eigenschaften und Auswirkungen von PFAS, die besonders relevant für unsere Wasser sind. Es richtet sich vor allem an Fachleute aus den Bereichen Trinkwasserversorgung, Abwasserwirtschaft und aquatische Umwelt. Aber was bedeutet das alles eigentlich? Wir haben mit Romana Hornek-Gausterer gesprochen:

Was sind Ewigkeitschemikalien und wo kommen sie her?

Romana Hornek-Gausterer: PFAS – auch „Forever Chemicals“ genannt – sind vom Menschen hergestellte Stoffe, viele sind besonders langlebig, wasser-, fett- und schmutzabweisend sowie chemisch und thermisch stabil. Aufgrund dieser Eigenschaften kommen sie in vielen Produkten des täglichen Lebens vor, etwa in Regenjacken, Antihaft-Pfannen, Lacken, Skiwachs, Reinigungsmitteln und Kosmetika.

Sind sie giftig? 

Für eine Reihe von PFAS ist die Gesundheitsschädlichkeit wissenschaftlich gut belegt. Studien deuten darauf hin, dass sie krebserregend wirken, das Immunsystem beeinträchtigen, den Hormonhaushalt stören und Organe schädigen können. Außerdem können sich bestimmte PFAS über die Nahrungskette anreichern und zu hohen Konzentration im Organismus führen.


Wie gelangen sie in die Umwelt? 

Ewigkeitschemikalien gelangen durch Industrieabwasser und Industrieabluft, welche mit PFAS kontaminiert sind, in die Umwelt. Doch nicht nur während der industriellen Produktion und der Verarbeitung von Produkten, sondern auch im Zuge der Entsorgung bzw. der Abfallbehandlung oder bei der Nutzung von Konsumentenprodukten, können die Chemikalien ins Wasser, in den Boden oder in die Luft gelangen. Dies gilt z.B. für den Einsatz von PFAS-haltigen Feuerlöschschäumen, aber auch für die Nutzung von PFAS-haltigen Alltagsprodukten.

Eine Frau mit schulterlangem braunem Haar und Brille lächelt in die Kamera. Sie trägt einen schwarzen Rollkragenpullover und einen dunklen Blazer und steht vor einem schlichten weißen Hintergrund.
Mag. Dr. Romana Hornek-Gausterer, European Registered Toxicologist (ERT)

Studiengangsleiterin
Bachelor Nachhaltige Umwelt- und Bioprozesstechnik

romana.hornek@technikum-wien.at
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Warum sind PFAS im Wasser problematisch?

 
PFAS sind durch ihre Langlebigkeit für unsere Gewässer und Trinkwasserressourcen problematisch, da sie nicht abgebaut werden und sich somit anreichern können. Kurzkettige PFAS sind sehr mobil und können das Grundwasser erreichen. Außerdem können langkettige Ewigkeitschemikalien in Fische gelangen und sich durch den Verzehr im menschlichen Körper anreichern. Auch über Trinkwasser können Menschen PFAS aufnehmen.

(Wie) können PFAS aus Wasser entfernt werden? 


Da PFAS biologisch nicht (vollständig) abbaubar sind, wurden und werden verschiedene Technologien entwickelt, um diese Chemikalien aus dem Wasser zu entfernen. Dazu zählen vor allem Adsorptionstechniken, die Membranfiltration und die Schaumfraktionierung. Adsorption an Aktivkohle und Membranverfahren werden bereits eingesetzt, sind aber aufwändig und kostenintensiv; andere Verfahren wie die Schaumfraktionierung befinden sich in der der Weiterentwicklung. An Technologien zur Entfernung von PFAS aus Wasser wird derzeit intensiv (weiter-)geforscht.

Wo ist die PFAS-Problematik besonders relevant? 

Besonders problematisch sind PFAS in der sogenannten aquatischen Umwelt, also in allen wasserbedeckten Lebensräumen. In Oberflächengewässern, das sind alle Gewässer, die an der Erdoberfläche sichtbar sind, wie z.B. Flüsse oder Seen, werden problematische PFAS nachgewiesen. Dabei überschreitet PFOS, ein langkettiges PFAS, in vielen EU-Gewässern die EU-Umweltqualitätsnorm nach der Wasserrahmenrichtlinie. Ein weiterer relevanter Aspekt ist der Einsatz von PFAS-haltigen Löschschäumen, denn dabei handelt es sich um einen wichtigen Eintrittspfad von PFAS ins Grundwasser. Andere Einträge können durch Kläranlagen, Kompost und Landwirtschaft erfolgen.

Was ist TFA?

Trifluoressigsäure (TFA) ist vor allem als Abbauprodukt anderer Chemikalien bedeutsam, etwa von bestimmten PFAS-Pflanzenschutzmitteln, fluorierten Kühlmitteln und Arzneimitteln. Diese fluorhaltigen Stoffe zerfallen in der Umwelt Schritt für Schritt, und am Ende bleibt TFA als sehr stabiles Endprodukt zurück, das nicht weiter abgebaut wird. Weil TFA extrem langlebig und gut wasserlöslich ist, verteilt es sich weltweit im Wasser – von Regen- und Grundwasser bis hin zu Flüssen, Seen und Trinkwasser. TFA ist bereits auch in Lebensmitteln, zum Beispiel in Getreideprodukten, Getränken und Wein zu finden. Behörden prüfen derzeit, wie TFA gesundheitlich zu bewerten ist und welche Grenzwerte für Trinkwasser sinnvoll sind.

Alternativen zu PFAS?

Für viele Produktgruppen stehen heute bereits praxistaugliche PFAS‑freie Alternativen zur Verfügung – etwa bei Outdoor‑Bekleidung, Möbeln, Lebensmittelverpackungen, Kosmetik und Reinigungsmitteln. Zahlreiche Unternehmen arbeiten aktiv daran, PFAS zu ersetzen oder haben sie bereits aus ihren Sortimenten verbannt.