Schnittstelle von Medizin, Informatik und Sensorik: Studierende lösten bei Science Fair Alltagsprobleme

03. Juli 2026
Bei der Science Fair an der FH Technikum Wien präsentierten Studierende des Bachelor-Studiengangs Biomedical Engineering ihre Projekte aus der Lehrveranstaltung „Medizinische Informatik Projekt“. Im Mittelpunkt standen selbst gewählte Problemstellungen und eigenständig entwickelte Lösungen mit medizintechnischem Bezug.
Wie kann Musik eine Parkinson-Therapiesimulation unterstützen? Wie lässt sich eine Fehlstellung über eine Schuhsohle messbar machen? Kann Muskelaktivität zur Steuerung eines Spiels genutzt werden? Und wie könnte ein Hilfsmittel aussehen, das Menschen bei der Anwendung von Insulinspritzen unterstützt?
Mit solchen Fragen beschäftigten sich Studierende des Bachelor-Studiengangs Biomedical Engineering an der FH Technikum Wien. Bei der abschließenden Science Fair präsentierten sie ihre Ergebnisse und zeigten, wie aus eigenen Ideen konkrete Anwendungen entstehen können.
„Durchprogrammierte Nächte, Laborprotokolle in epischer Länge, Schaltpläne, die beim dritten Versuch dann doch funktioniert haben, und dieser eine Moment, in dem das EKG-Signal endlich sauber war“, so hat Studiengangsleiter Johannes Martinek neulich auf LinkedIn den Alltag seiner Studierenden beschrieben – anlässlich der Sponsion. Einige Schritte davor ging es für Studierende bei der Science Fair um genau diesen Weg vom Problem zur Lösung: Ideen finden, realitätsnahe Anforderungen analysieren, Prototypen bauen und Ergebnisse präsentieren.
Die Problemstellung beginnt nicht am Aufgabenblatt
In der Lehrveranstaltung „Medizinische Informatik Projekt“ (LV-Leitung Florian Czeczil, weitere beteiligte Lektoren: Elvis Markovic, Lisa Hartl, Philipp Urbauer) hatten die Studierenden bewusst viel Freiraum: Sie erhielten keine eng vorgegebenen Aufgabenstellungen. Stattdessen waren sie gefordert, selbst ein Problem zu identifizieren, es zu analysieren und einen technischen Lösungsansatz zu entwickeln.
Damit rückte eine Fähigkeit in den Mittelpunkt, die im späteren Berufsleben entscheidend ist: nicht nur Technologie anzuwenden, sondern zu erkennen, wo sie sinnvoll eingesetzt werden kann.
Die Projekte entstanden an der Schnittstelle von Medizin, Informatik, Sensorik und Nutzer*innenorientierung. Wichtig war nicht nur der funktionierende Prototyp, sondern auch die Frage, für wen die Lösung gedacht ist und welches Problem sie adressiert.
Kreativität mit technischem Fundament
Die Bandbreite der Projekte zeigte, wie vielfältig und unkonventionell Biomedical Engineering sein kann. Eine Gruppe entwickelte eine musikbasierte interaktive Parkinson-Therapiesimulation und verband therapeutische Überlegungen mit einem spielerischen Zugang. Ein anderes Team druckte eigene Fußsohlen, um mit einem Hall-Sensor-System Fehlstellungen messbar zu machen – ein innovativer Ansatz, der erfolgreich prototypisiert wurde. Weitere Projekte setzten auf EMG-Signale zur Spielsteuerung oder auf einen Insulinspritzenhelfer für den medizinischen Alltag.
Begleitet wurden die Teams durch Lehrende, die coachten, Impulse gaben und fachlich unterstützten. Die Verantwortung für Idee, Umsetzung und Ergebnis blieb jedoch bewusst bei den Studierenden. So entstand ein Lernumfeld, das über klassische Wissensvermittlung hinausgeht: Die Studierenden erleben, wie aus Unsicherheit ein Konzept, aus einem Konzept ein Prototyp und aus einem Prototyp eine präsentierbare Lösung wird.
Science Fair als Testfeld für Ideen – mehr als eine Abschlusspräsentation
Die Science Fair bot den Projekten nicht nur eine Bühne, sondern auch einen realitätsnahen Rahmen. Die Studierenden erklärten ihre Lösungen, demonstrierten Prototypen und beantworteten Fragen zu technischen Entscheidungen, Herausforderungen und möglichen Weiterentwicklungen.Dieses Format zeigte eindrucksvoll, welches Potenzial entsteht, wenn Studierende frühzeitig an offene, reale Problemstellungen herangeführt werden. Sie lernen, technische Möglichkeiten kritisch zu bewerten, Nutzer*innen mitzudenken und Lösungen verständlich zu kommunizieren.Damit ist die Science Fair mehr als der Abschluss einer Lehrveranstaltung. Sie gibt Einblick in die Arbeitsweise künftiger Biomedical Engineers: neugierig, lösungsorientiert, interdisziplinär und mit dem Anspruch, Technologie für konkrete Herausforderungen im Gesundheitsbereich nutzbar zu machen.
Weiterführende Informationen:
Bachelor-Studiengang Biomedical Engineering
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