Invasive Flusskrebse als Nahrungsmittel und Plastikersatz

12. Mai 2026
In einem FFG-geförderten Projekt gemeinsam mit der BOKU werden aus Eindringlingen hochwertige Gerichte, Würzsaucen und Rohstoffe für Bioplastik.
„If you can’t beat them, eat them” – so betitelt das Magazin “Circular Insider” des Circular Economy Forum Austria einen aktuellen Artikel zu einem gemeinsamen Projekt unter wissenschaftlicher Leitung von Christine Bertl mit der BOKU (Armin Winter) und Studierenden des Master Umweltmanagement & Ökotoxikologie. Wer ist hier der „Feind“, der nicht besiegt, aber verspeist werden kann? Es geht um den nordamerikanischen Signalkrebs, der die Krebspest in heimische Ökoysteme trägt.
Heute am Teller
Im Zentrum des Projekts steht ein kaskadischer Ansatz: Die Flusskrebse werden ganzheitlich verwertet, anstatt sie als Abfall zu behandeln. Zunächst wird das Fleisch in der Gastronomie genutzt. Es gilt als hochgeeignet, um auf dem Teller zu landen, kann aber schlicht und einfach nicht über etablierte Lieferketten bezogen werden. Hier setzt eine Kooperation mit dem Wiener Restaurant Cucina Alchimia an. Die verbleibenden Schalen werden fermentiert und zu Garum weiterverarbeitet – einem haltbaren Würzmittel.
Morgen in der Verpackung
In einem weiteren Schritt werden aus den Reststoffen biobasierte Materialien gewonnen, namentlich Chitin-Derivate, die zu Verpackungen, Beschichtungen oder biologisch abbaubaren Anzuchttöpfen verarbeitet werden können.
Derzeit läuft die Forschungsarbeit, unterstützt von zwei Studierenden, die ihre Masterarbeiten dem Thema widmen. Die Arbeiten werden im Herbst präsentiert, das von der FFG geförderte Forschungsprojekt der BOKU läuft bis Jänner 2027.

Das Printmagazin in Händen hielten die Beteiligten dann erstmals im Mai 2026 am Circular Economy Summit in Graz. Im Bild: Christine Bertl mit Sendi Gbinia von der Cucina Alchimia (Foto: privat; Foto oben: Credit Stephan Bertl)